Pro und Kontra : Fahrverbot für Straftäter? Pro und Kontra

Die Unterhändler hatten sich bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin geeinigt, Alltagsdelikte in Zukunft nicht mehr nur mit Geld- oder Haftstrafen, sondern auch mit Fahrverboten zu ahnden.
Die Unterhändler hatten sich bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin geeinigt, Alltagsdelikte in Zukunft nicht mehr nur mit Geld- oder Haftstrafen, sondern auch mit Fahrverboten zu ahnden.

Union und SPD wollen das Fahrverbot als Strafe auch bei Delikten wie Diebstahl einführen. Das führt zu geteilten Meinungen, auch in der Redaktion des sh:z.

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22. November 2013, 06:55 Uhr

PRO
Das neueste Handy in der Tasche – ein Statussymbol für junge Menschen. Nicht jeder geht beim Erwerb legale Wege und wird stattdessen zum Dieb. Geldstrafen sind bekannt, außerdem zahlen dann Mama und Papa, und ins Gefängnis wird es schon nicht gehen. Der abschreckende Effekt durch die herkömmlichen Strafen hält sich in Grenzen. Und ob eine Haftstrafe jeden jungen Straftäter auf den rechten Weg bringt, sei einmal dahingestellt.

Das Auto – noch so ein Statussymbol. Wenn es aber nur noch nutzlos im Hof zu stehen droht, wenn der junge Handydieb erwischt und mit einem Fahrverbot bestraft wird, dann überlegt er sich vielleicht zweimal, ob er wirklich zugreift.

Der tägliche Weg zur Arbeit, die Fahrt in die Disco am Wochenende – ohne Auto wird das häufig nichts, erst recht nicht in einem Land wie Schleswig-Holstein, wo längst  nicht jede kleine Ortschaft rund um die Uhr per Bus und Bahn erreichbar ist. Gerade hier ist ein Fahrverbot eine harte und spürbare Strafe. Wenn nun mit Blick auf Städte mit  gut ausgebautem Nahverkehr argumentiert wird, diese Bestrafung treffe doch nicht jeden gleich hart, dann gilt das doch genauso für die Geldstrafe: Für den einen sind 200 Euro alles, was gerade noch auf dem Konto ist. Andere dagegen zahlen das Zehnfache quasi aus der Portokasse. (Matthias Kirsch, Mitglied der Schleswig-Holstein-Redaktion des sh:z)

Sollte auch bei kleineren Delikten wie Diebstahl ein Fahrverbot eingeführt werden?

zum Ergebnis

Kontra
Fahrverbote sollen die kriminellen Karrieren Heranwachsender stoppen können? Von wegen!  

Schmerzhaft ist eine solche Strafe vielleicht in einem Dorf, in dem der Heranwachsende keine Freunde mit Führerschein hat. Aber ein Fahrverbot in der Großstadt? Angesichts von Buslinien, U- und S-Bahnen ein Lacher. Diebstähle, Erpressungen oder gar Körperverletzungen können auf diese Weise sicherlich nicht geahndet werden. Überhaupt: Wer sagt  denn, dass jeder Heranwachsende auf dem Pfad der kriminellen Karriere eine Fahrerlaubnis besitzt?

Nein, mit der Idee des Führerscheinentzugs für Jung-Kriminelle  haben sich die potenziellen Großkoalitionäre gründlich verfahren. Und wenn Union und SPD als Argument anführen, dass sie mit dieser Idee vor allem auf Personen abzielen, die eine Geldstrafe unbeeindruckt wegstecken können – dann bitte muss die Strafe das Portemonnaie  betuchter Jung-Krimineller eben deutlich spürbarer belasten.  

Ähnliches gilt für die Körperverletzung: Hier bedeutet ein Fahrverbot nur das Fortsetzen der oft in diesem Tatzusammenhang kritisierten „Kuscheljustiz“. Gerade ein härteres Vorgehen hat –  wegen der Schockwirkung einer Haftstrafe und der Zeit dabei zum Nachdenken –  nicht wenige ehemalige Gewalttäter bewegt, sich umzuorientieren: Sie holten hinter Gittern den Schulabschluss nach, führten „draußen“ dann ein gewaltfreies Leben. (Wolfgang Blumenthal, Mitglied der Schleswig-Holstein-Redaktion des sh:z)

Was halten Sie von den Plänen, künftig kleinere Delikte wie Diebstahl mit einem Fahrverbot zu bestrafen? Nutzen Sie die Kommentarfunktion unter dem Artikel, um uns Ihre Meinung mitzuteilen oder schreiben Sie eine E-Mail an onlineredaktion@shz.de
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