Gesundheitsreport : Experten: Burnout wird überschätzt

Im vergangenen Jahr haben die Ärzte im Norden nur bei jedem 480. Mann und jeder 280. Frau ein Burnout auf der Krankschreibung vermerkt. Foto: dpa
Im vergangenen Jahr haben die Ärzte im Norden nur bei jedem 480. Mann und jeder 280. Frau ein Burnout auf der Krankschreibung vermerkt. Foto: dpa

Laut Experten haben sich die Fehltage durch psychische Erkrankungen in Schleswig-Holstein erhöht. Allerdings sei die allgemeine Aufregung nicht gerechtfertigt.

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25. April 2013, 09:26 Uhr

Kiel | Die Deutschen - ein Volk mit kranken Seelen? Die Krankenkasse DAK widerspricht vehement dem Eindruck, die Zahl psychisch Kranker nehme rapide zu. "Real sind nicht mehr Menschen als vor 15 Jahren seelisch krank - auch nicht in Schleswig-Holstein", stellt DAK-Landeschefin Regina Schulz in Kiel klar. Richtig sei zwar, dass sich seit 2001 die Zahl der Fehltage durch Depressionen und andere psychische Krankheiten in Schleswig-Holstein um 84 Prozent auf insgesamt 2,9 Millionen Tage erhöht habe, wie der DAK-Gesundheitsreport 2012 zeigt. Doch die Sensibilität von Ärzten und Patienten diesen Krankheiten gegenüber habe sich deutlich verändert. "Viele Arbeitnehmer werden heute mit psychischen Problemen krankgeschrieben, die früher etwa mit der Diagnose chronische Rückenschmerzen arbeitsunfähig gewesen wären", so Schulz.

Auch die Aufregung um Burnout sei nicht gerechtfertigt. "Burnout ist weder eine Diagnose noch eine Volkskrankheit", bestätigt Kurt Langner, Chefarzt der Curtius-Klinik in Malente. Im vergangenen Jahr hatten die Ärzte im Norden nur bei jedem 480. Mann und jeder 280. Frau ein Burnout auf der Krankschreibung vermerkt. Depressionen kommen acht Mal so häufig vor. Eine Ursache für psychische Krankheiten sehen die DAK-Experten in der zunehmenden Arbeitsverdichtung, dem Konkurrenzdruck und langen Arbeitszeiten.

Die häufig als Ursache angeführte "Rund-um-die-Uhr-Einsatzbereitschaft", die Arbeitgeber angeblich verlangen, sei jedoch eine Mär. In Schleswig-Holstein haben zwar 88 Prozent der Befragten ihre Telefonnummer beim Chef hinterlegt. Knapp 74 werden jedoch nie nach Dienstschluss angerufen. Bei dienstlichen Mails sieht es ähnlich aus: Knapp 72 Prozent bekommen nach Feierabend "nie" oder "fast nie" eine Mail aus der Firma. Die Studie zeigt aber auch: Wer außerhalb der Arbeitszeit erreichbar ist, trägt offenbar ein hohes Risiko.

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