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Nordfriesische Insel : Experte will Ursache für Hasensterben auf Pellworm gefunden haben

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Vor zehn Jahren begann das Hasensterben und niemand hatte eine Erklärung. Offenbar hat es mit der Darmflora der Tiere zu tun.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 10:54 Uhr

Pellworm | Der Wildtierbiologe Daniel Hoffmann hat offenbar die Ursache für das Hasensterben auf der nordfriesischen Insel Pellworm gefunden. Das berichtet der NDR. Laut Hoffmann sei die Darmflora der Tiere stark beschädigt. Der freiberufliche Biogeograph aus dem Saarland ist sich sicher, dass die veränderte Landschaft für die nachtaktiven Tiere tödlich sein kann.

Für Feldhasen ist Pellworm eigentlich ein Paradies. Die Tiere haben dort keine natürlichen Feinde, es gibt keine Füchse und Marder. Vor zehn Jahren begann jedoch ein unerklärliches Hasensterben, nach deren Ursache lange gesucht wurde. Die Insel dient als Großlabor für Forscher, da der Lebensraum der Tiere von äußeren Einflüssen gut geschützt ist.

Die Erkenntnis ist nicht neu. Schon im März 2014 hatte shz.de über Hoffmanns Theorie berichtet. Damals vermutete Hoffmann bereits einen Zusammenhang zwischen dem Hasensterben und der Inbetriebnahme einer Biogasanlage. Durch auf die landwirtschaftlichen Flächen ausgebrachte Gärreste aus der Biogasanlage könnten bisher unbekannte Keime (Krankenhauskeime) in die Tierkörper gelangt sein. Die Darmflora der Tiere sei geschädigt, und zwar durch Keime, die in gesunden Hasen gar nicht oder in nur geringen Mengen vorkommen, sagte Hoffmann damals.

Die neue Erkenntnis: Auch die Pflanzenvielfalt geht zurück. Sowohl die Biogasanlage als auch die Umwandlung von Dauerweiden „in moderne Hochleistungsgräser“ würde dazu beitragen, sagt Hoffmann. Dadurch werde die Nahrung des Hasen sehr monoton. In der Folge werde der Darm für die Tiere anfällig – beispielsweise für Kolibakterien. „Die Bakterien wuchern den Darm der Hasen zu. Und dann stirbt er“, sagt Hoffmann dem Schleswig-Holstein Magazin.

Besonders betroffen sind Jungtiere. Viele von ihnen überlebten das erste Jahr nicht, sagt Hoffmann. So habe sich die Population bereits halbiert. Vor zehn Jahren gab es noch 2000 Tiere auf der Insel.

Ändern könne das Hasensterben nur eine Änderung der Agrarsubventionen. Das Ziel müsse sein, die Artenvielfalt auf Weiden zu fördern, anstatt auf Masse zu setzen.

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