Betrug und Bestechung : Ex-NDR-Redakteur angeklagt

Gegen den ehemaligen NDR-Fernsehredakteur Gerd Rapior hat die Staatsanwaltschaft Kiel Anklage erhoben.

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07. April 2012, 09:32 Uhr

Kiel | Dem 59-Jährigen werden gewerbsmäßige Bestechlichkeit in Tateinheit mit gewerbsmäßigem Betrug sowie Vorteilsnahme vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft in Kiel mit. Dabei gehe es um einen sechsstelligen Betrag.
Auch die Frau des Journalisten wurde angeklagt - wegen Beihilfe. Der Prozessbeginn vor der Großen Strafkammer des Landgerichts steht noch nicht fest. Rapior hatte im März 2010 selbst fristlos gekündigt und war damit dem NDR zuvorzukommen.
Laut Staatsanwaltschaft soll der Ex-Redakteur Firmen, Verbänden und Institutionen vorgegaukelt haben, für sie Themen im NDR-Programm platzieren zu können. Tatsächlich habe er aber nie die Absicht gehabt, auf die Programmgestaltung Einfluss zu nehmen. Ihm ging es nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft nur ums Geld. Der Beschuldigte soll für verdeckte Lobby-Arbeit auch Interna aus dem NDR pflichtwidrig weitergegeben und seine journalistischen Kontakte zur Landespolitik genutzt haben. Nach seiner Trennung vom NDR soll sich Rapior Arbeitslosengeld und einen Gründungszuschuss der Arbeitsagentur unter falschen Angaben erschlichen haben.
Der Journalist hatte 2010 eingeräumt, nicht genehmigte Nebentätigkeiten ausgeübt zu haben. Der Redakteur ließ damals über seine Anwältin erklären, er bedaure seine Verfehlungen und trage dafür die Konsequenzen. Den Vorwurf der Bestechlichkeit wies er aber zurück. Er hatte unter anderem Mitglieder der Nord-CDU im Umgang mit den Medien trainiert und dafür laut CDU knapp 12.000 Euro erhalten.

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