Barschel-Tod : Ex-Ermittler Heinrich Wille geht weiter von Mord aus

Ex-Ermittler Wille geht weiter von Mord aus. Foto: sh:z
Ex-Ermittler Wille geht weiter von Mord aus. Foto: sh:z

Der frühere Barschel-Chefermittler Heinrich Wille hält die geplante DNA-Spurensuche an Barschels Kleidung für wenig erfolgsversprechend.

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18. Juni 2011, 10:04 Uhr

Lübeck | Man könne wohl genetisches Material an der Kleidung finden, habe damit aber noch keinen Tatverdächtigen, sagte Wille gestern. Er gehe nach wie vor davon aus, dass Uwe Barschel ermordet wurde. Zudem sagte Wille, er sei überzeugt, dass Barschel Opfer eines Giftmordes geworden sei. Der frühere Kieler Regierungschef war am 11. Oktober 1987 tot in einer Badewanne in einem Genfer Hotel entdeckt worden. Viele Fachleute gehen von Selbstmord aus, doch die Todesumstände wurden nie restlos geklärt.

Wille sagte, er glaube nicht, dass die Suche nach DNA-Spuren einen entscheidenden Durchbruch bringen werde. "Es fehlt nach wie vor ein Tatverdächtiger. Die mutmaßlichen Täter von damals werden wahrscheinlich nicht in den zur Verfügung stehenden Vergleichsdateien gespeichert sein", sagte der frühere Leiter der Staatsanwaltschaft Lübeck. "Das Fehlen von Tatverdächtigen war ja der Grund, warum wir die Mordermittlungen 1998 eingestellt haben."
"Die Staatsanwaltschaft muss entscheiden, wie sie es für richtig hält"
Auf Anregung des CDU-Landtagsabgeordneten Werner Kalinka will die Lübecker Staatsanwaltschaft Kleidungsstücke, die Uwe Barschel bei seinem Tod getragen hat, auf mögliche DNA-Spuren untersuchen lassen. Kalinka hatte seinen Vorstoß damit begründet, dass in jüngster Zeit durch verbesserte Methoden des DNA-Abgleichs lange zurück liegende Morde aufgeklärt wurden. "Die Staatsanwaltschaft muss entscheiden, wie sie es für richtig hält. Ich freue mich jedenfalls, dass ihre Entscheidung augenscheinlich unstrittig ist", so Wille.

Er selbst hatte sich mit seinem Festhalten an der Mordthese nicht nur Freunde gemacht. So hatte ihm sein Vorgesetzter, der frühere Generalstaatsanwalt Erhard Rex, 2007 untersagt, ein Buch über den angeblichen Mord an Barschel zu veröffentlichen. Rex hatte das damit begründet, dass Wille damit dienstlich erworbenes Wissen privat vermarkten würde. Seit Herbst 2010 ist Wille im Ruhestand, sein Buch "Ein Mord, der keiner sein durfte. Der Fall Uwe Barschel und die Grenzen des Rechtsstaates" soll im September erscheinen.
(dpa, shz)

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