Arktik-Winter : Es wird eiskalt im Norden

Werner Stöwer
Werner Stöwer

Zwei Menschen sind bereits erfroren, und die Temperaturen sinken weiter: Meteorologen erwarten minus 20 Grad Celsius und 20 Zentimeter Schnee. Doch das Eis bleibt vorerst brüchig.

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04. Januar 2009, 02:35 Uhr

Hamburg | Er ist der erste Kälte-Tote im noch jungen Jahr 2009: Leonard M. (18) ist nach einer Silvesterparty in Hamburg betrunken erfroren. Der Gymnasiast war auf dem Heimweg in der frostigen Nacht eingeschlafen - bekleidet nur mit einem T-Shirt. Freunde machten sich Sorgen, fanden den leblosen Schüler am Neujahrsmorgen, verständigten den Notarzt. Der konnte den unterkühlten Hamburger zwar zunächst wiederbeleben, doch Leonard M., einer der besten Nachwuchs-Schachspieler der Hansestadt, starb wenig später im Krankenhaus. Laut Gerichtsmedizin hatte er 2,44 Promille Alkohol im Blut.
Erst kurz vor dem Jahreswechsel war ein Rentner (66) aus Schwinge bei Hamburg erfroren. Er war beim Ausführen seines Hundes in einem Waldstück gestürzt, konnte nicht mehr aufstehen. Ein Autofahrer fand den Mann einige Stunden später tot auf. Eisige Temperaturen - und das Thermometer fällt noch weiter. Bis zu zehn Zentimeter Neuschnee soll es geben. Anfang kommender Woche soll es im Norden und Osten Deutschlands bitterkalt werden - bis minus 20 Grad.
"Wir sind auf Eisrettungen vorbereitet"
Angesichts des anhaltenden Frostes und dieser arktischen Aussichten schnürten bereits einige Erwachsene in Itzehoe in dieser Woche ihre Schlittschuhe, drehten vor den Augen von Kindern ein paar Runden auf einem zugefrorenen Teich. Zu früh, wie Werner Stöwer vom Landesfeuerwehrverband betont. "Das ist lebensgefährlich", sagt der Brandmeister. Er warnt, dass man sich auf dünnes Eis begebe. Die Schicht trage noch nicht zuverlässig. "Abwarten und Ruhe bewahren", lautet seine Devise. Wenn es in den nächsten Tagen weiter friere, könne man vereinzelt den Gang aufs Eis wagen.
Aber: Selbst dann gebe es keine Garantie, dass die Eisdecke hält. "Vor allem Kinder lassen sich leicht reizen, auf gefrorene Seen zu gehen, deren Eis noch brüchig ist. Auch wenn das Eis Vertrauen erweckend aussieht, sollte vorher ein Fachmann prüfen, ob es dick genug ist", sagt Stöwer. In diesem Fall könne man sich etwa an Mitarbeiter des Bauhofs wenden. "Viele Menschen machen den Fehler: Sie gehen selbst auf das Eis, hüpfen und denken, das hält schon. Erst sind es zwei, dann fünf, dann zehn - und schnell sind es zu viele." Gerade in nicht stehenden Gewässern sorgten Strömungen dafür, dass das Eis stellenweise zu dünn bleibt. Trotz aller Warnungen weiß Stöwer, dass es in den nächsten Tagen Unverbesserliche geben wird. "Wir sind daher auf Eisrettungen vorbereitet", sagt er.

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