Landarzt-Fonds : Es fehlen 18.500 Euro

Offenbar wurde seine Gutmütigkeit ausgenutzt: Landarzt-Darsteller Walter Plathe alias Dr. Ulrich Teschner fordert verschwundene Spendengelder zurück.
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Offenbar wurde seine Gutmütigkeit ausgenutzt: Landarzt-Darsteller Walter Plathe alias Dr. Ulrich Teschner fordert verschwundene Spendengelder zurück.

Im Fernsehen heilte er als Landarzt Patienten, im wirklichen Leben hilft Walter Plathe Menschen in Kappeln mit seinem Landarzt-Fonds. Jetzt sind 18.500 Euro weg.

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01. November 2007, 08:14 Uhr

Schnell und unbürokratisch sollte er helfen, der Landarzt-Fonds. Mit diesem Ziel gründeten 1997 der Landarzt-Darsteller Walter Plathe, Hotelier Michael Hucke und Anwalt Volker Nissen als Vorstand ihren gemeinnützigen Verein. Jetzt steckt der Fonds in der Krise.

Es fehlt Geld auf dem Konto, sagen Hucke und Plathe. 18.500 Euro, die der Kappelner Notar und CDU-Stadtvertreter Nissen in seiner Funktion als Schatzmeister unterschlagen haben soll. Über Jahre schon sammelt der Vereinsvorsitzende Plathe mit Benefiz-Gastspielen Gelder, Spenden füllen zudem das Konto des Fonds.
Der Fonds hatte bisher einen guten Ruf

So kamen allein mit einer Vorstellung im Hamburger "Winterhuder Fährhaus" im Jahr 2004 mehr als 10.000 Euro in die Kasse, die Aktion "Kinder helfen Kindern" legte noch einmal 5000 Euro obendrauf. Der Landarzt-Fonds erwarb sich über die Region hinaus einen guten Ruf - der jetzt wohl erst einmal dahin ist.

In den Jahren 2004 und 2005 wurden 18.500 Euro in sechs Teilsummen zwischen 1500 bis 5500 Euro vom Konto transferiert. Nissen habe das Geld für persönliche Zwecke benötigt. "Er hat das vor kurzem in einem persönlichen Gespräch mit Herrn Hucke und mir eingeräumt", sagt Walter Plathe.
Plathe strebte eine glimpfliche Lösung an

Da habe man noch versucht, dem "Freund" eine "goldene Brücke" zu bauen. Plathe forderte demnach den Schatzmeister auf, das Geld bis Januar auf das Konto zurückzuzahlen, anschließend sollte er den Verein verlassen.

"Die ganze Sache ist mir so unangenehm", begründet der Landarztdarsteller sein ursprüngliches Angebot. Mittlerweile hätten er und Hucke allerdings den Kappelner Rechtsanwalt Volker Ramge eingeschaltet und bei diesem eidesstattliche Erklärungen hinterlegt, in denen sie besagtes Gespräch schildern.
Notar will Geld angelegt haben

Demnach hätten sie Nissen auf den viel zu niedrigen Kontostand angesprochen, er habe erwidert, das Geld sei angelegt. Nach der Aufforderung, die Art der Anlage zu erläutern, habe ihr Schatzmeister gestanden, mit dem Geld Steuerschulden getilgt zu haben, heißt es in den Erklärungen.

Volker Nissen bestreitet diese Aussagen vehement. "Das habe ich nie gesagt. Ich habe das Geld angelegt, weil wir einen zu hohen Kontostand hatten. Die Gemeinnützigkeit des Vereins stand damals auf dem Spiel." Das Geld sei verbunden mit einem Anlagevertrag und einer Verzinsung von 4,5Prozent an eine Privatperson verliehen worden. Diesen Vertrag habe er Hucke und Plathe bereits 2005 gezeigt.
Namenszüge auf Dokument verwischt

"Ich habe diesen Vertrag im Oktober dieses Jahres erstmals gesehen, der Name des vermeintlichen Geld-Empfängers war darauf aber nicht zu entziffern", sagt Hucke. Auf dem ansonsten gut leserlichen Dokument sind lediglich die Namenszüge verwischt.

Nissen jedenfalls will den Vertragspartner nicht öffentlich machen, "aber ich werde ihn bei der nächsten Vorstandssitzung gern nennen". Fraglich ist allerdings, ob es zu dieser Sitzung überhaupt noch kommt. "Wir wollen nur noch das Geld zurück", sagt Hucke.
"Wir haben nicht genau genug hingeschaut"

Wenn der Vertrag vorher nicht bekannt war, warum fielen dann fast drei Jahre lang die fehlenden 18.500 Euro nicht auf? "Volker war für das Konto zuständig, wir haben ihm vertraut und deshalb nicht genau genug hingeschaut", antwortet Hucke.

Das einstige Dreigestirn des Landarzt-Fonds wird sich wohl vor Gericht wiedersehen. Die alte Freundschaft ist offenem Misstrauen gewichen. Am Dienstag hat Rechtsanwalt Ramge im Namen seiner Klienten Strafanzeige gegen Nissen gestellt. Der wiederum hat sich den Kieler Anwalt Wolfgang Kubicki als Rechtsbeistand an die Seite geholt und droht seinerseits mit rechtlichen Schritten.
Landarzt-Fonds soll weiterbestehen

Egal, wie die Gerichte entscheiden, Verlierer ist in jedem Fall der Landarzt-Fonds. "Diese Schlagzeilen sind sicherlich nicht gut", sagt Plathe, der dennoch mit Hucke gemeinsam weitermachen will. Das Konto existiert noch, gestern stand es bei immerhin noch 3310 Euro.

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