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Entdeckerbad Damp : Erst die Arbeit, dann das Badevergnügen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In unserer Sommerserie schauen wir hinter die Kulissen bekannter Freizeit-Attraktionen in Schleswig-Holstein – heute mit Svenja Wenzel im Entdeckerbad in Damp.

shz.de von
erstellt am 18.Aug.2014 | 12:06 Uhr

Damp | Der Anstieg für Svenja Wenzel beträgt 97 Meter. Jeden Morgen. Leicht gebückt kämpft sie sich die Rutsche hoch. Eine gute Stunde später stürzen sich hier meist johlende Menschen hinunter. Sie überprüft, ob es irgendwelche Stellen gibt, an denen die Badegäste in der Rutsche hängen bleiben könnten. Natürlich hat sie den Spaß schon selbst ausprobiert. „Das ist ein Muss“, sagt die 25-Jährige. Sie ist eine freundliche, zurückhaltende junge Frau. Sie spricht ruhig und mit Bedacht. In diesem Moment lacht sie aber herzhaft.

Svenja Wenzel ist Fachangestellte für Bäderbetriebe. Sie arbeitet im Entdeckerbad in Damp. Anfang Juli ist das Bad mit dem regulären Betrieb an den Start gegangen. Vorher gab es etwa drei Wochen des Übens, Probierens und Verbesserns. Svenja Wenzel ist eine von 21 Kräften im neu zusammengestellten Team von Bäderfachangestellten, Gastro-Mitarbeitern, Technikern und Kassierern. „Das Team wird gerade ein Team“, sagt sie. Sie sei froh, wieder „hier oben“ zu sein. Zuvor arbeitete sie in großen Bädern in Hessen, nun ist sie in ihre alte Heimat zurückgekehrt.

Eine Stunde bevor der erste Gast eines der drei Becken sowie die Saunen nutzt oder sich die Rutsche hinunterstürzt, beginnt Svenja Wenzels Arbeitstag um 9 Uhr morgens. Dann werden alle Lichter angeschaltet, die Liegemöglichkeiten überprüft und die Saunen eingeschaltet. Drei Saunen stehen den Gästen zur Verfügung. 40 Grad sind es dort, wenn sie morgens ihren Dienst antritt. Wenn Svenja Wenzel den Schalter umgelegt hat, werden die beiden finnischen Saunen auf etwa 80 Grad erhitzt. Der Aufguss regelt sich dann automatisch. An diesem Tag ist ein Holunder-Zitrus-Aufguss an der Reihe.

Bei ihrem Rundgang trifft sie auch auf den Damper Bürgermeister Horst Böttcher. Der war als höchster Mann in der Gemeinde zugleich einer der Bauherren des Entdeckerbads. Noch immer schaut er gerne vorbei, obwohl die Betreibergesellschaft ostsee resort damp GmbH nun das Ruder übernommen hat. „Ohne ein solches Bad könnten wir einen Standort wie diesen nicht betreiben“, sagt er. „In den letzten knapp zwei Jahren der Bauphase haben wir schmerzlich gemerkt, wie sehr uns ein Bad fehlt. An allen Ecken und Kanten.“

Bis 2025 will Schleswig-Holstein 30 Prozent mehr touristischen Umsatz erreichen und in die Top 3 der Gästezufriedenheit aufrücken. Dabei sollen Projekte wie das Entdeckerbad helfen, sagte Tourismus-Staatssekretär Ralph Müller-Beeck vor einigen Wochen bei der Eröffnung. Rund 15 Millionen Euro hat das Bad gekostet, acht Millionen sind Landesgelder. Nach etwa 19 Monaten Bauzeit steht nun das Entdeckerbad, wo früher das aqua tropicana stand.

Damit sich die Gäste wohlfühlen, setzt Svenja Wenzel ihre Vorbereitungsrunde fort. Über Nacht hat ein Beckensauger vier Stunden lang schon die Vorarbeit im 500 Quadratmeter großen Innenbecken gemacht. Das Becken ist in abstrahierter Form der Ostsee nachempfunden. Durch die Fenster können die Gäste direkt auf die Ostsee blicken. Bei der Säuberung des Außenbeckens muss Svenja Wenzel selbst Hand anlegen, auch wenn die Hauptarbeit vom Beckensauger erledigt wird. Per Fernbedienung dirigiert sie das Din-A3-große, gelbe Gefährt über den Beckenboden.

Dann geht es weiter mit den Wasserproben. Die nimmt die 25-Jährige beim Einlauf ins Becken. Dort seien die Werte am genauesten, berichtet sie. Der freie Chlorwert liegt an diesem Tag, bei 0,37 Milligramm pro Liter (mg/l). „Das ist in Ordnung“, sagt Svenja Wenzel. Sie nimmt sich eine weitere Probe vor, um den Gesamtchlorwert zu bestimmen. Der liegt bei 0,55 mg/l. „Die Differenz aus den beiden Zahlen ist der so genannte gebundene Chlorwert“, erklärt Wenzel. „Also das verbrauchte Clor, das den Geruch im Schwimmbad ausmacht.“ Laut Umweltbundesamt soll der gebundene Chlorwert nicht höher als 0,20 mg/l betragen. „Wenn er zu hoch wäre, müsste die Technik mehr Frischwasser zupumpen.“ Der Technikbereich des Entdeckerbads ist eine eigene Welt für sich. Während die Gäste sich eine Etage höher amüsieren, sorgen hier drei Techniker auf einer Grundfläche von 2000 Quadratmetern für einen reibungslosen Ablauf. Stündlich werden im Entdeckerbad bis zu 91.000 Kubikmeter Luft ausgetauscht sowie 520 Kubikmeter Beckenwasser umgewälzt und gereinigt.

Svenja Wenzel misst noch den ph-Wert. Wer Fachangestellte für Bäderbetriebe sein möchte, sollte kein Feind der Chemie sein. Anschließend klettert sie die Rutsche hoch. Es ist alles in Ordnung. Die ersten Gäste können nun kommen – und Svenja Wenzel die Beckenaufsicht übernehmen.
 

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