Erbschaften in SH : Erben kurios: Wenn SH das Vermächtnis zufällt

Nicht jeder Mensch kann in seinem Testament einen Erben benennen.
Nicht jeder Mensch kann in seinem Testament einen Erben benennen.

Wenn für einen Nachlass kein gesetzlicher Erbe da ist, fällt er dem Land zu. Das muss nicht immer ein Segen sein, wie Beispiele aus Schleswig-Holstein zeigen.

shz.de von
24. Mai 2015, 10:59 Uhr

Nicht jedes Geschenk macht den Empfänger glücklich - so geht es oft auch den Ländern, wenn sie zu Erben werden. So hat Schleswig-Holstein im vorigen Jahr eine Steuerberaterin beerbt, die mit Ordnung nicht viel am Hut hatte. Die Unterlagen waren laut Finanzministerium überwiegend „Lose-Blatt-Sammlungen“. Beamte holten die Zettel in 80 Umzugskartons ab, die in mühevoller Kleinarbeit dann im Finanzverwaltungsamt sortiert wurden.

Da Aufbewahrungsfristen einzuhalten sind, konnten die Unterlagen nicht einfach vernichtet werden. Betroffene Unternehmen wurden aufgefordert, ihre Unterlagen abzuholen, einige taten das inzwischen auch.

Insgesamt konnte Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) im vergangenen Jahr Erbschaften im Wert von 348.961,95 Euro im Landeshaushalt verbuchen; 2013 waren es 337.365,78 Euro. Länder werden dann zu sogenannten Fiskalerben, wenn kein Verwandter oder Lebenspartner eines Erblassers da ist oder wenn alle gesetzlichen Erben ausschlagen. So kam Schleswig-Holstein vor kurzem zu einem Auto, in dem die Polizei dann diverse Waffen fand.

Unproblematisch sind dagegen Erbschaften aus Funk und Fernsehen. So überweist die Gema für Lieder wie „Jeden Tag, da lieb ich dich ein kleines bisschen mehr“ (Paul Kuhn) jährlich mehrere hundert Euro an das Land zugunsten der unbekannten Erben der Komponisten. Wenn Filme wie „Die Buddenbrooks“ oder „Das Haus an der Stör“ (NDR-Krimi aus der „Stahlnetz“-Reihe) wiederholt werden, erhält das Land auch daraus Anteile. Das Geld wird unter einem Extra-Titel im Haushalt verbucht.

Kostenträchtig war dagegen die kontaminierte Tankstelle, die Schleswig-Holstein 1987 geerbt hatte. Das Grundstück konnte das Land verkaufen, aber es musste die Sanierung bezahlen. Ohne Folgekosten ging dagegen der Verkauf eines Hauses in Portugal über die Bühne, das dem Land vor vielen Jahren einmal als Erbschaft in die Hände gefallen war.

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