Giftalarm : Enteisungsmittel in Nordsee entdeckt

Wissenschaftler haben in der Nordsee giftiges Benzotriazol gefunden. Woher die Chemikalie kommt und wie sie beseitigt werden soll, ist bislang noch unklar.

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04. Dezember 2011, 02:47 Uhr

Die Chemikalie wird als Korrosionsschutz unter anderem in großen Mengen den im Flugverkehr verwendeten Enteisungsmitteln untergemischt, teilte die Naturschutzgesellschaft "Schutzstation Wattenmeer" am Freitag in Husum mit. In der Industrie wird Benzotriazol in Kühlschmiermitteln der Metallbearbeitung eingesetzt.
Selbst die Hersteller würden Benzotriazol als wassergefährdend, fischgiftig und langfristig schädlich für Wasserorganismen einstufen, sagte Schutzstationssprecher Christof Goetze. Der sehr gut wasserlösliche Stoff stehe zudem im Verdacht, krebserregend zu sein.
Über Flüsse gelangt die Chemikalie in die Nordsee
Den Angaben zufolge stieg der Verbrauch von Benzotriazol in den letzten Jahren stark an. So wird die Chemikalie nicht nur bei Frost auf Flughäfen versprüht, sondern unter anderem in den heimischen Geschirrspülmaschinen als Silberschutzmittel genutzt und auf Textilien aufgebracht, um die Menschen vor UV-Strahlen zu schützen. In Kläranlagen wird Benzotriazol kaum abgebaut, so dass nach Berechnungen des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) jedes Jahr rund 80 Tonnen der Chemikalie hauptsächlich über Elbe und Rhein in die Nordsee gelangen, sagte Goetze.
Bislang habe es über die Verbreitung des Stoffes im Meer noch keine Messdaten gegeben. Die gemessenen Konzentrationen im Nordseewasser würden für den Menschen keine akute Gefahr darstellen, sagte Goetze: "Wichtig für die Meeresumwelt sind aber die langfristigen Folgen und die Wechselwirkungen mit anderen Stoffen." Der Biologe forderte eine regelmäßige Kontrolle der Abwässer auf Benzotriazol.

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