"Gorch Fock" : Endgültiges Ende für Kommandant Schatz?

Soll offenbar nicht mehr Kommandant der 'Gorch Fock' werden: Norbert Schatz. Foto: dpa
Soll offenbar nicht mehr Kommandant der "Gorch Fock" werden: Norbert Schatz. Foto: dpa

Kommandant Schatz soll die "Gorch Fock" offenbar nicht mehr führen. Die endgültige Entscheidung wird bis Juli erwartet - mit dem Abschlussbericht des Ministeriums.

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23. Juni 2011, 11:54 Uhr

Der tödliche Unfall auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" hat offenbar doch härtere Konsequenzen für den seit fünf Monaten suspendierten Kommandanten Norbert Schatz als bisher bekannt. Nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" soll Schatz das Segelschulschiff nicht mehr führen. Das sei die Empfehlung der Havariekommission der Marine, berichtetet das Blatt. Die Marine bestätigte die Darstellung am Mittwoch nicht.
Nach Angaben der "Welt" hat die Havariekommission festgestellt, dass es beim tödlichen Sturz der 25-jährigen Offizieranwärterin Sarah Lena Seele am 7. November 2010 zu Fehlverhalten an Bord gekommen war und dies auch der Schiffsführung anzulasten sei. Ob dies disziplinarrechtliche Folgen für den Kommandanten haben werde, stehe noch nicht fest.
Königshaus hatte sich optimistisch gezeigt
Ein Sprecher der Marine in Glücksburg sagte, in eine abschließende Entscheidung durch den Inspekteur der Marine, Admiral Axel Schimpf, fließe der Bericht des Havarieausschusses ein sowie der Bericht der Staatsanwaltschaft und des Marine-internen Untersuchungsteams. Die Entscheidung soll nach einer Auswertung Ende Juni/Anfang Juli fallen.
Am vergangenen Montag hatte der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, in Kiel die "Gorch Fock" besucht und sich anschließend optimistisch gezeigt, dass das Schiff nach Abschluss aller Untersuchungen weiterfahren werde.
Ministerium verfasst umfassenden Abschlussbericht
Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte nach Rückkehr des Schiffes signalisiert, an der "Gorch Fock" festhalten zu wollen. Der "Welt" sagte der Verteidigungsminister: "Wie bereits angekündigt, wird das Ministerium nach dem Ende aller Ermittlungen einen umfassenden Abschlussbericht verfassen und veröffentlichen." Davon unabhängig werde bis Ende Juli eine weitere Kommission unter Leitung des Historikers Reiner Pommerin ihre Empfehlungen zur zukünftigen Ausgestaltung der seemännischen Basisausbildung in der Marine vorlegen.
"Wenn man nach Abschluss aller Untersuchungen und Empfehlungen zu dem Schluss kommt, dass es für junge zukünftige Marineoffiziere auch heute in einer hochtechnisierten Marine wichtig ist, diese Form von Seefahrt, Teamwork und den Umgang mit den Naturgewalten auf einem Segelschulschiff zu erfahren, dann bleiben wir dabei", sagte de Maizière. Das Ergebnis werde sicherlich mit ihm besprochen. "Aber so etwas ist typischerweise eine Entscheidung der zuständigen Vorgesetzten", sagte der Verteidigungsminister.
(dapd, shz)

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