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Richtig lernen : Eltern für ihre Kinder auf der Schulbank

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Adolf Timm, ehemaliger Leiter der Europaschule Timmendorfer Strand ist angetreten, die Lernkultur bundesweit zu reformieren.

Scharbeutz | Lustlose Schüler, genervte Eltern, frustrierte Lehrer - Ärger rund um die Schule ist alltäglich und allgegenwärtig, und er eint Erziehende wie Lernende. Das soll anders werden, sagt Adolf Timm. Der ehemalige Leiter der Europaschule Timmendorfer Strand ist angetreten, die Lernkultur bundesweit zu reformieren. Bei ihm sitzen nicht die Kinder, sondern die Eltern auf der Schulbank. Thema der Nachhilfe: "Die Gesetze des Schulerfolgs".

"Die Schule reformieren wir seit 40 Jahren. Vergessen haben wir dabei die Eltern", sagt Timm. Immer mehr dieser Vergessenen sitzen vor ihm und hören mal verblüfft, mal ungläubig und mit großer Erleichterung von Wegen aus den Lernsümpfen.
Fehler des Bildungssystems lassen sich im Kinderzimmer nicht ausmerzen
"Egal ob in Berlin-Neukölln oder in Hamburg-Harvestehude - meine Kurse sind überall voll", sagt Timm. Der Mann aus Scharbeutz ist - inzwischen mit Unterstützung der Bundesregierung - bundesweit in Sachen Lernerfolg aktiv.

So auch in der Grundschule Borstel-Hohenraden (Kreis Pinneberg), wo sich einen Sonnabend lang 40 Mütter, Väter und Lehrerinnen hinter blau gebeizte Schülerpulte klemmen und sich der Nachhilfe in Sachen Motivation hingeben. Wer allerdings glaubt, hier zum Nachhilfe-Crack geformt zu werden, wer glaubt, er solle (oder könne) befähigt werden, die Fehler des Bildungssystems im heimischen Kinderzimmer auszumerzen, liegt falsch. Adolf Timm geht es um ganz andere Dinge: Liebe, Autonomie, Kompetenz.
Liebe und Leistungsfreude hängen zusammen
"So groß ist das Gehirn ihres Kindes", sagt Timm, ballt beide Fäuste aneinander, lässt seine "Schüler" diese Geste nachahmen. Diese Hirne sind aufnahmebereit, bei jedem Kind, und jedes Kind lernt gerne. Jedes Kind? Anfängliche Skepsis, auch Unglauben ist Timm gewohnt. Der ehemalige Schulleiter, selbst Vater dreier Kinder, ist vorbereitet, gibt eine Einführung in die Chemie des Lernens, erklärt, wie Liebe und Leistungsfreude zusammenhängen, seziert "richtiges", "falsches" und "vergiftetes Lob", referiert über einen Stoff namens Dopamin, der wie eine Glücksdroge funktioniert: Wer einmal Erfolg hat, will immer mehr.

Schulerfolg könnte sich viel einfacher herstellen lassen, wenn die Erwachsenen nicht der "verflixten Benotungswut" und dem Drang nach fehlgeleiteter Frühförderung erlägen, sagt Timm.
Kinder sollen lernen, Biss zu zeigen
Statt Englisch in der ersten Klasse brauchen Kinder die Gelegenheit zum Spiel, brauchen Selbstvertrauen und Wärme, sagt auch Uta Heyer, Leiterin der Grundschule Borstel-Hohenraden.

"Sie brauchen die Erkenntnis, dass jeder Mensch liebenswert ist und jeder etwas kann. Wir müssen nur herausbekommen, was das ist", ruft Timm in die Elternrunde. Das ist die wichtigste Aufgabe der Eltern. "Wenn Sie etwas fördern wollen, dann Phantasie, Sozialkompetenz, Kommunikation, Improvisation, Konzentration, Fairness, Respekt, lehren Sie Ihr Kind , mit Regeln umzugehen, Biss zu zeigen."
"Fehler sind das Salz in der Suppe"
Timms Botschaften kommen nicht aus dem kalten Zentrum der Leistungsgesellschaft, sondern aus der klaren Erkenntnis, dass die Würde eines Kindes unantastbar sein muss. "Schaffe eine Kultur der Anerkennung", sagt er. "Schüchtere dein Kind niemals ein. Übergehe Erfolge nicht kommentarlos. Vergleiche ein Kind nie mit einem anderen, sondern immer mit sich selbst und den eigenen Leistungen. Verbinde Lob nie mit einem Aber. Nimm das Kind so wie es ist; vermittle ihm niemals, dass du es anders lieber hättest." Und: "Fehler sind das Salz in der Suppe."

Ein Kind, das Wertschätzung erfährt, entwickelt ein Selbstwertgefühl, erklärt Timm. "Und wer ein Selbstwertgefühl entwickelt hat, kann anderen Wertschätzung entgegenbringen." Die Lust am Lernen und der Schulerfolg, das sind dabei höchst willkommene Nebenprodukte.

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erstellt am 26.Jan.2009 | 12:46 Uhr

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