Katzenmord am Gartenzaun : Ellingstedt: Jäger gibt Jagderlaubnis zurück

Die Familien Scheer und Hinz aus Ellingstedt haben nicht nur Angst um ihre Hunde 'Trixi', 'Roxie' sowie Katze 'Marie', sondern auch um ihre Kinder. Foto: Weiss
Die Familien Scheer und Hinz aus Ellingstedt haben nicht nur Angst um ihre Hunde "Trixi", "Roxie" sowie Katze "Marie", sondern auch um ihre Kinder. Foto: Weiss

Er erschoss eine Katze, weil er sie für einen Dachs hielt: Ein Jäger hat jetzt seine Lizenz zurückgegeben. Den Kreisjägermeister ärgert der Image-Schaden.

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22. Oktober 2011, 10:33 Uhr

Ellingstedt | Der Katzenmord am Gartenzaun von Hans-Peter Rahf vor rund zwei Wochen, über den wir berichteten, sorgte nicht nur in der Gemeinde Ellingstedt, sondern im gesamten Kreis Schleswig-Flensburg für Entsetzen. Der mutmaßliche Täter reagierte jetzt und zog die Konsequenz aus seinem Fehlverhalten: Nach einem eingehenden Gespräch mit dem Ellingstedter Revierleiter Peter Freiberg gab er seine Jagderlaubnis-Berechtigungsbescheinigung freiwillig ab. Unterdessen erheben Ellingstedter Bürger neue Vorwürfe. Schon in der Vergangenheit seien in dem Dorf immer wieder Tiere getötet worden oder verschwunden.
Mit der Rückgabe seines Berechtigungsscheins ist für den Todesschützen die sechsjährige Jagd als Jagdpächter im Bereich Ellingstedt vorerst vorbei. Allerdings besitze er immer noch einen Jagdschein, bestätigte Freiberg. Er selbst reagierte auf das Verhalten seines Jagdkollegen empört: "Ich weiß nicht, was an diesem Tag in ihn gefahren ist. So etwas kann man einfach nicht machen. Das geht nicht. Für die gesamte Jägerschaft ist dieses unwaidmännische Verhalten nicht schön."
Kreisjägermeister erschüttert über den Fall
Der Oberstabfeldwebel a.D. kam mit der freiwilligen Abgabe des Erlaubnisscheins einer vermutlich anstehenden Entscheidung des Jagdverbandes zuvor. "Du allein hast dafür zu sorgen, alles wieder in Ordnung zu bringen", hatte Freiberg nach eigenen Worten gegenüber dem Jagdpächter betont. "Die Jagderlaubnis dann freiwillig abzugeben, sehen wir letztendlich als sehr anständig an. Das Verfahren läuft derzeit. Für uns ist die Sache damit abgeschlossen und somit in Ordnung gebracht." Ruhe im Revier wäre ihm jetzt am liebsten.
Auch Kreisjägermeister Hans-Wilhelm Schlüter zeigte sich über den Fall erschüttert: "Wir Jäger verurteilen das Geschehene. Es wirft kein gutes Licht auf die gesamte Jägerschaft und ist eine schlimme Geschichte für uns." Schlüters Aufgabe ist nach eigenem Bekunden die Beratung der Jagdbehörde sowie des Landrates in jagdlichen Fragen. Dem Ellingsteder Revierleiter hatte er zuvor eine zeitnahe Aufklärung nahegelegt. Die Jäger sind laut Schlüter für eine schützende Betreuung des Revierbestandes zuständig. "Wir tun auch viel Gutes, aber es sind immer die negativen Beispiele, die die gesamte Jägerschaft belasten. So ein Fall wirft uns immer wieder um Längen zurück."
Ordnungsverwaltung untersucht den Fall
Parallel zur polizeilichen Ermittlung sei die Jagdaufsicht damit beauftragt, eine mögliche Gefahr für die Zukunft abzuwenden, berichtet ein Sprecher der Polizei Silberstedt. "Wir bleiben am Ball", betont entsprechend Jürgen Krabbenhöft, Leiter des Fachbereiches Ordnung der Kreisverwaltung, man untersuche den Fall intensiv.
Offenbar war die brutale Katzentötung in Ellingstedt kein Einzelfall. Im Jahr 2005 etwa wurde der Kater "Penn" der Familie Scheer mit gezielten Schüssen am hausnahen Grundstück erlegt - von demselben Jäger, behaupten die Scheers. "Damals hätte die Jagdgemeinschaft bereits reagieren können. Doch alle standen hinter dem Kollegen, und im Dorf waren wir am Ende die Geächteten", so Sandra Scheer. Dass der Jäger immer noch im Besitz scharfer Waffen ist, versetzt die Mutter in ständige Angst um ihre Kinder. Nach der jüngsten Verwechslung einer Katze mit einem Dachs umso mehr: "In der dunklen Jahreszeit spielen die Kinder mit Warnwesten auf dem Grundstück. Dieser bewaffnete Mensch ist eine tickende Zeitbombe."
Auch Familie Hinz aus Ellingstedt machte eine schmerzliche Erfahrung - mit dem Hund des Jägers. Im Jahr 2008 tötete dieser, so behauptet Familie Hinz, deren Stubentiger nach einem Sprung in den Garten mit einem einzigen Biss ins Genick. "Das geschah direkt vor unseren Augen. Wir meldeten den Vorfall beim Ordnungsamt, sahen aber von einer Anzeige bei der Polizei ab", erzählt Sabine Hinz. "Wir leben seitdem in ständiger Angst, denn auch der nicht angeleinte Jagdhund ist eine gefährliche Waffe."
Zahlreiche Hunde spurlos verschwunden
Und mehr noch: Mit den Katzen verschwanden im Revierbereich auch zahlreiche Hunde auf ungeklärte Weise spurlos, behauptet Familie Olschewski, die seit dem 3. Oktober 2003 ihre beiden Beagles vermisst. Keines dieser Ellingstedter Vorkommnisse ist - offiziell - der Silberstedter Polizei bekannt, denn sie wurden von den Geschädigten nicht gemeldet. "Diese Fälle bleiben oftmals im Verborgenen, da keine Strafanzeige gestellt wird. Man will sich das Leben in der Nachbarschaft damit nicht verderben. Das ist so bei uns auf dem Dorf", berichtet ein Polizist aus Silberstedt.
Zu den neuerlichen Vorwürfen wollte der beschuldigte Jäger keine Auskunft erteilen: "Das ist alles Schnee von gestern und abgegolten. Das ist geschehen und geregelt worden."
Nach der laufenden Ermittlung der Staatsanwaltschaft erwarte man ein erstes Ergebnis in etwa vier Wochen. Bis dahin bleibt die Stimmung in Ellingstedt angespannt. Viele Ellingstedter wollen sich zu den Vorwürfen gegen einen von ihnen nicht aus dem Fenster lehnen. Hans-Peter Rahf indes traute sich: Er wollte auf die jüngsten Geschehnisse aufmerksam machen, rief sofort die Polizei und erstattete Anzeige. Rahf: "Meine Katze Miezi kann ich nicht mehr lebendig machen. Aber ich möchte darauf aufmerksam machen, was hier in Ellingstedt passiert."

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