zur Navigation springen

Schleswig-Holstein : Elektronische Gesundheitskarte: 50.000 ohne Foto

vom

Noch immer verweigern sich zahlreiche Schleswig-Holsteiner der elektronischen Gesundheitskarte. Mehr als 50.000 Versicherte haben noch kein Foto eingereicht. Eine Versicherung ist jedoch zufrieden.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2014 | 09:43 Uhr

Anderthalb Monate nach der Einführung haben immer noch weit mehr als 50.000 Schleswig-Holsteiner keine elektronische Gesundheitskarte. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Krankenkassen. Zum Jahresbeginn hatten immer noch bis zu sieben Prozent der Versicherten noch nicht das notwendige Foto eingereicht, wie der Sprecher des Verbandes der Ersatzkassen, Florian Unger, sagte.

In den ersten Wochen des Jahres haben nach Ungers Angaben aber zahlreiche Versicherte die Fotos eingereicht. „Wir gehen davon aus, dass mittlerweile rund 95 Prozent über eine E-Gesundheitskarte verfügen“, sagte er. Bei den sechs im VdeK (Verband der Ersatzkassen) organisierten Kassen sind insgesamt 1,1 Millionen Schleswig-Holsteiner versichert. Das sind 47 Prozent der gesetzlich Versicherten im Land.

Ähnliche Zahlen liefert die DAK. Rund 95 Prozent der insgesamt 250.000 Versicherten in Schleswig-Holstein hätten mittlerweile eine E-Gesundheitskarte, sagte Sprecherin Jessica ten Have. Im Januar habe es noch einen Schub gegeben. Dabei seien etwa doppelt so viele neue Karten ausgeben worden wie sonst üblich.

Anders ist die Situation bei der AOK. „Nahezu alle unserer 700.000 Versicherten in Schleswig-Holstein haben bereits ihre neue elektronische Gesundheitskarte mit Foto erhalten“, sagte AOK-Sprecher Jens Kuschel. Insbesondere zum Jahresanfang seien einige hundert Bilder von Versicherten eingegangen.

Die neue elektronische Gesundheitskarte trägt ein Foto des Versicherten. Das Bild muss der Krankenkasse zur Verfügung gestellt werden. Ausnahmen gelten nur für Kinder unter 15 Jahren und Versicherte, die an der Erstellung eines Fotos nicht mitwirken können, weil sie beispielsweise bettlägerig sind und sich in einem Pflegeheim befinden. Vom 1. Oktober an können Kassenärzte ihre Leistungen nur noch über die neue e-card abrechnen.

Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert findet zwar das Verfahren zur Authentifizierung der Bilder alles andere als zuverlässig. Theoretisch könnten Versicherte Bilder von Comicfiguren bei ihren Kassen einreichen, sagte Weichert. „Wir haben aber von Anfang keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte gehabt“. Probleme bereite den Datenschützern jedoch eine mögliche, spätere Internet-Nutzung der Karte.

Welche Daten werden auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert?

Auf der Karte befinden sich wie bisher nur die Stammdaten des Versicherten. Dazu gehören Angaben über Namen, Geburtsdatum, Anschrift und Versichertenstatus.

Was ist zukünftig noch geplant?

In der Zukunft sollen noch weitere Daten hinzukommen. Dazu gehören Informationen über die Notfalldaten, das elektronische Rezept sowie eine eventuelle Organspendeerklärung. Gleichzeitig soll die E-Card den Zugang zu einer elektronischen Patientenakte ermöglichen. Diese Daten über vorherige Erkrankungen sind aber nicht direkt auf der Karte gespeichert. Dafür ist sie mit einer Speicherkapazität von 65 Kilobytes zu klein. Doch sie ermöglicht den Zugang zu vernetzten Computern, auf denen die Patientenakte dann gespeichert ist.

Was ist also bisher neu an der Karte?

Die auffälligste Neuerung ist das Foto des Versicherten. So soll ein Missbrauch der Karte verhindert werden.

Gibt es Ausnahmen von der Foto-Pflicht?

Ja, Kinder unter 15 Jahren sind von der Pflicht ausgeschlossen. Versicherte, die bei der Erstellung eines Fotos nicht mitwirken können, müssen ebenfalls kein Foto auf ihrer Karte haben. Dazu gehören zum Beispiel Personen, die bettlägerig sind oder in geschlossenen Einrichtungen leben.

Ich habe noch keine elektronische Gesundheitskarte. Darf der Arzt eine Behandlung ablehnen?

Die elektronische Gesundheitskarte ist seit dem 1. Januar Pflicht. Doch die Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen haben sich darauf verständigt, dass die Ärzte vorübergehend noch die alte Versichertenkarte akzeptieren. Verpflichtet ist der Arzt dazu allerdings nicht. Doch niemand muss befürchten, wegen einer fehlenden Gesundheitskarte nicht behandelt zu werden. Selbst wenn ein Arzt die alte Karte nicht akzeptiert, kann innerhalb von zehn Tagen nach der Behandlung ein gültiger Versicherungsnachweis nachgereicht werden

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen