Wetter in SH : Eisige Kälte statt Frühling: Sturm sorgt für Behinderungen

Eine Hafenfähre fährt in Gischt eingehüllt über die Elbe.

Eine Hafenfähre fährt in Gischt eingehüllt über die Elbe.

Der Winter hatte das Wochenende im Griff. Die Helfer waren im Dauereinsatz.

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18. März 2018, 14:32 Uhr

Ein eisiger Ostwind fegte am Wochenende mit starken Böen übers Land und hat den Einsatzkräften im Norden eine turbulente Lage gebracht: Zahlreiche Bäume stürzten um, Dachziegel flogen weg. Zudem trat die Ostsee vielerorts über die Ufer, der Fährverkehr war beeinträchtigt und auch viele Frachtschiffe fuhren nicht um Skagen, sondern wählten die Passage durch den Nord-Ostsee-Kanal. Auch am Sonntagmittag lagen noch viele von ihnen vor der Schleuse in Kiel-Holtenau und warteten teils stundenlang auf eine Kanalschleusung.

Großer Andrang in Kiel-Holtenau.
Daniel Friederichs

Großer Andrang in Kiel-Holtenau.

 

Der Sturm und das Hochwasser haben auch den Seenotrettern in Schleswig-Holstein viel Arbeit bereitet. Wohl aufgrund von starkem Ostwind prallte am Samstagnachmittag im Hafen der nordfriesischen Halbinsel Nordstrand eine Autofähre gegen eine Wand, wie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) mitteilte. Mit Unterstützung der Feuerwehr sei eingelaufenes Wasser aus der Fähre abgepumpt werden müssen. Verletzt wurde niemand.

Darüber hinaus haben sich laut DGzRS-Informationen vor allem im Meeresarm Schlei und in der Kieler Förde zahlreiche Boote losgerissen, die wieder zurückgeholt und vertäut werden mussten.

Die Feuerwehren im Land hatten ebenfalls viel zu tun: Die Regionalleitstellen meldeten weit mehr als hundert wetterbedingte Einsätze zwischen Freitag und Samstag. Dort ging es vor allem um abgebrochene Bäume und Äste.

Auch im Kreis Stormarn gab es seit Samstagvormittag diverse Einsätze. Am Jäckbornsweg in Großhansdorf hatte eine kräftige Windböe einen Baum auf ein Auto gedrückt. Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr Großhansdorf zerlegten den Baum mit der Motorsäge und räumten die Straße wieder frei.

Kurz danach wurde die Feuerwehr erneut alarmiert. In der Babenkoppel in Großhansdorf waren im Sturm Teile einer Photovoltaikanlage abgerissen. Der Hausbewohner hatte deshalb den Notruf gewählt. Feuerwehrleute brachten eine Steckleiter in Stellung und holten die abgerissenen Teile der Anlage vom Dach. Großhansdorfs Bürgermeister Janhinnerk Voß war sofort nach dem Alarm aus dem Rathaus geeilt und hatte sich bei den Feuerwehrleuten einen Überblick über die Sturmlage in der Gemeinde verschafft. Kurz danach wurden die Großhansdorfer erneut alarmiert.

Eine hohe Tanne hatte sich nach einer kräftigen Sturmböe quer über den Beimoorweg im Wald gelegt und einen weiteren Baum umgerissen, der in die Böschung fiel. Ein Autofahrer hatte das Hindernis bemerkt und den Notruf gewählt. Die Einsatzkräfte richteten ihren Blick bei dem Einsatz stets nach oben, denn auf der Anfahrt ins Waldgebiet drückten die kräftigen Windböen die Bäume hin und her. Mit der Motorsäge zerlegten die Feuerwehrleute den Baum und räumten danach die Straße wieder frei.

Einsatz im Wald: Eine hohe Tanne hielt dem Wind nicht Stand.
Peter Wüst

Einsatz im Wald: Eine hohe Tanne hielt dem Wind nicht Stand.

 

Auch für die Feuerwehrleute in Ahrensburg ging es Schlag auf Schlag: Im Naturschutzgebiet Ahrensfelder Weg in Ahrensburg war am Sonnabendnachmittag nach einer kräftigten Sturmböe ein dicker Baum auf einen Gehweg gekracht. Zum Glück war dort gerade kein Spaziergänger unterwegs.  Da der Waldweg für die Ahrensburger Drehleiter nicht erreichbar war, rückten die Feuerwehrleute der alarmierten FF Ahrensfelde und der Löschgruppe Hagen wieder ein. Die Polizei sperrte den Waldweg komplett ab.

Danach ging es für die Freiwillige Feuerwehr Ahrensburg in die Hagener Allee: Eine rund zwanzig Meter hohe Fichte knackte dort verdächtig laut und drohte unkontrolliert zu kippen. Die Einsatzleitung entschied, den Baum nicht aus dem Korb der Drehleiter heraus von oben zurückzunehmen, da die Gefahr bestand, dass der Stamm bei den starken Sturmböen zurückschnellt. Deshalb wurde eine Seilwinde angebracht. Doch bevor Zug auf der Winde war, kippte der Baum allein durch das Gewicht des Stahlseils. Für die Freiwillige Feuerwehr Ahrensburg war dieser Einsatz bereits der 83. in diesem Jahr. Insgesamt hatte die Integrierte Regionalleitstelle Süd (IRLS Süd) in Bad Oldesoe am Wochenende vierzig Einsätze notiert

Allein die Hamburger Feuerwehr zählte von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag 240 witterungsbedingte Einsätze. Neben herabfallenden Ästen, Dachziegeln und umgewehten Bauzäunen, mussten sich die Einsatzkräfte in Hamburg am Samstag auch um ein auf Grund gelaufenes Binnenschiff auf der Norderelbe kümmern, das drohte, gegen einen Brückenpfeiler gedrückt zu werden. Eine Dachfläche von etwa 54 Quadratmetern musste mit Sandsäcken gesichert werden. Am Ballindamm wurde die Glaskuppel eines Hauses zerstört. Die Scherben stürzten aus dem siebten Stock auf ein Auto, verletzt wurde niemand.

Das Kupferflachdach einer Reederei am Baumwall wurde vom Sturm aufgerollt. Wegen des starken Windes konnte das acht Tonnen schwere Dach nicht repariert werden, der Straßenbereich wurde vorerst gesperrt.

Am Sonntag beruhigte sich die Lage. Bei strahlendem Sonnenschein rückten bizarre Eisformationen in den Fokus.

Im Kieler Seebad Düsternbrook formte sich das Eis in beeindruckender Weise.
Peter Wüst

Im Kieler Seebad Düsternbrook formte sich das Eis in beeindruckender Weise.

Und auch einige Surfer wagten sich in die eiskalten Fluten.

Mit dickem Neoprenanzug ausgestattet springt ein Wellenreiter in die aufgewühlten Ostsee in Timmendorfer Strand.
dpa

Mit dickem Neoprenanzug ausgestattet springt ein Wellenreiter in die aufgewühlten Ostsee in Timmendorfer Strand.

 

Sie hatten Spaß an dem stürmischen Wetter.

Nur was für Abgehärtete: Winterliches Surf-Vergnügen in Timmendorfer Strand.
dpa

Nur was für Abgehärtete: Winterliches Surf-Vergnügen in Timmendorfer Strand.

 
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