zur Navigation springen

Flensburger Professor : Eisbrecher in der Antarktis: Eine Frage des Gewichts

vom

Erst die „MV Akademik Shokalskiy“, nun die „Snow Dragon“: Auch der chinesische Eisbrecher steckt in der Antarktis fest. Warum der Druck des Eises dem Schiffsrumpf nichts anhaben kann, erklärt der Flensburger Schiffbau-Professor Holger Watter.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 14:40 Uhr

Sydney/Flensburg | Der chinesische Eisbrecher, dem Wissenschaftler und Touristen ihre Rettung aus der Antarktis verdanken, steckt nun selbst im Eis fest. Die Crew habe sich gemeldet und Bedenken geäußert, ob das Schiff sich aus eigener Kraft befreien könne, erklärte die Seesicherheitsbehörde (Amsa) am Freitag. Amsa alarmierte daraufhin den nächstgelegenen Eisbrecher, der nach dem Seerecht zur Hilfe verpflichtet ist: Es ist der australische Eisbrecher „Aurora Australis“, der die von den Chinesen geretteten Expeditionsteilnehmer erst am Donnerstag an Bord genommen hatte. „Die Aurora Australis ist in Bereitschaft versetzt worden (...) Sie muss als Vorsichtsmaßnahme in der Nähe bleiben“, teilte Amsa mit.

Gefahr, dass der Schiffsrumpf durch die Eismassen zerdrückt wird, besteht aber auch für die Mitglieder des chinesischen Eisbrechers nicht. Professor Holger Watter von der Fachhochschule Flensburg erklärt, dass die Schiffe in einer besonderen Form gebaut sind und ihre Hülle verstärkt ist. „Das Schiff schiebt sich auf das Eis und das bricht durch das Gewicht des Schiffes“, erklärt der Ingenieur. Zu sehen ist das in dieser Animation.

Dass die Eisbrecher feststecken, kann mehrere Ursachen haben, sagt Watter. „Denkbar ist eine größere Eisdicke, sodass das Gewicht der Schiffe nicht mehr ausreicht, das Eis zu brechen. Möglich ist aber auch zu wenig Vortriebsgeschwindigkeit, sodass die Schiffe gar nicht erst auf eine Eisplatte kamen.“ Prinzipiell seien auch technische Probleme, etwa im Antrieb, möglich. „Weil dazu jedoch nichts bekannt ist, könnte dieser Punkt im Moment ausgeschlossen werden“, so Watter.

Die „Aurora“ war eigentlich schon auf dem Weg zur Antarktis-Station Casey, um ihre unterbrochene Versorgungsfahrt fortzusetzen. Sie musste die Entladung von Nachschub abbrechen, als an Weihnachten der Notruf der „MV Akademik Shokalskiy“ mit dem Wissenschaftlern und Touristen an Bord kam. Die „Shokalskiy“ war plötzlich im Eis eingeschlossen worden. Mehrere Versuche, ihr einen Weg auf das Meer zu bahnen, scheiterten. Deshalb wurden die Menschen schließlich per Hubschrauber aus dem Eis geholt.

Der chinesische Eisbrecher werde in den frühen Morgenstunden des Samstags versuchen, sich selbst aus dem Eis zu bugsieren, teilte Amsa mit. Amsa benutzt den chinesischen Namen des Eisbrechers, „Xue Long“. Der englische Name ist „Snow Dragon“ – Schneedrache.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen