Silvester : Einsatzbilanz: Ruhiger Jahreswechsel in Schleswig-Holstein und Hamburg

Die Feuerwehr im Einsatz in Neumünster. Immer wieder kam es im Norden in der Silvesternacht zu Einsätzen. Die Lage blieb aber landesweit entspannt.
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Die Feuerwehr im Einsatz in Neumünster. Immer wieder kam es im Norden in der Silvesternacht zu Einsätzen. Die Lage blieb aber landesweit entspannt.

Brände und abgetrennte Finger: Feuerwehr und Polizei ziehen Bilanz einer verhältnismäßig entspannten Silvesternacht.

shz.de von
01. Januar 2018, 09:19 Uhr

Hamburg/Kiel | Pünktlich um Mitternacht haben Zehntausende Menschen in Schleswig-Holstein und Hamburg mit Feuerwerken das neue Jahr begrüßt. Trotz zahlreicher Einsätze ziehen Polizei und Feuerwehr vorläufig eine positive Bilanz der Silvesternacht. In Schleswig-Holstein seien bis 2.30 Uhr keine besonderen Vorkommnisse gemeldet worden, sagte ein Polizeisprecher. Vereinzelt sei es zwar zu Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen gekommen, jedoch sei es auch aufgrund des schlechten Wetters verhältnismäßig ruhig geblieben.

In Kiel feierten die Menschen trotz Starkregen ausgelassen ins neue Jahr.
Foto: Daniel Friederichs
In Kiel feierten die Menschen trotz Starkregen ausgelassen ins neue Jahr.

Im Norden Schleswig-Holsteins ist der Jahreswechsel für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst ohne Probleme verlaufen. „Es war eine ruhige Silvesternacht“, sagte ein Sprecher der Leitstelle Nord am Montagmorgen: „Das Einsatzgeschehen blieb im Rahmen der zu diesem Anlass üblichen Menge.“ Die Rettungsdienste mussten zwischen 19 Uhr und 5 Uhr insgesamt 90 mal ausrücken, dazu kamen 17 Brände und eine technische Hilfeleistung. Da die Rettungsdienste teilweise zusätzliche Rettungswagen eingesetzt hätten, sei es im gesamten Verlauf der Silvesternacht zu keinen Engpässen gekommen.

Die Feuerwehren mussten nach eigenen Angaben in Schleswig-Holstein zu rund 150 Einsätzen ausrücken – weniger als letztes Jahr. In Kiel habe es beispielsweise mehrere Schwerverletzte durch Pyrotechnik gegeben. Darunter seien etwa diverse Handverletzungen, jedoch seien keine Fälle bekannt, in denen Gliedmaßen weggesprengt wurden. In Neumünster wurde ein Mann durch eine Silvesterrakete schwer an der Schulter verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert.

Die Leitstelle Nord in Harrislee meldete für die Kreise Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und die Stadt Flensburg insgesamt 17 Brandeinsätze. Herausragend war hier ein Brand auf Sylt. Das Feuer eines brennenden Gartenschuppens griff auf ein Wohnhaus über. Die Feuerwehr konnte den Brand aber schnell löschen, so dass der Schaden laut Leitstelle gering blieb.

Die Leitstelle Mitte verzeichnete für die Bereiche Kiel, Rendsburg-Eckernförde und Plön 31 Feuerwehreinsätze – davon allein 20 in der Landeshauptstadt. Überwiegend brannten Müllcontainer.

Feuerwerk löst Großbrand in KFZ-Werkstatt aus

Ein Bagger riss die Werkstattfront ein, damit Glutnester gelöscht werden konnten.
Foto: Thomas Nyfeler
Ein Bagger riss die Werkstattfront ein, damit Glutnester gelöscht werden konnten.
 

In Beringstedt im Kreis Rendsburg-Eckernförde wurde die Feuerwehr gegen 23.40 Uhr alarmiert. Ein Feuerwerkskörper hatte einen Brand in einer KFZ-Werkstatt ausgelöst. Bei der Ankunft an der Einsatzstelle wurde schnell klar, dass die Kräfte und Mittel vor Ort nicht reichten. Die Werkstatthalle stand schon lichterloh in Flammen. Einsatzleiter Christopher Holm ließ über die Leitstelle Mitte Großfeuer 4 auslösen. Die Wasserversorgung wurde aufgebaut und die ersten Löschangriffe wurden durchgeführt. Es galt, das an die Werkstatthalle angrenzende Wohnhaus zu schützen. Die Ortswehren Hohenwestedt, Osterstedt, Todenbüttel, Nienkattbeck, Seefeld, Nienborstel, die Feuerwehrtechnische Zentrale und die Technische Einsatzleitung aus Rendsburg wurden zur Einsatzstelle gerufen. Mehrere kleine Explosionen wurden von den Feuerwehrmännern und -frauen wahrgenommen.

Unter schwerem Atemschutz mussten die Einsatzkräfte die Löschangriffe im Inneren des Gebäudes durchführen. Diesel- und Benzingemische in 40 bis 60 Liter Behältnissen sowie Propangasflaschen wurden aus der Werkstatt und vom Gelände gebracht. Das Wohnhaus musste durch die starke Rauchentwicklung geräumt werden. Die Eigentümer mussten für eine Nacht ins eigene Wohnmobil einziehen. Verletzt wurde niemand. Um an die Glutnester zu gelangen, wurde ein Bagger organisiert, der die komplette Front der Werkstatt abriss. Die Kriminalpolizei beschlagnahmte das Objekt. Die Höhe des Sachschadens wird auf 50.000 Euro geschätzt. Sieben Löschzüge mit rund 110 Einsatzkräften löschten über den Jahreswechsel vier Stunden lang, bis sie „Feuer aus“ der Leitstelle Mitte melden konnte.

Bis in die Morgenstunden dauerten die Löscharbeiten in Hohn. Dort brannte zunächst ein Carport mit zwei Fahrzeugen. Die Flammen griffen auf ein Einfamilienhaus über. Ein Bewohner wurde mit kardiologischen Symptomen ins Krankenhaus gebracht. Der Schaden wird auf über 100.000 Euro geschätzt. Das Haus ist unbewohnbar. Im Einsatz waren die Wehren Hohn, Elsdorf-Westermühlen und Rendsburg.

Die ausgebrannten Fahrzeuge im Carport.
Foto: Feuerwehr Hohn
Die ausgebrannten Fahrzeuge im Carport.

Die Leitstelle West meldete für die Kreise Dithmarschen, Pinneberg und Steinburg insgesamt 21 Feuerwehreinsätze. Überwiegend gingen auch hier Müllcontainer in Flammen auf. Lediglich in Uetersen wurde größerer Alarm ausgelöst, als in einem Gewächshaus die Schattierungsanlage in Flammen aufging. Die Feuerwehr konnte hier schnell eingreifen. „Ziemlich entspannt“ war aus der Leitstelle Holstein für den Kreis Segeberg zu hören. 22 Container- und ein Gartenlaubenbrand wurden dort gezählt. 17 Einsätze entfallen auf die Stadt Norderstedt, sechs auf den Kreis Segeberg.

Abfallcontainer auf einem Parkplatz im Kamper Weg in Itzehoe-Wellenkamp steht in Flammen.
Foto: Florian Sprenger
Abfallcontainer auf einem Parkplatz im Kamper Weg in Itzehoe-Wellenkamp steht in Flammen.
 

Die Leitstelle Süd für die Kreise Herzogtum Lauenburg, Stormarn und Ostholstein konnte noch keine Gesamtzahl nennen, sprach aber auch von einer eher ruhigen Nacht. Herausragend waren ein Dachstuhlbrand in Reinbek und ein Carportbrand in Bad Oldesloe. Ansonsten gingen auch dort überwiegend Müllcontainer in Flammen auf.

Männer verlieren Finger bei Böllerexplosionen in Hamburg

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei blieb es in Hamburg „verhältnismäßig friedlich“. Bis 2 Uhr seien an der Reeperbahn, den Landungsbrücken und am Jungfernstieg keine besonderen Vorkommnisse zu verzeichnen gewesen, teilte ein Polizeisprecher in der Nacht zum Montag mit. Vereinzelt sei es zu Belästigungen und Körperverletzungen gekommen.

Laut Polizei, die mit einem Großaufgebot im Einsatz war, kamen zum Jahreswechsel rund 13.000 Menschen bei den Landungsbrücken, 4000 im Bereich der Binnenalster und 3500 am Jungfernsteig zusammen. In der Innenstadt seien außerdem regelmäßig Personengruppen kontrolliert worden. Bis 2 Uhr musste die Feuerwehr zu knapp 650 Einsätzen ausrücken.

Bis dahin sei die Lage verhältnismäßig ruhig gewesen, sagte ein Feuerwehrsprecher in der Nacht. In Hamburg-Harvestehude kam es aus zunächst ungeklärter Ursache zu einem Dachbrand. Durch das Feuer wurden jedoch keine Menschen verletzt. Nach zweieinhalb Stunden war das Feuer gelöscht. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. Warum das Feuer auf dem mit Sonnenkollektoren besetzten Dach ausbrach, war zunächst unklar. Die Feuerwehr rückte mit 23 Fahrzeugen und 60 Einsatzkräften aus.

Der Dachstuhl des Hauses in der Helene-Lange-Straße brennt in voller Ausdehnung.
Foto: Tim Winzentsen
Der Dachstuhl des Hauses in der Helene-Lange-Straße brennt in voller Ausdehnung.

Bei Unfällen mit Böllern sind zwei Männer laut Feuerwehr schwer verletzt worden. Einem 26-Jährigen und einem 30 Jahre alten Mann wurden bei den Unglücken mehrere Finger abgerissen. Im Wiebischenkamp in Eidelstedt explodierte dem alkoholisierten 26-Jährigen ein großer Böller in der Hand. Hierbei wurden ihm drei Finger der linken Hand weggesprengt und amputiert. Im Edwin-Scharff-Ring in Steilshoop wurde der 30-Jährige schwer an der linken Hand verletzt, nachdem ebenfalls ein Böller in seiner Hand explodiert war. Dem Mann wurden drei Finger – Daumen, Zeige- und Mittelfinger – der linken Hand teilamputiert. Notarzt und Notfallsanitäter versorgten die Verletzungen der beiden Männer und brachten sie in ein Krankenhaus mit handchirurgischer Versorgung. Unklar ist, ob die Männer mit illegalem Feuerwerk hantiert hatten.

Im Schleswiger Damm in Schnelsen wurde bei der Explosion einer Feuerwerksrakete ein 30-jähriger Mann so schwer verletzt, dass er sich 15 Prozent der Körperoberfläche am Bauch und an den Händen zweitgradig verbrannte.

In Hamburg-Ottensen wurde an der Elbchaussee eine 27-jährige Frau durch eine fehlgeleitete Silvesterrakete schwer am Auge verletzt. Offenbar war die beim Zünden der Rakete als Abschussbasis verwendete Flasche umgekippt. Die Frau wurde durch Notfallsanitäter der Feuerwehr Hamburg versorgt und in ein Krankenhaus mit Augenklinik gebracht.

Auf einer Baustelle in der Dratelnstraße in Hamburg-Wilhelmsburg ist aus bislang unbekannter Ursache Mann innerhalb eines Neubaus vom 6. Obergeschoss in das 5. Obergeschoss abgestürzt. Der Mann wurde mithilfe einer Drehleiter gerettet und mit dem Verdacht auf eine Querschnittslähmung notarztbegleitet in ein Notfallkrankenhaus befördert. Die alarmierten Höhenretter der Feuerwehr Hamburg mussten nicht eingesetzt werden.

Im Stubbenhof in Hamburg-Hausbruch gerieten durch Silvesterfeuerwerk Unrat und eine Holzverkleidung auf einem Balkon im 5. Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses in Brand. Das Feuer konnte mithilfe eines C-Rohres gelöscht und die Brandausbreitung in die Wohnung verhindert werden. Der Einsatz dauerte eine Stunde.

Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf die Wohnung verhindern.
Foto: Christoph Seemann
Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf die Wohnung verhindern.
 

Insgesamt wurden in Hamburg 46 Personen durch eigenes unvorsichtiges Handling mit Feuerwerkskörpern, bzw. durch Unachtsamkeit Anderer verletzt und durch Rettungskräfte der Feuerwehr Hamburg und der Hilfsorganisationen versorgt.

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