Oh, du Fröhliche? Von wegen! : Einsamkeit zur Weihnachtszeit: Telefonseelsorger haben viel zu tun

Telefonseelsorger sind auch an den Weihnachtsfeiertagen im Einsatz.

Telefonseelsorger sind auch an den Weihnachtsfeiertagen im Einsatz.

Oh, du Fröhliche? Von wegen! Viele Menschen sind in der Weihnachtszeit alles andere als glücklich. Deshalb laufen die Leitungen der Telefonseelsorge an den Weihnachtsfeiertagen heiß.

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25. Dezember 2017, 09:09 Uhr

Hamburg/Lübeck | Ob beim Weihnachtsessen, der Bescherung oder den alljährlichen Besuchen von Verwandten: Selten sind Familie und Beziehung so gegenwärtig wie in der Weihnachtszeit. Gleichzeitig nehmen viele Menschen Einsamkeit in diesen Tagen besonders bewusst wahr. „Solche Gefühle wiegen in der dunklen Jahreszeit und an den Festtagen, die emotional hoch besetzt sind, besonders schwer“, erläuterte die Leiterin der Telefonseelsorge Lübeck, Pastorin Marion Böhrk-Martin. Deshalb sei die Telefonseelsorge in ganz Deutschland auch während der Feiertage rund um die Uhr erreichbar.

Das Telefon klingele sogar an Heiligabend ununterbrochen, sagte Babette Glöckner, die Leiterin der evangelischen Telefonseelsorge in Hamburg. Die Berater ermutigen Hilfesuchende, sich an die Telefonseelsorge zu wenden. „Einsamkeit ist keine Krankheit, Einsamkeit macht krank“, sagte Pastorin Böhrk-Martin. Oft helfe es, einfach nur mit jemandem zu reden.

Sieben Dienststellen in Hamburg und SH

In Hamburg und Schleswig-Holstein gibt es insgesamt sieben Dienststellen der „TelefonSeelsorge“, einem bundesweiten Netzwerk mit insgesamt 105 örtlichen Stellen. Eigenen Angaben zufolge engagieren sich deutschlandweit etwa 7500 Ehrenamtliche. Die Institutionen sind kirchlich geprägt und werden von „Spenden, Sponsoren und Förderern“ finanziert, wie Böhrk-Martin erklärte.

Das besondere „Sorgentelefon“ werde nur von Studierenden betreut, habe eine eigene Nummer und sei nur zwischen 20 und 24 Uhr erreichbar, berichtete dessen Leiter Christof Jaeger.  Die anderen Telefonseelsorger seien unter der gleichen kostenfreien Nummer zu erreichen. Das Telefonat werde an den Berater weitergeleitet, der sich örtlich am nächsten zum Anrufer befinde. Hilfesuchende, die beispielsweise aus Ostholstein anrufen, würden also automatisch bei der Telefonseelsorge in Lübeck landen. Die lokale Nähe zu den Anrufern sei wichtig, um sie nach der Beratung an die richtigen Stellen weiterleiten zu können, erklärte Böhrk-Martin.

15 Monate Ausbildung

Alle Anrufe seien anonym und tauchten auch nicht auf der Telefonrechnung auf. Neben den Telefonaten, könnten Hilfesuchende auch per Mail oder Chat mit den Seelsorgern in Kontakt treten. 

Doch wer sind diese Ehrenamtlichen, die sogar an Heiligabend ein offenes Ohr für Menschen in schwierigen Lebenssituationen haben? „Menschen, die guten Willens sind“, beschrieb Böhrk-Martin ihre Mitarbeiter. Viele seien im Ruhestand, die eignen Kinder längst aus dem Haus. Alle Freiwilligen mussten eine rund 15-monatige Ausbildung absolvieren. Ein hoher Preis für ein Ehrenamt? „Man gibt, aber man nimmt auch“, erwidert die Pastorin. Vielen Freiwillige bringe die Arbeit einen großen inneren Gewinn, nicht nur in der Weihnachtszeit.

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