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Benimm-Regeln : Einladung, Dresscode, Geschenke: Tipps für eine Hochzeit ohne Peinlichkeiten

vom

Endlos lange Reden, unpassende Geschenke: Nicht nur die Gäste müssen aufpassen. shz.de mit Tipps für den schönsten Tag im Leben.

<p>Anna-Kathrin Gellner</p> von
erstellt am 21.Mai.2017 | 15:20 Uhr

Der Wonnemonat Mai leitet nicht nur die wärmste, sondern auch die romantischste Zeit des Jahres ein: die Hochzeitssaison. Überall im Land stürmen angehende Bräute die Brautläden, Paare suchen die passende Ringe aus und buchen Locations samt DJ. Kann da überhaupt noch was schiefgehen? Längst Verheiratete wissen es: Ja, es kann. Damit es möglichst nicht dazu kommt und sowohl Gastgeber als auch ihre Gästeschar potenzielle Fettnäpfchen elegant umgehen, finden Sie hier eine Übersicht mit den wichtigsten Benimm-Regeln für den schönsten Tag im Leben.

Die Gäste

Einfach eine Begleitung mitbringen, die nicht explizit eingeladen war - das sollten Gäste lieber lassen.
Einfach eine Begleitung mitbringen, die nicht explizit eingeladen war - das sollten Gäste lieber lassen. Foto: Imago/Chromorange

Die erste Hürde beginnt schon lange vor dem eigentlichen Tag: bei der Planung der Gästeliste. Müssen Verwandte eingeladen werden, die man eigentlich höchstens alle zwei Jahre mal trifft? Dafür gibt es keine feste Regel, man sollte eher auf sein Bauchgefühl hören, sagt Marlies Smits, Etikettetrainerin aus Großhansdorf, die auch in ihrem Blog ein Hochzeitsknigge zusammengestellt hat. „Wer in kleinem Rahmen feiert, hat allerdings eine gute Begründung dafür, jemanden vielleicht nicht einzuladen. Bei einer großen Hochzeit wird das schon schwieriger.“ Übrigens: Auf Hochzeiten ist es üblich, Paare zusammen einzuladen - auch wenn das Brautpaar den Partner nicht kennt. Ist die Einladung jedoch nur ein einen von beiden gerichtet, sollte man nachfragen - oder aber direkt alleine kommen.

Die Einladungen

Die Auswahl der Gäste birgt Konfliktpotenzial.
Die Auswahl der Gäste birgt Konfliktpotenzial. Foto: AFLO/Imago

Der richtige Text auf den Einladungen ist also entscheidend. „Ich rate Paaren immer dazu, die Einladungen möglichst genau zu formulieren“, sagt Smits. „Das kann den Gästen die Planung enorm erleichtern.“ In welchem Rahmen wird die Hochzeit gefeiert - auf einem Schloss oder im Partykeller? Haben die Gastgeber Hotels zu Sonderkonditionen reserviert? Wer ist eingeladen? Wo wird die Hochzeit gefeiert? Welcher Dresscode wird erwartet? Diese Fragen sollten laut Smits in der Einladung beantwortet werden, damit Unsicherheiten gar nicht erst aufkommen.

Die Geschenke

Wie viel Geld ist passend? Darüber zerbrechen sich viele Hochzeitsgäste den Kopf.
Wie viel Geld ist passend? Darüber zerbrechen sich viele Hochzeitsgäste den Kopf. Foto: Imago/Chromorange
 

Wer eingeladen ist, muss sich mit der nächsten Fragen auseinandersetzen: Welches Geschenk ist passend? Nicht zu viel und nicht zu wenig sollte es sein, der Hochzeit angemessen. Doch woran bemisst sich das? Und wie ist das für Gäste, die eine weite und teure Anreise haben: Wird von ihnen weniger erwartet? „Ja, kommt jemand von weit her, ist das schon Teil des Geschenks“, sagt Smits. Doch in festen Beträgen, an denen sich Paare orientieren können, lasse sich das nicht ausdrücken. „Es kommt auch darauf an, in welchem Rahmen die Hochzeit gefeiert wird“, so die Benimmtrainerin. „Und noch viel wichtiger: in welchem Verhältnis man zu dem Brautpaar steht.“

Die Verwandtschaft macht meist größere Geschenke, Freunde seien dazu nicht verpflichtet. Und: Man sollte nach Gefühl handeln. „Ein Geschenk soll Wertschätzung ausdrücken, es geht weniger um den monetären Wert“, so Smits. Außerdem gebe es viele Möglichkeiten, ein Geschenk zu machen: Ist zum Beispiel eine Fotografin eingeladen, kann sie den Paaren auch schöne Bilder von der Hochzeit schenken.

Doch auch in der Geschenke-Frage gibt es No-Gos: Laut Etikettetrainerin Smits sollte man Anzüglichkeiten und alles, was die Babyausstattung angeht, auf jeden Fall vermeiden. „Es sollte nichts dabei sein, was das Brautpaar in Verlegenheit bringt“, so Smits. Verboten ist also auch der Sangria-Eimer für den Bräutigam - auch wenn man noch so schöne gemeinsame Erinnerungen an das Besäufnis auf Mallorca hat.

Der Dresscode

Nicht zu unterschätzen auf einer Hochzeit: die Wahl des richtigen Outfits.
Nicht zu unterschätzen auf einer Hochzeit: die Wahl des richtigen Outfits. Foto: Imago/Photothek
 

Nicht nur das Brautpaar muss sich mit der Kleiderfrage auseinandersetzen. Auch die Gäste sollten sich über ihr Outfit Gedanken machen - denn mit der falschen Kleider-Wahl können sie schnell in ein Fettnäpfchen treten. Die wichtigste Regel: „Frauen sollten kein weißes oder cremefarbenes Kleid tragen“, so Smits. Damit könnten sie der Braut die Show stehlen. Auch Kleidung in der Trauerfarbe Schwarz sei ungünstig. Wer aber unbedingt das Kleine Schwarze anziehen möchte, sollte es zumindest auflockern - zum Beispiel mit einem bunten Tuch. Gäste sollten außerdem niemals besser angezogen sein als das Brautpaar. „Es ist ein No-Go, sich selbst in den Vordergrund zu spielen“, so Smits. Wenn der Bräutigam im dunklen Anzug heiratet, bleibt der Smoking im Schrank. Im besten Fall finden Gäste Hinweise auf den Dresscode in der Einladung.

Übrigens: Männer sollten ihr Sakko niemals vor dem Bräutigam ausziehen. Erst wenn er seine Anzugjacke beiseitelegt, dürfen es die Gäste ihm nachtun - so lange müssen sie schwitzen.

Die Fotos

In den meisten Fällen kümmert sich das Brautpaar um einen Profi-Fotografen. Weitere Kameras können schnell nerven.
In den meisten Fällen kümmert sich das Brautpaar um einen Profi-Fotografen. Weitere Kameras können schnell nerven. Foto: Imago/Westend61
 

Dürfen die Gäste in der Kirche und im Standesamt fotografieren, auch wenn es einen professionellen Fotografen gibt? Marlies Smits hält das für unangebracht. „Grundsätzlich sollte das immer mit dem Brautpaar abgesprochen sein“, sagt sie. Nach der Zeremonie ist das etwas anderes: Dann darf nach Herzenslust geknipst werden.

Reden, Spiele und die Hochzeitszeitung

Eine Hochzeitszeitung ist ein schönes Andenken - solange die Gestalter auf Peinlichkeiten verzichten.

Eine Hochzeitszeitung ist ein schönes Andenken - solange die Gestalter auf Peinlichkeiten verzichten.

Foto: Imago/STPP
 

Wer schon auf vielen Hochzeiten eingeladen war, kennt es: endlose Reden, im schlimmsten Fall gespickt mit peinlichen Geschichten aus der Vergangenheit des Brautpaars, die dieses lieber für sich behalten hätte. Auch was die Hochzeitszeitung angeht, sollte - wie bereits bei den Geschenken - das Brautpaar möglichst nicht in Verlegenheit gebracht werden. Marlies Smits rät dazu, dass gewillte Redner sich im Vorhinein mit dem Ansprechpartner für die Hochzeit abstimmen. „Der darf dann auch mal eine Rede absagen, wenn er das Gefühl hat, dass es peinlich werden könnte, natürlich mit einer diplomatischen Begründung“, sagt die Benimm-Trainerin. Das Gleiche gilt für Spiele: Nicht jedes Brautpaar ist ein Fan davon. Auch das sollte also im Vorfeld abgeklärt werden. Übrigens: In den meisten Fällen sind die Trauzeugen die Ansprechpartner, wenn niemand vermerkt ist, dann gilt die Brautmutter als die erste Wahl, den Ablauf des Tages zu besprechen.

Tischsitten

Gäste sollten sich auch beim Essen benehmen - und nicht etwa auf die Idee kommen, Platzkarten auszutauschen.
Gäste sollten sich auch beim Essen benehmen - und nicht etwa auf die Idee kommen, Platzkarten auszutauschen. Foto: Imago/AFLO

Gäste sollten die Tischsitten beachten - dazu gehört auch, nicht einfach die Platzkarten auszutauschen, weil man sich vielleicht einen anderen Sitznachbarn wünscht. „Was mir immer wieder auffällt, ist außerdem, dass Gäste während des Essens zwischen den Gängen aufstehen, um zu rauchen“, erzählt Smits. „Das ist ein absoluter Fauxpas.“ Und zwar nicht nur, weil genau in dem Moment dann meist doch das Essen kommt, sondern auch, weil manche Gäste allein am Tisch zurückbleiben. „Und für die ist das dann nicht schön.“ Wichtig sei überhaupt, dass auch die Gäste zum Gelingen der Feier beitragen, d.h. sich beispielsweise auch zum Smalltalk mit anderen Gästen durchringen. „Sie sind verpflichtet, alles zu tun, damit es für das Brautpaar der schönste Tag im Leben wird“, fasst Smits es zusammen.

Marlies Smits betreibt mit ihrem Mann Gerhard zusammen die „Benehmensberatung“ in Großhansdorf. Sie ist seit 1999 als Etikettetrainerin tätig. Seit einigen Jahren erlebt sie einen vermehrten Zulauf - weil in Familien weniger Etikette vermittelt werde, gleichzeitig die Ansprüche in diesem Bereich in Unternehmen aber steigen würden.

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