Vatertag in SH : Einfelder See und Kollmar: Polizei rüstet sich für Himmelfahrt

Polizisten kümmerten sich in Lütjensee  am Vatertag 2013 um einen Verletzten.
Polizisten kümmerten sich in Lütjensee am Vatertag 2013 um einen Verletzten.

Vandalismus und Schlägereien: Vatertagstouren in SH sind in den letzten Jahren oft eskaliert. Die Polizei ist jedoch gut vorbereitet.

shz.de von
08. Mai 2015, 12:56 Uhr

Die Polizei will am Himmelfahrtstag an beliebten Freizeitstätten Präsenz zeigen. „Unser Sicherheitskonzept für Himmelfahrt sieht vor, dass der Regeldienst morgen verstärkt wird. Was genau für notwendig erachtet wird, entscheiden die lokalen Stationen aufgrund ihrer Erkenntnisse vor Ort“, sagte Polizeisprecherin Anett Dittmer aus Lübeck.

So würden in Eutin, wo auf dem Markt das Bluesfest stattfindet, natürlich mehr Beamte als im Alltag im Einsatz sein. Im Vorfeld seien dazu im Gespräch zwischen dem Ordnungsamt der Stadt, dem Veranstalter und der Polizei Möglichkeiten der Kooperation erörtert und Absprachen getroffen worden. Einzelheiten dazu und zur Stärke der Polizeikräfte wollte Dittmer nicht nennen; sie verwies aber darauf, dass im Bedarfsfall bei der Polizeidirektion zwei Einsatzzüge zusätzlich angefordert werden könnten.

Auch in den Badeorten an der Lübecker Bucht haben sich die Behörden auf den „Vatertag“ vorbereitet. Dabei soll an das erstmals 2013 in Timmendorfer Strand praktizierte Vorgehen angeknüpft werden, dass neben der Polizei ein privater Sicherheitsdienst im Auftrag der Gemeinde an Treffpunkten wie den Seebrücken die Lage beobachtet.

„Mit Hilfe der engen Zusammenarbeit der Polizeistationen, der Ordnungsämter und der Sicherheitsdienste soll in diesem Jahr erstmals über die Gemeindegrenzen hinweg gemeinsam die Verhinderung von Ausschreitungen koordiniert werden“, sagten die Bürgermeister Hatice Kara (Timmendorfer Strand) und Volker Owerien (Scharbeutz).

Stark alkoholisierten oder randalierenden Gruppen werde ein Platzverweis erteilt. Die Strandkontrolleure der Kurbetriebe und Mitarbeiter der Ordnungsämter sollen den gesamten Strandabschnitt und zentrumsnahe Straßen von Haffkrug über Scharbeutz und Timmendorfer Strand bis Niendorf abgehen, um von dort einfallende Gruppen gegebenenfalls der Polizei zu melden.

Betrunkene, Prügeleien, Verletzte – das gehörte in den vergangenen Jahren am Einfelder See und am Bordesholmer See am Himmelfahrtstag immer wieder dazu. Deshalb bereitet sich die Polizei auf die Feierlichkeiten der meist jungen Leute auch diesmal wieder gut vor und wird mit Kräften aus der Region sowie aus Eutin vor Ort sein.

In Neumünster wird sie besonders das Gelände am Einfelder See an der Schanze im Auge behalten. In Bordesholm werden die Vogelwiese am Bordesholmer See und der Hochzeitswald am Aalredder im Fokus sein. An allen drei Plätzen hatte es in der Vergangenheit immer wieder Randale nach Alkoholexzessen gegeben.

Bereits 2013 griffen die Beamte in Neumünster durch: Wer zu betrunken war, wurde von der Polizei nicht an den Einfelder See gelassen.
Bereits 2013 griffen die Beamte in Neumünster durch: Wer zu betrunken war, wurde von der Polizei nicht an den Einfelder See gelassen.
 

In Neumünster wird die Polizei ab dem Vormittag am Ufer des Sees in erster Linie Präsenz zeigen. „Wenn wir dort extrem alkoholisierte Leute antreffen, bekommen sie einen Platzverweis“, erklärte Polizeisprecher Rainer Wetzel. Ebenso werden die Einsatzkräfte jede Form von Aggression und Zerstörungen unterbinden und Feuer jenseits der ausgewiesenen Grillplätze nicht dulden. Ein Alkoholverbot, wie es nach besonders schweren Ausschreitungen im Jahr 2010 in zwei drauffolgenden Jahren galt, ist erneut nicht vorgesehen. Laut Polizei sind die juristischen Hürden zu hoch. Im Jahr 2012 hatte das Oberverwaltungsgericht in Schleswig Alkoholverbote am Himmelfahrtstag für andere Standorte gekippt.

Das Amt Bordesholm geht in diesem Jahr einen anderen Weg, nachdem im vergangenen Jahr auf der Vogelwiese und im Hochzeitswald die Lage eskaliert war. Mehrere hundert meist junge Leute gerieten damals an beiden Orten immer wieder in Streit.

Betrunkene warfen Bänke in die Hochzeitswaldteiche und rodeten und verfeuerten Bäume, die die Hochzeitspaare zuvor gepflanzt hatten. Um ähnliche Szenen zu verhindern, hat die Ordnungsbehörde jetzt mit einer sogenannten Allgemeinverfügung reagiert. Das bedeutet: Am Himmelfahrtstag dürfen sich maximal 100 Besucher auf der Vogelwiese aufhalten, im Hochzeitswald ist die Zahl auf 80 Personen beschränkt. Grillen und offenes Feuer sind verboten. Betrunkene werden erst gar nicht auf das Gelände gelassen. Alkohol darf „nur in Maßen“ mitgenommen werden, damit sich auch vor Ort keiner betrinkt.

Große Schilder machen auf die vorübergehenden schärferen Regeln aufmerksam. Die Polizei wird vor Ort dafür sorgen, dass sie auch eingehalten werden. Laut Polizeisprecher Rainer Wetzel sollen durch die Maßnahmen „auch die Leute geschützt werden, die vielleicht einfach nur ein wenig spazieren gehen oder am See sitzen wollen“.

Damit es möglichst gar nicht erst zu unschönen Szenen kommt, haben Polizeibeamte in den vergangenen Wochen in vielen Schulen Aufklärungsarbeit geleistet. „Wir haben die Jugendlichen auf die Probleme angesprochen, die Alkohol und Gewalt mit sich bringen können“, so Wetzel.

Auch Kollmar in der Nähe von Glückstadt ist ein Vatertags-Brennpunkt in Schleswig-Holstein. Der  Hafen und der Strand  haben sich an  Vatertag  immer mehr zum beliebten Treffpunkt entwickelt, insbesondere für Jugendliche. Weil  viele der Feiernden zu viel Alkohol getrunken hatten,  kam es in den vergangenen Jahren zu mehreren „erheblichen Gewaltdelikten“, teilt Michael Gohr, Leiter der Polizeistation Glückstadt, mit. „Die Polizei musste Platzverweise aussprechen, Personen in Gewahrsam nehmen und Strafanzeigen aufgrund von Körperverletzungsdelikten aufnehmen.“ Immer wieder  hatten betrunkene Jugendliche „gefährliche Gegenstände“ dabei. 

Am Donnerstag, 14. Mai,  ist außer der Polizei auch wieder die Elmshorner Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Einsatz. Wie in den Vorjahren werden die Rettungsschwimmer die Wache in Kollmar besetzen.

Die Beamten der Polizeistation Glückstadt werden den Hafenbereich und die Umgebung überwachen und zielgerichtete Personenkontrollen durchführen, kündigt Michael Gohr an: „Betrunkene Kinder oder Jugendliche werden den Eltern oder einer geeigneten Einrichtung kostenpflichtig zugeführt, falls die Betroffenen nicht abgeholt werden können.“ Die  Polizei werde  mit Fußstreifen präsent sein und bei Bedarf einschreiten.

Überwacht wird auch, ob jemand alkoholisiert Rad, Auto oder andere Fahrzeuge wie Trecker  fährt. Zudem weist Gohr darauf hin,  dass die Personenbeförderung nur in dazu bestimmten Fahrzeugen zulässig ist. Gemeint sind zum Beispiel landwirtschaftliche Fahrzeuge. Nur wer eine Erlaubnis hat, darf  auf ihnen  auch Personen befördern. „Absicht der Polizei ist es nicht, den jungen Menschen und anderen Feiernden den Spaß am Himmelfahrtstag zu nehmen“, betont Gohr. Vielmehr soll die Polizeipräsenz dazu dienen, dass der Feiertag für alle Bürger „möglichst friedlich und ohne körperliche oder sonstige Schäden verläuft

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen