zur Navigation springen

Geheimtipp : Eine Düne mitten im Land

vom

Schleswig-Holstein-Kenner zeigen Geheimtipps: Landschaftspflege-Pionier Thorsten Roos mag die Geest, wo sie am sandigsten ist - am Treßsee.

Oeversee | Dünen erleben: Das muss in Schleswig-Holstein nicht unbedingt eine Fahrt an den Strand bedeuten. Auch an wenigen Plätzen im Binnenland gibt es sie. Zum Beispiel am Treßsee südlich von Flensburg. Zwar mit einer schütter bewachsenen Außenhaut, aber gerade dadurch auf eigene Weise interessant. In den nächsten Wochen lohnt ein Ausflug besonders: Reichlich Heide entfaltet sich auf dem Gebiet, und ihre Blüte steht kurz bevor.
Noch Anfang der 90er Jahre war alles anders. "Da konnte man die Binnendüne gar nicht erkennen, die Gegend war komplett aufgeforstet", erzählt Thorsten Roos. Der Diplom-Ingenieur für Landschaftspflege hat dafür gesorgt, dass (gegen eine Ersatzpflanzung an anderer Stelle) der Wald im zentralen Bereich gerodet wurde - und die Natur gerade dadurch gewann. In seiner Diplom-Arbeit hatte er das Potenzial der Oberen Treenelandschaft bei Oeversee herausgearbeitet. Sie war eine Grundlage dafür, dass das Areal eine Karriere als "Naturschutz-Großprojekt des Bundes von gesamtstaatlicher Bedeutung" hingelegt hat. Aus Schleswig-Holstein hat das sonst nur noch der Schaalsee geschafft. Von 2000 bis 2012 hat das Projekt das Gebiet für 7,8 Millionen Euro auf 1250 Hektar seiner einstigen Gestalt in Form einer halboffenen Weidelandschaft wieder angenähert.

Großprojekt schafft den Brückenschlag

Erst bei der Naturschutzbehörde des Kreises in Schleswig, später als Geschäftsführer des Naturschutzvereins Obere Treenelandschaft setzte Roos das Großprojekt vor Ort um, organisierte dabei als einer der ersten im Land einen Brückenschlag zwischen Umweltschutz, Landwirtschaft, Regionalentwicklung und Tourismus. Heute wacht der 48-Jährige als Fachbereichsleiter für Kreisentwicklung sowie Bau- und Umweltangelegenheiten über die grüne Schatzkiste. Ehrenamtlich ist er im Bundesvorstand des Deutschen Verbands für Landschaftspflege Koordinator für Schleswig-Holstein.
Roos erklärt mit der Geologie, was die Obere Treenelandschaft im nationalen Maßstab hervorstechen lässt: ein mehrfaches Vor- und Zurückweichen des Eisrands vor 12 000 Jahren. Das hat das Terrain gleich mehrfach überformt: Hanglagen und Senken, die seltene Kombination von Hoch- und Niedermooren in einem Gebiet, Tümpel, Feucht- und Sandheiden und eben die 42 Meter hohe Binnendüne am Treßsee zeichnen es aus. Letztere wurde aus Flugsand von den westlicheren, vegetationsfreien Schmelzwassersandflächen aufgeweht. Durch eine nur schüttere Grasnarbe schimmert der staubähnliche Untergrund bis heute durch. Dass die vergleichsweise karge Geest ihr Schattendasein innerhalb der Landschaften des Nordens verdient hätte, kann Roos so gar nicht finden. "Mir ist die Geest typmäßig am nächsten." Er schätzt am Mittelrücken "die Schönheit im Kleinen und die verborgenen Schätze". Gerade in solchem Rahmen "kommt die Vielfalt an Farben und Arten zur Geltung. Hier sieht man, dass es sich auch mit wenigen Ressourcen gut leben lässt".

Schmetterlingsvielfalt und Wanderschafe

Die Schmetterlingsvielfalt - ebenso wie Eidechsen oder Wildbienen begünstigt durch die Trockenlebensräume - sind ein Beleg dafür. Den Sommer hindurch entpuppen sich Teile des Magerrasens, der sich auf dem acht Hektar großen Binnendünengebiet erstreckt, als Eldorado von Blüten. Bergsandglöckchen, Thymian und Teufelsabbiss sind darunter. Das Geheimnis dahinter ist eine Beweidung, teils mit Robust-Rindern, teils mit einer Wanderschafherde. Sie verschafft dem Spaziergänger mit etwas Glück einen Anblick wie anno dazumal. "Wenn die Tiere grasen, entzieht das dem Boden Nährstoffe", erklärt Roos. "Das begünstigt die Pflanzen, die sich mit wenigen Nährstoffen begnügen - und die sich auf Flächen, die gedüngt werden, nicht durchsetzen können."
Eine Dreiviertelstunde genügt schon für eine Rundwanderung von einem kleinen Parkplatz bei Augaard über die Binnendüne. Holzpfähle alle 100 bis 200 Meter sorgen für Orientierung in der ungewohnt naturbelassenen Umgebung. Einen Panoramablick nicht nur auf den Treßsee, sondern auch auf die südwestlich gelegenen Fröruper Berge gibt es obendrauf. Wer länger unterwegs sein möchte, kann seinen Ausflug dorthin verlängern. Nimmt man direkt wieder den Rundweg zum Auto, kommt man noch an einem anderen See als dem Treßsee vorbei. Er hat sich nach dem Entfernen eines Drainagerohrs in einer Senke einfach aufgestaut. Verzeichnet ist er in Karten als "Julesee" - ein Name, der sich verselbstständigt hat, nachdem Roos das Gewässer für sich privat auf seine Tochter getauft hatte. Nur für ihn ist das Ausflugsziel deshalb auch die Binnendüne am Julesee - nicht am Treßsee.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Aug.2013 | 01:02 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen