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Grenzpendler : Eine Dänin und die deutsche Arbeitsmoral

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"Die deutsche Arbeitsmoral gefällt mir, die Genauigkeit, die Kontinuität. Dazu noch eine Portion dänische Lässigkeit - die perfekte Mischung!" Bekenntnisse einer Dänin nach sechs Jahren Berufsalltag in Deutschland.

shz.de von
erstellt am 28.Mär.2008 | 04:33 Uhr

Bente Urbanski (41) arbeitet als gelernte Speditionskauffrau bei der Flensburger Niederlassung des dänischen Weltkonzerns "Danfoss" im Bereich Logistik. Sie pendelt zwischen dem dänischen Vojens und der Fördestadt jeden Tag hundert Kilometer über die Autobahn. "Auf der Fahrt zur Arbeit höre ich Radio, trinke einen Coffee to go und entspanne mich. Beim Nachhauseweg schalte ich dann völlig ab und freue mich schon auf meine Familie."
Bei Danfoss bearbeitet Bente Urbanski Frachtpapiere, Rechnungen und Lieferaufträge. Meistens flitzt sie mit einem Headset am Kopf telefonierend durchs Büro, telefoniert mit Gott und der Welt und wechselt fließend zwischen Deutsch und Dänisch. "Genau der richtige Job für mich", sagt sie. Eine Herausforderung, die sie in Dänemark nicht fand und sich deshalb bei Danfoss in Flensburg bewarb. "Beim Vorstellungsgespräch war ich ziemlich nervös. Meine Deutschkenntnisse stammten noch aus der Schulzeit und waren schon ein bisschen eingerostet. Doch meine Kollegen haben mir geholfen, mich zurechtzufinden", schildert Bente Urbanski ihren beruflichen Wiedereinstieg. In der ersten Zeit sei es ihr schwer gefallen, am Telefon die richtigen deutschen Worte zu finden, und auch bei Behörden verwendete sie manchmal das typisch dänische "Du".
Arbeitgeber hilft bei Steuerfragen
Die Speditionskauffrau fühlt sich bei ihrem Arbeitgeber wohl. Im Bereich Logistik arbeiten rund 150 Dänen und auch ihr Chef stammt aus Dänemark. "So ist alles nicht ganz so fremd", bekennt sie, springt auf und holt für ihren Kollegen die Papiere für den Lkw, der gerade bei einer Auslieferung in Pakistan mit einer Autopanne liegen geblieben ist. Bente Urbanski arbeitet 35 Stunden die Woche. Die Gleitzeit macht sie flexibel und wenn sie mal früher los muss, ist das kein Problem: "Wir arbeiten hier eigenständig. Unser Chef kontrolliert nicht, wann wir kommen und gehen. Hauptsache die Arbeit wird erledigt. Eine Stechuhr notiert unsere Arbeitsstunden." Ihr Arbeitgeber unterstützt sie in Fragen der Steuer- und Sozialversicherung. "Die Personalabteilung hat alles für mich geregelt und Einzelfragen geklärt. Was für ein Glück, dass ich mich nicht selbst um alles kümmern musste." Zudem komme regelmäßig ein Experte vom Info Center Grenze ins Haus, um über neue Regelungen für Grenzpendler zu informieren.
Bente Urbanski könnte sich zurzeit nicht vorstellen, wieder in Dänemark zu arbeiten, sie fühlt sich bei ihrem Arbeitgeber in Deutschland wohl. Außerdem sei das Lohnniveau bei Danfoss für deutsche Verhältnisse relativ hoch. Und die Lohn-Abzüge in Deutschland und Dänemark hätten sich weitgehend angenähert. Zwei Wünsche habe sie jedoch für die Zukunft und glaubt, damit auch für die meisten Grenzpendler zu sprechen: "Das Krankenversicherungssystem ist noch nicht optimal. Ich muss in Deutschland Krankenversicherung bezahlen, obwohl ich sie gar nicht brauche, denn ich gehe in Dänemark zum Arzt." Überhaupt sollte der dänische Staat seine Pendler in der deutsch-dänischen Grenzregion mehr unterstützen (so wie in der Øresundregion zwischen Dänemark und Schweden) , beispielsweise steuerlich, finanziell oder durch gemeinsame Absprachen mit dem Nachbarland, sagt Bente Urbanski, dreht sich um und telefoniert - diesmal mit Texas.

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