Einbruchstatistiken : Einbrecher lieben Schleswig-Holstein

Die Aufklärungsquote im Land erreicht 2014 einen historischen Tiefstand. Und dann gibt es in SH auch noch viel zu holen: Im Schnitt wurden 2644 Euro erbeutet.

Margret Kiosz von
24. Juli 2015, 13:34 Uhr

Kiel | Exakt 4404 mal haben Einbrecher in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in Schleswig-Holstein zugeschlagen und die Nordlichter in Angst und Schrecken versetzt. Die leben ohnehin gefährlich – laut einer aktuellen Auswertung von 300.000 Schadensmeldungen im Bereich Wohngebäude- und Hausratspolicen der Generali Versicherung stellte sich heraus, dass der Norden bei Einbrechern ein beliebtes Revier ist. Lässt man die Stadtstaaten außen vor, gehört Schleswig-Holstein zu den vier am häufigsten heimgesuchten Bundesländern.

Offenbar gibt es hierzulande viel zu holen. Betrug nämlich die durchschnittliche Schadenshöhe in Thüringen nur 741 Euro und im „reichen Bayern“ immerhin 2263 Euro, klauten Diebe bei Hauseinbrüchen im Norden im Schnitt Gegenstände im Wert von 2644 Euro. Dabei hat Schleswig-Holstein mit Kiel und Lübeck nur zwei „kleine“ Großstädte. In Städten über 100.000 Einwohnern sind Diebe nämlich doppelt so häufig aktiv wie im bundesweiten Vergleich. Laut Generali-Risikoatlas „Haus und Wohnen“ ist Leipzig die beliebteste Diebesstadt. Auch in Hamburg bekommen die Menschen oft ungebetenen Besuch (9,2 Prozent). In der Millionenstadt München hingegen nur 2,9 Prozent.

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In Deutschland wird im Durchschnitt einer von 25 Versicherten innerhalb von zehn Jahren Opfer eines Einbruchs und Diebstahls. Im Bundesländervergleich wird dabei in den Stadtstaaten häufiger eingebrochen als in den Ländern: Spitzenreiter sind Bremen (10,4 Prozent), Berlin (9,3) und Hamburg (9,2). In Bayern müssen sich Versicherte am wenigsten vor Dieben fürchten. Das Alpenland glänzt mit einer Häufigkeit von nur 1,3 Prozent, das heißt nur jeder 100ste Bürger meldete einen Einbruch und Diebstahl. Schleswig-Holstein liegt mit 5,4 Prozent nach Hessen auf Platz zwei der westdeutschen Bundesländer. Im Osten wird häufiger eingebrochen, allerdings ist die Ausbeute gering. Von der Polizei wird immer wieder angeführt, dass Regionen, die per Autobahn schnell vom Ausland her erreichbar sind, wegen der guten Fluchtmöglichkeiten von Dieben bevorzugt werden.

Die Aufklärungsquoten bei Wohnungseinbrüchen im Norden sind chronisch schlecht. Nach einer unserer Zeitung vorliegenden Halbjahresbilanz des Landespolizeiamtes ist die Quote sogar noch weiter zurückgegangen und erreicht in Schleswig-Holstein gegenwärtig mit nur 8,8 Prozent einen historischen Tiefstand. Im vergangenen Jahr wurden noch 11,3 Prozent der Fälle aufgeklärt. Selbst die Regierungsfraktionen stehen vor einem Rätsel. „Obwohl Niedersachsen genauso viele Polizeikräfte pro Einwohner hat, ist die Aufklärungsquote dort höher als in Schleswig-Holstein“, stellte der Grüne Abgeordnete Burkhard Peters bei der jüngsten Landtagssitzung fest.
 

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