Raubtier in der Großstadt : Ein Wolf wagt sich nach Hamburg

Als die Hamburger Familie Beeken den Wolf vor ihrem Haus in Kirchwerder sah, nahm sie ihn sofort in den Fokus. Foto: Henning Beeken
Als die Hamburger Familie Beeken den Wolf vor ihrem Haus in Kirchwerder sah, nahm sie ihn sofort in den Fokus. Foto: Henning Beeken

Sensation in der Großstadt: Im Hamburger Stadtteil Kirchwerder wurde ein Wolf entdeckt. Wolfsexperten glauben, dass der Einwanderer ein bis zwei Jahre alt ist.

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04. April 2013, 07:51 Uhr

Hamburg | Höchst seltener Besuch in der Millionenstadt: In Hamburgs südöstlichem Zipfel ist am Osterwochenende ein Wolf gesichtet und fotografiert worden. Die Familie von Henning Beeken erblickte das Jungtier am Karfreitag unweit ihres Biohofes Eggers in Kirchwerder und drückte geistesgegenwärtig den Auslöser der Kamera.

Nach Begutachtung der Bilder bestätigte Experte Jens Matzen aus Stolpe (Kreis Plön), dass es sich um einen Wolf handelt. Darauf deuteten Fellzeichnung und Körperbau hin. Es ist die erste gesicherte Beobachtung des einst gefürchteten Raubtieres in der Hansestadt seit weit dem 19. Jahrhundert.

Breiten Graben durchschwommen

Das scheue Tier habe sofort das Weite gesucht, nachdem es seine menschlichen Zufallsbeobachter bemerkt habe, berichtete Beeken. Auf der Flucht durchschwamm der Überraschungsgast einen breiten Graben.

Wolfsbetreuer Matzen schätzt das Alter des Tieres auf etwa ein bis zwei Jahre. Das Geschlecht sei anhand des Fotos nicht zu bestimmen. Der ehrenamtliche Fachmann vermutet, dass der Wolf aus Mecklenburg kommend am nördlichen Elbufer entlang die Vier- und Marschlande erreicht hat. Das Gebiet gehört zur Metropole, ist aber ebenso ländlich geprägt wie die angrenzenden Kreise Schleswig-Holsteins, Niedersachsens und Mecklenburg-Vopommerns.

Lebensbereich muss 250 Quadratkilometer groß sein

Vermutlich handelt es sich um ein Jungtier, das mit Erreichen der Geschlechtsreife sein Rudel verlassen hat und nun ein eigenes Revier sucht. Das allerdings werde auf Hamburger Territorium nicht zu finden sein, sagt Krzysztof Wesolowski vom Nabu in Hamburg. Ein Wolf benötige einen riesigen Lebensbereich von 250 Quadratkilometern und mehr, samt Rückzugsmöglichkeiten und genügend Nahrung an Hasen und Rehwild. Nahe der Großstadt sei all das nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Wahrscheinlich, so die Experten, habe das Tier Hamburg inzwischen wieder verlassen und setze seine Suche in den Kreisen Stormarn, Herzogtum Lauenburg oder Segeberg fort.

Auch wenn der Jungwolf in der Millionenstadt kein Rudel gründen wird, so rechnet Nabu-Mann Wesolowski doch damit, dass es neugierige Artgenossen künftig häufiger aus dem Umland bis in die Randgebiete Hamburgs verschlagen wird. Angst brauche jedoch niemand vor den streng geschützten Tieren zu haben. Wesolowski: "Wölfe sind sehr scheu und laufen sofort weg, wenn sie Menschen bemerken."

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