Bundesstraße 432 : Ein Wildzaun aus Licht soll Autofahrer schützen

Wollen Mensch und Tier schützen: Jäger Malte Schwartz, Eckehard Heisinger von der Forstverwaltung und Jäger Volker Redderberg montieren die Reflektoren an der B  432. Foto: Gehm
Wollen Mensch und Tier schützen: Jäger Malte Schwartz, Eckehard Heisinger von der Forstverwaltung und Jäger Volker Redderberg montieren die Reflektoren an der B 432. Foto: Gehm

Jetzt vergessen sie wieder alle Vorsicht, folgen wie blind ihren Trieben: Die Deutsche Wildtier Stiftung warnt vor liebestollen Rehen im Straßenverkehr.

shz.de von
13. Juli 2011, 11:47 Uhr

Ahrensbök | An einem uralten Wildwechsel, den die Tiere schon seit Generationen nutzen, versuchen Jäger aus Ahrensbök (Kreis Ostholstein), die Autofahrer zu schützen - mit einem Wildzaun aus Licht. An der Bundesstraße 432 nach Bad Segeberg haben sie 95 blaue Reflektoren an die Leitpfosten auf beiden Seiten der Straße geschraubt. In der Dunkelheit sollen sie eine vier Kilometer lange Barriere erzeugen. "Die Halbkreis reflektoren werfen Lichtbögen tief in den Wald, wenn Scheinwerfer sie anstrahlen", erklärt Jäger Malte Schwartz (36). "Weil die Autos sich bewegen, wandern auch die Lichtbögen. Ihre blaue Farbe signalisiert den Tieren zusätzlich Gefahr, da blaues Licht in der Natur praktisch nicht vorkommt."
Im vergangenen Jahr hatten die Jäger der umliegenden Reviere einen Duftzaun gestreut. Gab es vorher auf den vier Kilometern des Wildwechsels jährlich rund 30 Unfälle, sank die Zahl mit dem Duftzaun auf Null. "Das war ein toller Erfolg", sagt Eckehard Heisinger (62) von der Forstverwaltung Schleswig-Holstein. "Aber leider gewöhnen sich die Tiere an den Geruch."
95 blaue Halbkreisreflektoren für 525 Euro
Eine neue Lösung musste her. "Eine Wildwarnanlage mit Infrarotsensoren und elektronischen Warnschildern wie an der B202 am Rastorfer Kreuz, ist unbezahlbar", so Schwartz. Aber die Wirkung der Halbkreisreflektoren sei wissenschaftlich untersucht - im Gegensatz zu CDs oder Stanniolstreifen, die vielerorts in den Bäumen hingen. "Eine Gewöhnung tritt nicht ein, und in 155 Revieren gingen die Unfallzahlen um 73,2 Prozent zurück."
"Die Zahlen zeigen aber auch, dass die Autofahrer keine hundertprozentige Sicherheit haben", warnt Jäger Volker Redderberg (53). "Sie sollten zu den vorgeschriebenen Zeiten deshalb wirklich Tempo 70 einhalten."
Die 95 blauen Halbkreisreflektoren haben 525 Euro gekostet. Gesponsert hat sie Dörte Steffens (33) von der Itzehoer Versicherung in Ahrensbök. Sie sagt: "Ich möchte etwas bewirken, Autofahrer und Wildtiere schützen."
(ge, shz)

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