zur Navigation springen

Kameras in SH : Ein Volk von Paparazzi

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Immer mehr Bürger beschweren sich über Verletzungen der Privatsphäre durch Webcam-Aufnahmen. Doch die installierten Kameras sind nur ein Teil des Problems. Ein Kommentar von Till H. Lorenz.

Scharbeutz/Kiel | Niemand will im Internet bloßgestellt werden, wenn er doch eigentlich nur einen entspannten Urlaub an der Küste verbringen möchte. Daher ist es nicht nur nachvollziehbar, sondern auch richtig, wenn der Einsatz von Webcams kritisiert wird, die in unerlaubter Weise Strände, Promenaden oder sonstiges touristisches Terrain abfilmen.

Nur gehört zur Wahrheit auch, dass fest installierte Webcams letztlich nur so etwas wie der kleinste fassbare Teil des Problems sind. Gegen sie können Datenschützer noch vorgehen, Betroffene sich zur Wehr setzen. In den meisten anderen Fällen ist das jedoch überhaupt nicht der Fall.

In Zeiten von Smartphones mit Kameras, aufnahmefähigen Tablets und einer Bevölkerung im Selfie-Wahn spielt die Privatsphäre im öffentlichen Raum nämlich faktisch keine Rolle mehr, wird das Recht am eigenen Bild permanent von allen möglichen Menschen missbraucht. Zu Tausenden werden die Bilder aus den Urlaubsrevieren im Norden ins Internet gespeist, über Netzwerke wie Facebook verbreitet und das alles mit einer Reichweite, die weitaus höher ist als die der meisten Webcams im Land. Die Deutschen sind zu einem Volk von Paparazzi und Spannern mutiert.

Wie viel ist uns Privatsphäre wert – und wie viel Privatsphäre kann an touristischen Plätzen noch erwartet werden? Diese Fragen gilt es zu klären. Denn nur dann lässt sich auch ernsthaft über die totale Touristen-Überwachung an den Küsten streiten und wie diese in Zukunft zu vermeiden ist.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Aug.2014 | 07:41 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert