zur Navigation springen

Test in Eckernförde : Ein Traum mit Meerblick: Das war meine Nacht im Schlafstrandkorb

vom
Aus der Onlineredaktion

Sternenhimmel, Mondlicht, Meeresrauschen: Ist eine Nacht im Schlafstrandkorb wirklich so romantisch? shz.de hat den Test gemacht.

von
erstellt am 08.Jun.2016 | 19:54 Uhr

Eckernförde | Lange wach bleiben, erst mit den Eltern ins Bett gehen. Das war für mich als Kind ein großartiges Erlebnis. Ich bin zwar mittlerweile 28 Jahre alt, aber dieses Gefühl - das war gestern wieder da. Warum? Ich durfte an einem besonderen Ort schlafen. Am Strand, in einem Strandkorb. Weit und breit niemand außer meinem Mann und mir. Das war wie damals: Während alle anderen nach Hause gehen mussten, bleiben wir noch am Strand. Bis zum nächsten Morgen.

Seit Anfang Juni gibt es in Schleswig-Holstein entlang der Ostseeküste acht Schlafstrandkörbe. Es ist ein Vorzeigeprojekt der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (Tash). Auf der ganzen Welt gibt es nichts Vergleichbares. Eine Marktlücke: Der Strandurlaub soll neuen Schwung bekommen.

Mein Testobjekt steht in Eckernförde vor dem Meerwasser-Wellenbad. Die Bedingungen sind traumhaft: Sonne, 25 Grad, keine Wolke am Himmel.

Organisation

Die Anreise ist ab 17 Uhr möglich. Bei mir wurde es später. Aber auch das ist kein Problem, versichern mir die Mitarbeiter der Touristeninformation, bei denen die Übernachtung gebucht werden kann. Es gibt Schließfächer, aus denen sich Gäste die Schlüssel zum Strandkorb abholen können.

„Late-Checkin“: Wer später als 17 Uhr anreist, kann sich seinen Schlüssel mit einem persönlichen Code aus dem Schließfach abholen.
„Late-Checkin“: Wer später als 17 Uhr anreist, kann sich seinen Schlüssel mit einem persönlichen Code aus dem Schließfach abholen. Foto: Christina Norden

Mit dem Schlüssel geht es an den Strand. Strandkörbe gibt es hier viele. Lange suchen muss ich mein Testobjekt allerdings nicht. Mit seinen Traummaßen sticht es aus der Masse heraus: 1,30 Meter breit und 2,40 Meter lang. So bietet der Schlafstrandkorb bequem zwei Erwachsenen Platz.

Die Features des Schlafstrandkorbs entdecken Sie, wenn Sie mit dem Mauscursor über das Foto fahren:

Komfort

Sein Dach ist noch mit einem kleinen Vorhängeschloss verriegelt. Aber nicht mehr lange. Der Regen- und Windschutz lässt sich bis ans Kopfende zurückklappen. Allerdings ist das Dach ziemlich schwer. Zum Glück hatte ich einen Begleiter. Wer alleine übernachtet, braucht hier Hilfe. Denn auch das Verschieben des Strandkorbs ist trotz Kufen mühselig.

Beim Blick in den Strandkorb fällt der Blick sofort auf das gestreifte Muster. Das ist aber auch die einzige Gemeinsamkeit, die der Schlafstrandkorb mit seinen kleineren Nachbarn hat. Wir machen es uns gemütlich. Die Liegefläche ist weich. Eine Isomatte braucht hier niemand. Ein Schlafsack und Kissen reichen aus. Kamera, Handy, Sonnenbrille - alles, was in Reichweite bleiben soll, findet seinen Platz in der Ablage am Kopfende. Der Rest verschwindet in einem Staufach unter der Matratze. Praktisch. Zu viel Gepäck sollte man allerdings nicht dabei haben. Sonst wird es eng.

Die Macher des Schlafstrandkorbs haben an viele Finessen gedacht:

 

Liegen lässt es sich im Strandkorb prima. Im Schlafstrandkorb zu sitzen, hatte ich mir komfortabler vorgestellt. Entweder man bleibt am Eingang (ohne Lehne) oder man krabbelt ans Kopfende, muss dann aber die Beine langmachen oder im Schneidersitz sitzen. Der Sand an meinen Füßen verteilt sich dabei über und in meinem Schlafsack. „Das wird ein netter Peeling-Effekt heute Nacht“, denke ich.

Wenn ich nur den Tag am Strand verbringen will, reicht mir auch ein klassischer Strandkorb. Der ist mit 7 Euro pro Tag in Eckernförde auch nur halb so teuer. Ein Schlafstrandkorb kostet im Zeitraum von 10 bis 17 Uhr 15 Euro. Aber ich habe eine andere Mission: Ich will schließlich am Strand schlafen – mit diesem Ausblick. Eine Nacht kostet mindestens 29 Euro.

 

 

Infrastruktur

 

Am Hafen von Eckernförde gibt es mehrere Restaurants.
Am Hafen von Eckernförde gibt es mehrere Restaurants. Foto: Christina Norden

Die Infrastuktur ist für eine Übernachtung angemessen. Nur ein paar Schritte entfernt gibt es ein öffentliches WC, das auch nachts mit einem eigenen Schlüssel zugänglich ist. Duschen gibt es kostenpflichtig im Schwimmbad.

Nachdem wir die Umgebung erkundet haben, knurrt uns der Magen. Grillen ist am Strand leider verboten. Doch die Innenstadt ist nicht weit. Plakate weisen Ortsfremden den Weg zum nächsten Lokal. Entlang der Promenade gibt es mehrere Restaurants mit Blick auf die Ostsee oder den Hafen.

Romantik

„Übernachten Sie hier wirklich heute?“, will eine ältere Dame wissen. Schlafstrandkorb-Mieter kommen schnell mit anderen Besuchern ins Gespräch. Unsere Bleibe für eine Nacht lenkt die Aufmerksamkeit auf uns, das merken wir schnell. Trotz hoher Seitenwände fühle ich mich beobachtet. Wer lieber unauffällig in den Dünen liegt, ist hier falsch - zumindest noch. Diesen Sommer soll der XXL-Strandkorb in Serienproduktion gehen. Dann gibt es sicher bald mehr als acht Exemplare im Land und die Strandbesucher gewöhnen sich an den Anblick.

Als es am Abend am Strand leerer wird, nähert sich die Realität meiner Fantasie an. Am Himmel strahlen die Sterne. Das Meeresrauschen wird gefühlt immer lauter. Wir sind allein, kuscheln uns in den Strandkorb und stoßen auf den schönen Abend an. Romantik pur. Wenn man einen Makel finden will, dann ist es dieser: Die Sonne geht an der falschen Stelle unter (im Westen über der Stadt und nicht über der Ostsee). Der Horizont und die wenigen Wolken werden trotzdem in ein tolles Licht getaucht. Und es gibt ja auch noch einen Sonnenaufgang.

Wenn es am Strand ruhiger wird, bleibt nur das Meeresrauschen.

Wenn es am Strand ruhiger wird, bleibt nur das Meeresrauschen.

Foto: Christina Norden
 

Zum Schlafen ziehen wir dann doch das Dach über uns zu. Der Blick nach draußen bleibt dank des großen Fensters frei. Ohne die Sonne ist es deutlich kälter geworden. Zum Glück haben wir dicke Pullover mitgenommen und sind zu zweit.

Das Meeresrauschen und die frische Luft bescheren uns eine entspannte, ruhige Nacht. Ich habe sogar vom Schlafstrandkorb geträumt – mit Meerblick. Er stand in meinem Garten. Schade, dass es nur ein Traum war.

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, zeigt sich die Ostsee Grau in Grau. Die Laune trübt das nicht - wie auch, wenn der Blick aus dem Fenster gleich wieder auf den Strand fällt. Traumhaft!

Der #Ausblick, wenn du aufwachst. ❤ #schlafstrandkorb #Eckernförde #gutenmorgen #comeseesh

Ein von shz.de (@shz.de) gepostetes Foto am

 

Mein Testergebnis:

Organisation sehr gut
Komfort gut
Infrastruktur sehr gut
Romantik sehr gut
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen