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Krankenhäuser/sygehuse : Ein Superkrankenhaus zwischen Kolding und Kiel

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Ein Krankenhaus mit vier Standorten, 3400 Angestellten und 540 Betten zu leiten, erfordert die ganze Frau und den ganzen Mann. Vor allem dann, wenn zum wiederholten Mal innerhalb kurzer Zeit Veränderungen anstehen.

Pflegepersonal, Ärzte, Hebammen, Sozial- und Gesundheitsassistenen oder die "Portør" genannten Krankenträger mussten sich in Nordschleswig schon mehrfach umstellen, weil die Krankenhausstruktur geändert, die zentrale Notfallambulanz zum Beispiel nach Apenrade verlegt, die Intensivbetten in Hadersleben geschlossen und das Tonderner Krankenhaus sehr verkleinert wurde.
Die Kommunalreform zum 1. Januar 2007 brachte die nächste Änderungsrunde. Alle vier Krankenhäuser wurden schon im Vorwege unter einem Dach vereint und heißen jetzt "Sygehus Sønderjylland" - Krankenhaus Nordschleswig. Danach erfolgte die Debatte, wie viele Krankenhäuser in der neuen größeren Region eigentlich noch gebraucht werden und wo künftig das Akutkrankenhaus platziert sein soll. Der Knoten im Wettbewerb zwischen Apenrade und Sonderburg um das Krankenhaus, das sich aller akuten Fälle, ob Erkrankung oder Unfall, annehmen soll, wurde mit der Entscheidung durchschlagen, ein ganz neues Hospital zwischen Apenrade und Sonderburg zu bauen. "Eine meiner Aufgaben ist es, in diesen Prozessen dafür zu sorgen, dass nicht Kompetenzen und Menschen unterwegs verloren gehen", beschreibt Ditte Thinggaard einen Aspekt ihres Arbeitsalltags.
Ditte Thingaard (56) ist gelernte Krankenschwester mit der Weiterbildung zur Anästhesiekrankenschwester, studierte "cand. cur", sprich akademische Krankenschwester, die auch noch einen Master in Public Management hat. Die ideale Besetzung also für den pflegerischen Bereich in der Troika, die das Krankenhaus Nordschleswig leitet. Ihr zur Seite stehen als ärztlicher Direktor Henrik Villadsen und als geschäftsführender Direktor Finn Jensen.
Schnelle behandlung für Schwerkranke
Den richtigen Schub bekam ihre Karriere, als sie 40 und ihre jüngste Tochter zehn Jahre alt war. Da begann sie mit den Weiterbildungen und kam über Fredericia und Kolding schließlich nach Nordschleswig. "Hier stehe ich jetzt vor der spannenden Herausforderung, das neue Krankenhaus mitzubauen", so Ditte Thinggaard. Eine andere, ganz wichtige Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass die "kranken Kranken", wie sie es nennt, möglichst schnell behandelt werden. Die oft und gern auch in der Öffentlichkeit geführte Diskussion über die leidigen Wartelisten, die bei einigen, nicht lebensbedrohlichen Krankheiten über ein Jahr betragen können, haben ihrer Ansicht nach dazu geführt, dass man zeitweise diejenigen etwas aus dem Auge verlor, die am schwersten erkrankt waren.
"Dabei geht es zum Beispiel um die Krebspatienten. Jetzt haben wir die 48-Stunden-Regel. Das bedeutet, dass der Patient innerhalb von 48 Stunden nach dem Auftreten erster Alarmsymptome wie zum Beispiel Blut im Stuhl oder einem Knoten in der Brust erfährt, ob es Krebs ist oder nicht. Der Zeitfaktor ist ganz wichtig, denn wer gesund ist, hat 1000 Probleme. Wer vielleicht ernsthaft erkrankt, hat nur eins, nämlich: krank oder nicht. Und ist er oder sie es wirklich, gibt es auch dann nur noch ein großes Problem." Ditte Thinggaard ist stolz darauf, dass ihre Krankenhäuser die Frist mittlerweile sehr gut einhalten können. "Dieses Erfolgserlebnis brauchten wir auch", betont sie. Denn die Umstrukturierungen zerrten an den Nerven. Die 48-Stunden-Regel wie auch die Ein-Monats-Behandlungsgarantie werden vom Gesundheitsminister und der Gesundheitsbehörde vorgegeben, die Kliniken müssen dann sehen, wie sie es umsetzen. Dabei geht es auch um Geld. "Das bekommen wir von der Region Süddänemark", so die Direktorin. Geht es um besondere Pläne, wie den Krebsplan oder einen zukünftigen Herzplan kommt allerdings zusätzliches Geld aus Kopenhagen.
80 Ärzte aus dem Ausland

Mit der politischen Steuerung durch die Regions- und Landespolitiker ist Ditte Thinggaard sehr zufrieden. "Wer, wenn nicht die Politiker sollte entscheiden? Soll es das Geld sein wie in den USA?", fragt sie rhetorisch. Mit Geld allein wäre es ohnehin nicht getan, weiß Ditte Thinggaard sehr genau. Denn oft genug fehlt das Personal. Die gestiegenen Behandlungszahlen wurden eher durch Effektivisierung und Umstellung der Behandlungsverläufe erreicht als durch Überstunden und zusätzliche Arbeitskräfte. Die gibt es nämlich häufig gar nicht. Eine weitere Aufgabe von Ditte Thinggaard ist es deshalb, Pläne zu entwerfen, wie die Versorgung mit Pflegern und Ärzten sicherzustellen ist. Mittlerweile arbeiten rund 80 ausländische Ärzte in den vier Krankehäusern, die meisten davon aus Deutschland. "Wir müssen dafür sorgen, dass sie sich heimisch fühlen. Dass auch die Partner einen Arbeitsplatz finden. Und bei den deutschen Ärzten ist es da von großem Vorteil, dass wir hier die deutschen Schulen und Kindergärten haben", unterstreicht die Direktorin.
An etwas müssen sich die deutschen Ärzte allerdings oft erst gewöhnen: an die flachen Hierarchien und daran, auf die "konstruktiven und guten Vorschläge der Krankenschwestern zu hören, denn in Dänemark arbeitet man mehr im Team", so Ditte Thinggaard. In puncto Personal setzt sie ganz entschieden auch auf das neue Krankenhaus. Nicht nur, dass sie die von der Schleswigschen Partei - der Partei der deutschen Minderheit in Dänemark - aufgebrachte Idee, das Krankenhaus so zu legen, dass es grenzüberschreitend arbeiten kann, sehr begrüßt - "schließlich liegt die Grenzregion in der Mitte zwischen Kolding und Kiel" -, mit einem optimal geplanten Neubau, der die neueste Technologie enthält, kann auch viel Personal gespart werden. Das gilt beispielsweise für elektronische Patientenjournale, die durch sprachgesteuerte Computersysteme geführt werden, für digitale Röntgenbilder, die nicht mehr weggeräumt werden müssen wie bisher die großen braunen Umschläge, für kürzere Wege und bessere Abstände. Bis der Neubau steht, werden allerdings mindestens zehn Jahre vergehen.

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erstellt am 04.Apr.2008 | 03:44 Uhr

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