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Die drei ??? in Kiel : "Ein spezial gelagerter Sonderfall"

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Ausverkauftes Haus: Mit ihrer neuen Lesung "Der seltsame Wecker - Live and Ticking" schlugen die drei ??? am Dienstag in Kiel auf.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2009 | 07:38 Uhr

Sie betreten die Arena so stilecht, wie man es von den Detektiven aus Kalifornien erwartet: Durch einen Tunnel rutschen die Sprecher der drei ???, Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck auf die Bühne der ausverkauften Kieler Sparkassen-Arena. Ganz wie damals in den Hörspielen, in denen Justus, Peter und Bob ihre Zentrale auf dem Schrottplatz in Rocky Beach durch einen geheimen Tunnel erreichen. Diesmal führt die Reise allerdings nicht in ihr kalifornisches Hauptquartier, sondern direkt in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt.
Nach "Master of Chess" im Jahr 2002 begeben sich Rohrbeck, Fröhlich und Wawrczeck mit "Die drei ??? und der seltsame Wecker" zum zweiten Mal auf große Deutschland-Tour. "Ein spezial gelagerter Sonderfall", wie Justus Jonas stets festzustellen vermag. Fast dreißig Jahre, nachdem sich die drei Detektive erstmals mit dem Fall beschäftigt haben, lösen Sie das Rätsel erneut - live auf der Bühne. Und sie kommen nicht allein. In dem zehnköpfigen Ensemble begeistern neben Erzähler Helmut Krauss vor allem die Schauspieler Sascha Rotermund und Peter Weis, die den Zuschauern unter anderem ein Wiedersehen mit Hauptkommissar Reynolds und dem berüchtigten Kunstdieb Victor Hugenay bescheren.
Fruchtbarkeitsbalken und verzerrte Gesichter in imaginären Telefonzellen
Den größten Sonderapplaus verdient sich jedoch immer wieder Peter Klinkenberg, der sämtliche akustischen Untermalungen des Stückes per Hand auf der Bühne generiert. Bewaffnet mit Staubwedel, Zeitungspapier und Sellerie sorgt er mit Präzision für die richtigen Geräusche, imitiert Türklingeln und Pferde und erträgt in diesem Zusammenhang auch, von seinen Darstellern mit Karotten und Äpfeln gefüttert zu werden.
Obwohl alle drei Sprecher das vierzigste Lebensjahr bereits hinter sich gelassen haben, schaffen sie es problemlos, die fast ausschließlich erwachsenen Zuschauer zurück in die Kindheit zu entführen. Schließt man die Augen, sieht man sie vor sich, die jungen Teenager aus Rocky Beach. Zu oft sollte dies jedoch nicht geschehen, denn es sind nicht nur die akustischen Höhepunkte, die die Lesung zu einem Ereignis machen. Die Sprecher bestechen durch Situationskomik, quetschen sich mit verzerrten Gesichtern in imaginäre Telefonzellen, nehmen auf "Fruchtbarkeitsbalken" Platz und bauen immer wieder Bonbons in den Programmablauf ein. So befindet sich unter den entwendeten Kunstgemälden innerhalb der Geschichte auch ein Bild der konkurrierenden Hörspielreihe "TKKG", das vom Publikum mit einem Pfeifkonzert quittiert wird.
Zu den Höhepunkten dürfte jedoch der Dalida-Karaoke-Auftritt von Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck zählen, bei dem zweifellos ein Hauch Erotik in der Luft liegt.
Nach zweieinhalb Stunden Programm und minutenlangen Standing Ovations verlassen die drei ??? die Bühne. Wie viele Zuschauer sich später zum Einschlafen ein Hörspiel in den Kassettenrecorder schoben, ist unbekannt.

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