Strafverfahren eingestellt : Ein schwerer Unfall - und niemand hilft

Ellen Kolanos mit dem Australian-Shepard-Mischling Snow. Der  Hund ihrer Enkelin leistet ihr  Gesellschaft. Foto: Petersen
Ellen Kolanos mit dem Australian-Shepard-Mischling Snow. Der Hund ihrer Enkelin leistet ihr Gesellschaft. Foto: Petersen

Eine zertrümmerte Kniescheibe und sieben Wochen Klinik- und Reha-Aufenthalt: Nach einem Hundeangriff leidet eine 75-jährige Elmshornerin auch Monate später unter den Folgen.

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16. April 2012, 09:07 Uhr

Elmshorn | Bis vor wenigen Wochen war Ellen Kolanos eine aktive und sehr mobile Frau. Täglich verließ sie ihre Wohnung im dritten Stockwerk eines Mehrfamilienhauses in Elmshorn, um beispielsweise mit dem Hund ihrer Enkeltochter spazieren zu gehen. Kein Problem für die 75-jährige Elmshornerin. Bis zum 15. Februar.
Gegen 17 Uhr war sie an jenem Tag mit dem angeleinten Australian-Shepard-Mischling Snow in der Bismarckstraße unterwegs. In Höhe der Volkshochschule kam ihr ein Mann entgegen, der in Begleitung von drei großen Hunden war. "Die Hunde waren nicht angeleint und stürzten sich sofort auf Snow. Einer der Hunde verbiss sich sogar in Snows Nacken", erzählt Ellen Kolanos. Obwohl der Hundehalter seine Tiere rief, reagierten diese nicht und wurden immer wilder, erzählt die Seniorin. Im Laufe des Kampfes wurde Kolanos vom Hinterteil eines der wild gewordenen Hunde an ihrem rechten Knie getroffen. "Sofort schoss ein furchtbarer Schmerz in mein Knie", erinnert sie sich. Irgendwann waren die Hunde getrennt, der Hundehalter nannte seinen Namen und seine Anschrift und ging.
Zwölf Wochen Schiene
Mit Hilfe eines Passanten gelang es Ellen Kolanos schließlich, nach Hause zu kommen. Das Knie war bereits angeschwollen. Sie alarmierte die Polizei über den Vorfall und stellte einen Strafantrag. Am folgenden Tag waren die Schmerzen so stark, dass sie ins Krankenhaus musste. Die Diagnose, die die Ärzte stellten, war erschreckend. "Ich hatte eine zertrümmerte Kniescheibe, die durch eine Platte ersetzt werden musste. Mit 21 Klammern wurde die Operationswunde verschlossen", berichtet sie. Insgesamt sieben Wochen verbrachte die 75-Jährige in der Chirurgischen Abteilungen sowie der Reha im Elmshorner Krankenhaus.
"Und jetzt muss ich noch für zwölf Wochen die Schiene tragen. Aber die Mobilität, wie vorher, werde ich nie mehr haben. Das Schlimmste ist aber, dass ich meine Wohnung aufgeben musste und jetzt bei meiner Enkeltochter lebe, die mich zum Glück davor bewahrt hat, in ein Pflegeheim zu müssen", sagt sie und ist den Tränen nahe.
Das Strafverfahren gegen den Hundehalter wurde zwischenzeitlich von der Staatsanwaltschaft wegen Geringfühigkeit eingestellt, die Akte an die Stadt Elmshorn zur weiteren Bearbeitung überstellt. Jetzt muss von der zuständigen Sachbearbeiterin im Ordnungsamt der genaue Tathergang geklärt werden. "Es wird noch eine Anhörung mit allen beteiligten Parteien geben. Wenn die Hunde nicht an der Leine waren, ist dies eine Ordnungswidrigkeit und wird mit einem Bußgeld geahndet", sagte eine Mitarbeiterin im Elmshorner Rathaus auf Anfrage. Schmerzensgeld könnte Ellen Kolanos mit Hilfe einer Zivilklage einfordern. "Mir geht es nicht ums Geld. Ich möchte nur, dass die Hunde angeleint werden, damit so etwas nicht wieder passieren kann", sagt Ellen Konalos.

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