Schnee und Eis : Ein richtig teurer Winter

Der Winter lässt nicht locker: Eine Woche vor Ostern müssen Feuerwehrleute in Rieseby bei Eckernförde einen Regionalzug freischaufeln. Foto: Feuerwehr Rieseby
Der Winter lässt nicht locker: Eine Woche vor Ostern müssen Feuerwehrleute in Rieseby bei Eckernförde einen Regionalzug freischaufeln. Foto: Feuerwehr Rieseby

Schnee und Eis sorgen für zusätzliche Millionenkosten im Norden. Das Streusalz kostet 1,5 Millionen Euro mehr. Die Wirtschaft befürchtet Einbußen.

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26. März 2013, 09:28 Uhr

Kiel | Schneefall, Dauerkälte, Eisglätte - dieser Winter ist nicht nur lang, sondern wird auch richtig teuer. Das Kieler Wirtschaftsministerium hat bereits nachgerechnet. Sprecher Harald Haase: "Für Streugut waren 3,7 Millionen Euro vorgesehen, derzeit liegen wir bereits 1,5 Millionen Euro über dieser Summe." Werden die Nebenkosten für Treibstoff, Reparaturen und zugebuchte Räumdienste addiert, sieht es noch düsterer aus. In "normalen Jahren" koste ein Winter rund 8,7 Millionen Euro, so Haase. "Momentan sind es schon 13,7 Millionen Euro."

Der teure Winterdienst hat allerdings nicht verhindert, dass es auf den Straßen krachte. Während die Zahl der gemeldeten Schäden bis Ende Februar mit den Vorjahren vergleichbar war, änderte sich das laut Provinzial Nord jetzt rapide. Sprecher Heiko Wischer: "In den drei Schneewochen des März gab es einen Anstieg der Kfz-Haftpflicht-, Vollkasko- und Teilkaskoschäden um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum." Die Schadenssumme stieg von vier auf fünf Millionen Euro. Weitere Schäden, etwa durch geplatzte Wasserleitungen, hat der Versicherer noch nicht erfasst.

Fünf bis zehn Prozent mehr Heizkosten

Auch in die privaten Haushaltskassen wird die "Eiszeit" Löcher reißen. Volker Sindt, Sprecher von "Haus & Grund" in Kiel: "Wir raten allen Mietern, schon jetzt Geld zurückzulegen. Je nach Heizverhalten muss mit einem Aufschlag von fünf bis zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gerechnet werden." Laut Mieterverein fallen für eine 70-Quadratmeter-Wohnung zusätzlich 100 Euro an.

Sorgenfalten gibt es auch bei vielen Wirtschaftsunternehmern. Thomas Rackow, Geschäftsführer der Fachvereinigung Spedition und Logistik Schleswig-Holstein: "Wir haben Verluste von 20 bis 35 Prozent." Grund sei, dass viele Speditionen ihre Fahrzeuge in den vergangenen Wochen gar nicht mehr vom Hof geschickt hätten. "Aus Sorge, der Lkw könnte im Straßengraben landen." Das zweite Problem: "Wir beliefern auch Baustellen mit Rohstoffen und das Baugewerbe liegt momentan flach."

"Wir hoffen, dass nach Ostern das Wetter besser wird"

Rainer Thumann vom Baugewerbeverband Schleswig-Holstein sagt: "Wir können unsere Verluste noch nicht beziffern." Die Branche konzentriere sich auf den Innenausbau und nutze modernste Technik. "Es gibt ja mittlerweile Beton, der auch bei Frost aushärtet." Thumann weiter: "Noch bis zum 31. März gibt es Winterkurzarbeitergeld, und wir hoffen, dass nach Ostern das Wetter besser wird."

Generell könnte der harte Winter ein Zehntelprozent des Wachstums kosten, heißt es beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Die Urlaubsorte im Norden sorgen sich ums Ostergeschäft.

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