Archäologe in Albersdorf : Ein Mann lebt in der Steinzeit

Am selbstgemachten Feuer stellt Werner Pfeifer steinzeitliche Waffen her. Foto: dpa
Am selbstgemachten Feuer stellt Werner Pfeifer steinzeitliche Waffen her. Foto: dpa

Der Experimental-Archäologe Werner Pfeifer verbringt sechs Monate im Jahr in Steinzeitparks - zuletzt in Albersdorf in Dithmarschen. Dort probierte er Steinschleudern und Asche als Gewürz.

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02. August 2013, 09:17 Uhr

Albersdorf | Sein Bart und die Haare sind lang und zottelig, seine braune Lederkluft fleckig und die schmutzigen Füße nackt: Werner Pfeifer entspricht wahrhaftig nicht dem Bild eines ernsthaften Wissenschaftlers. Doch der Eindruck täuscht. Der 49-Jährige ist Experimental-Archäologe. Etwa sechs Monate im Jahr verbringt er in Steinzeitparks wie zu Zeiten seiner Lieblingsepoche - zuletzt im Steinzeitpark Albersdorf (Kreis Dithmarschen). Dort demonstrierte der in Namibia geborene Archäologe vor einem Zelt aus Rinderhaut Arbeits- und Lebensweisen der Steinzeit.
"Salopp gesagt probiere ich Sachen aus, die von richtigen Archäologen aus der Erde gebuddelt werden", sagt Pfeifer. "Ich sitze also nicht hinterm Schreibtisch und sage: So hätte es sein können, sondern versuche herauszufinden, ob es auch tatsächlich funktioniert." Ursprünglich wollte Pfeifer Lehrer werden. Doch letztendlich machte er sein Hobby, die Steinzeit, zum Beruf. Wenn er nicht in einem Steinzeitpark gastiert, lebt er in Namibia.

"Theoretisch könnte ich komplett nackt los marschieren"

Die Natur liefere genug zum Leben, sagt Pfeifer: "Theoretisch könnte ich komplett nackt los marschieren: Ich suche mir einen Stein und mache mir daraus ein Messer, mit dem ich mir Pfeil und Bogen schnitze, um mir dann etwas zum Essen zu schießen." Aus dem Fell der Tiere lasse sich Kleidung herstellen. "Ich stelle die Jägersteinzeit dar", sagt Pfeifer. Sie habe vor 2,6 Millionen Jahren begonnen und etwa bis vor 9000 Jahren angedauert.
Für seine Reise in die Vergangenheit hat sich Pfeifer ein Lederzelt genäht. Weil die Zelte aus leicht verrottenden Materialien bestanden, seien bei Ausgrabungen nur Pfostenlöcher aus jener Zeit gefunden worden. Die Form seines Zelts habe er dem über hundert Jahre alten Foto eines Eskimo-Zelts nachempfunden: Die Rückseite wie ein indianisches Tipi, die Front wie ein Armeezelt. "Ich wohne hier und schlafe hier: Das ist wie im Paradies", sagt Pfeifer.

Asche als Gewürz

Den Zelteingang schmücken seine Waffen: Neben einem Köcher voller Pfeile (Die Federn befestigt er am Schaft mit einem echten Steinzeit-Kleber: Entweder Birkenteer oder eine Mischung aus Baumharz und Honig) hängt ein Handteller großes Stück Leder mit Schlitzen und einer Schnur daran: Eine Steinschleuder. "Unheimlich effektiv, man kann damit mehr als hundert Meter weit werfen - wenn man es kann. Das schwierigste ist das Zielen, am Anfang ist die Streuung 360 Grad", erzählt Pfeifer.
Daneben lehnen Speere mit glatten oder gezackten Feuerstein- und Geweihspitzen und eine Speerschleuder. Das ist eine Kombiwaffe aus gefiedertem Speer und einem Stock mit Haken. "Dieser Stock ist eine Verlängerung des Armes, also des Hebelwegs, und man kann mit ihm die Reichweite verdoppeln", sagt Pfeifer: "Damit konnte man in den Steppen auch Jagd machen auf Herdentiere, an die man nicht so nahe heran kam."
Auf seiner Speisekarte stehen meist "Steinzeit-Mahlzeiten": Gemüse, das er in der heißen Asche seines Lagerfeuers gart. "Nach 10 bis 15 Minuten ist es meist gut, und es schmeckt herrlich", schwärmt Pfeifer: Er würzt das Essen nämlich mit der Asche. "Man muss nur aufpassen, dass es nicht mit Sand in Berührung kommt: Sand im Essen ist einfach grauenhaft."

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