Wewelsfleth : Ein Leuchtturm und seine falsche Farbe

Alt und neu: Der  Leuchtturm steht binnendeichs und könne laut Wasser- und Schifffahrtsamt mit dem neuen Leuchtfeuer  verwechselt werden - wegen der Farbe.  Foto: Ruff
Alt und neu: Der Leuchtturm steht binnendeichs und könne laut Wasser- und Schifffahrtsamt mit dem neuen Leuchtfeuer verwechselt werden - wegen der Farbe. Foto: Ruff

Rot und weiß ist der Leuchtturm von Familie Habekost aus Wewelsfleth (Steinburg). Er erinnert an die Leuchtfeuer, die ganz in der Nähe den Schiffen den Weg weisen. Und genau das ist das Problem.

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03. März 2011, 08:10 Uhr

wewelsfleth | Alles soll so bleiben wie es ist. Mehr wollen Annette und Rufus Habekost gar nicht. Seit Jahren wohnen sie in ihrem Leuchtturm Hollerwettern an der Elbe bei Wewelsfleth (Kreis Steinburg). Liebevoll haben sie das Bauwerk, das in diesem Jahr 100 Jahre alt wird und längst nicht mehr als Leuchtfeuer genutzt wird, restauriert und ausgebaut - und ihm einen neuen Anstrich verpasst. Rot und weiß sieht der Turm nun seit zehn Jahren aus - und erinnert deswegen etwas an die beiden modernen Leuchtfeuer, die ganz in der Nähe den Schiffen heute den Weg weisen. Und genau das ist das Problem. "Der Leuchtturm Hollerwettern muss so gestrichen werden, dass er nicht mit anderen Seezeichen verwechselt werden und so die Sicherheit der Schifffahrt gefährden könnte", sagt Detlef Wittmüß, Leiter des zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Hamburg. Deshalb müsse die rot-weiße Farbgebung weichen. Das gelte im übrigen für alle anderen Türme an der Elbe, die nicht mehr genutzt werden.
"Im Grundbuch steht nur, dass ich den Leuchtturm dunkel streichen soll", sagt Annette Habekost und pocht mit dem Zeigefinger auf den Auszug. Und früher war er weiß - da sei das Rot ja wohl dunkel, sagt ihr Sohn. Drei Jahre lang hat sich die 51-Jährige mit dem Amt gestritten - um Farben. "Wie kann man denken, dass unser Turm die Schifffahrt gefährdet?", fragt sie. Die Familie habe sich verpflichtet, im Dunkeln aus den Fenstern keine Lampe direkt Richtung Fluss zu richten. Und bei Tag sehe doch wohl jeder, dass dieser Leuchtturm nicht mehr in Betrieb sei. "Und wenn es einer nicht sieht, ändert doch auch die Farbe nichts daran." Dazu hätten die größeren Schiffe alle Lotsen an Bord und auch kleinere Schiffe würden per Radar überwacht. "Ich würde das Risiko ja tragen, dass hier mal einer an Land treibt - aber davor will mich das WSA ja beschützen, wie man mir gesagt hat", so die Besitzerin.
"Wir haben uns jahrelang gerichtlich auseinandergesetzt"
Detlef Wittmüß sagt dazu: "Nicht alle Schiffe haben einen Lotsen an Bord, und die Sicherheit geht vor." Kapitäne kleinerer Schiffe könnten womöglich nur die Spitze des alten Leuchtturms Hollerwettern sehen, und wären dann irritiert. Deshalb habe das Amt sogar die gerichtliche Auseinandersetzung mit der Leuchtturminhaberin nicht gescheut. Nach drei Jahren Streit stand der Kompromiss. "Die Ecken des Leuchtturms müssen munitionskistengrau gestrichen werden, dazu muss der Strich unter dem Fenster verbreitert werden. Immerhin wird nicht der ganze Turm grau gestrichen, wie ursprünglich verlangt", sagt Habekost. Das Amt habe sich verpflichtet, den Anstrich zu erledigen. "Das ist jetzt Monate her. Warum dauert das so lange, wenn das hier ein so großes Sicherheitsrisiko ist?", fragt ihr Sohn.
"Wir haben uns jahrelang gerichtlich auseinandergesetzt. Nun geben Sie uns doch ein bisschen Zeit, die Sache zu erledigen", sagt Detlef Wittmüß. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Im übrigen würden alle still gelegten Leuchttürme nach und nach überprüft - dann könne bei anderen auch ein Neuanstrich angeordnet werden. "Wenn es einmal knallt, müssen wir nachweisen können, dass wir alles für die Sicherheit getan haben."
"Viele Leute mögen den Turm, so wie er ist"
Für die Besitzer ist das nicht mehr schön. Mittlerweile können die beiden zwar wieder lachen, wenn sie die Geschichte um die Farbe ihres Turmes erzählen. Sie habe sogar schon ein Transparent an der Außenseite ihres Turms aufhängen wollen, sagt Annette Habekost. "Ich bin kein Leuchtturm" sollte darauf stehen. "Aber das Amt hat mir das verboten. Das lenke die Aufmerksamkeit der Schiffer auf den Turm, die würden abgelenkt", sagt sie. "Viele Leute mögen den Turm, so wie er ist. Er ist so auf Postkarten zu sehen, und er ist doch auch ein Wahrzeichen für die Region."
Für das WSA ist die Sache jedoch "erledigt", wie Detlef Wittmüß sagt. "Wir werden den Turm umstreichen, so wie in der Mediation vor Gericht vereinbart. Das ist kein großer Aufwand für uns. Wir machen das, wir zahlen das, im Frühjahr geht es los".
(shz, ky)

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