Christoph Andreas Leicht : Ein Leben im Freizeitpark

Gute Aussicht auf den Park: Christoph Andreas Leicht im 'Monte Zuma'. Weitblick fordert er auch von der Politik. Foto: dewanger
Gute Aussicht auf den Park: Christoph Andreas Leicht im "Monte Zuma". Weitblick fordert er auch von der Politik. Foto: dewanger

Emotionales Geschäft: IHK-Präsident Christoph Andreas Leicht führt den Hansapark als Familienunternehmen. Ein Job zwischen Märcheninsel und Fluch von Novgorod.

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09. August 2011, 09:03 Uhr

sierksdorf | Verspielt, visionär und Besitzer des bundesweit höchst ausgezeichneten Freizeitparks - einen Vater wie Christoph Andreas Leicht wünscht sich wohl jedes Kind, doch nur eines hat ihn. "Mein fünfjähriger Bub findet es schon prima, mit mir in unserem und anderen Parks Spaß zu haben", sagt Leicht, Besitzer des Hansaparks in Sierksdorf und seit gut einem Jahr Präsident der IHK Schleswig-Holstein. In beiden Funktionen verfolgt der gebürtige Allgäuer mit mitreißender Energie seine Ziele.
"Jeder muss einen Sinn in seinem Tun erkennen - ohne Sinn gibt es keine Motivation", sagt Leicht. Nur ein paar flinke Schritte und eine Pforte liegen zwischen Leichts Büro und seiner 460.000 Quadratmeter großen Märcheninsel - nicht nur für Kinder. Auf dem Gelände des Hansaparks, zwischen üppig blühenden Sommerbeeten, auf dem Weg vom Holzfällerlager zum Alten Jahrmarkt wird der Schritt des Parkchefs noch flinker. Vor einer der spektakulärsten Achterbahnen der Anlage - dem Fluch von Novgorod - sammelt er rasch einen Pappbecher auf, der nicht in einem Papierkorb gelandet ist. Trotz lebendigen Trubels sieht der Park wie geleckt aus.
"Ohne Visionen geht es eben nicht"
Freundlich und ruhig erfüllen die im Sommer 800 Mitarbeiter die Wünsche der Parkbesucher. Das große Team von Andreas Leicht kennt genau die Ziele, zu denen ihr Chef immer wieder aufbricht. Zur Zeit die neue Familienachterbahn "Schlange von Midgard" sowie die letzten Bauabschnitte der Themenwelt "Hanse in Europa", die mit aufwendigen Nachbauten des Lübecker Holstentors und anderer prägnanter Hanse-Bauwerke spielerisch über den Hintergrund des Namens "Hansapark" informieren soll. "Meine Mitarbeiter müssen sich darauf verlassen können, dass ich die richtigen Entscheidungen treffe, damit sie weiter ihr Eigenheim abzahlen können", sagt Leicht.
Basis der vielen Auszeichnungen für seinen Park sind gute Ideen am laufenden Band und die Kraft, sie umzusetzen. "Ein Jahr nichts zu tun, bedeutet für einen Freizeitpark ein Jahr Rückschritt", sagt Leicht. Ohne Visionen gehe es eben nicht für den Mann, der mit seiner Familie in dem Park wohnt. 30 Millionen Euro hat er in den vergangenen acht Jahren investiert. Dazu kommt noch ein Ferienhaus-Resort, das derzeit zwischen Park und Ostsee entsteht.
Über eine Million Besucher im Jahr
Weitsicht wie die, die die höchste Stufe des Fahrgeschäfts Monte Zuma bietet, klare Ziele und das Signal zum Aufbruch erwartet der IHK-Präsident Leicht auch von der Politik. "Wir brauchen richtige Lösungen und keine Kompromisse. Aber wir müssen die Menschen mitnehmen und ihnen genau sagen, welchen Preis sie dafür bezahlen müssen, um nachhaltige Lösungen auch umzusetzen", fordert Leicht. Das beste aus der schleswig-holsteinischen und der skandinavischen Lebenskultur dafür zu einer Welt zu sammen zu fügen, bezeichnet Leicht als "einmalige Chance".
Gleich eine dreifache Nachhaltigkeit will er mit dem Familienunternehmen Hansapark sichern: "Eine soziale Nachhaltigkeit, denn wir arbeiten mit Menschen für Menschen. Eine überregionale Nachhaltigkeit, weil der Park einen Beitrag für bessere Lebensbedingungen im Land leistet. Und eine ökonomische Nachhaltigkeit, weil es nicht um kurzfristige Gewinne, sondern eine hohe Reinvestition geht", zählt Leicht auf. "Jede Mark geht wieder in den Park" - das hat er von seinem Vater Erich Leicht gelernt. Dieser führte das 1977 eröffnete damalige Hansaland für die bekannte Wirtschafts-Dynastie der Flick-Familie. Als diese sich Ende der 1980er Jahre vom Park trennen wollte, stieg Erich Leicht als Hauptgesellschafter ein - eine Zäsur. Er investierte jährlich meist im zweistelligen Euro-Millionenbereich, die jährlichen Besucherzahlen stiegen von 700.000 auf weit über eine Million - alles ohne öffentliche Fördergelder. Wie für den Vater, so sind auch für den Sohn die Übergänge zwischen Beruf und Privatleben fließend. Im Park unterwegs zu sein, ist für Leicht keine Arbeit, sagt er: "Es ist ein Geschenk, dass eine Familie viele Familien glücklich machen kann."
(wer, shz)

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