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Minentaucher : Ein Lächeln nach zehn Kilometern in der Ostsee

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die angehenden Minentaucher aus Eckernförde haben ihren ersten Härtetest bestanden. Sie mussten zehn Kilometer mit Gepäck durch Feld und Flur laufen, zehn Kilometer in der Ostsee schwimmen und schließlich noch 50 Liegestütze machen.

shz.de von
erstellt am 30.Apr.2014 | 06:02 Uhr

Eckernförde | Kraftlos und schlecht gelaunt – so stellt man sich Menschen vor, die nach einem Zehn-Kilometer-Lauf mit zehn Kilogramm Gepäck auf dem Rücken auch noch zehn Kilometer durch die Ostsee zurückschwimmen müssen. Aber weit gefehlt: Die neun angehenden Minentaucher des Seebataillons hatten am Dienstag ein Lächeln auf den Lippen, als sie nach insgesamt acht Stunden den sportlichen Gewaltmarsch hinter sich hatten und am Strand des Marinestützpunkts ankamen – froh, die härteste Prüfung ihres Lebens hinter sich zu haben. Da gab es schließlich kein Murren, als sie noch 50 Liegestütze obendrauf legen mussten.

Für die angehenden Minentaucher war die Übung der Abschluss ihrer Freiwasserausbildung. Seit Januar sind die jungen Männer dabei, haben erst in der Halle geübt, dann im Meer. Jetzt folgen noch die Sprengausbildung und die Ausbildung im Umgang mit dem Schlauchboot. Dann dürfen sie sich ab Sommer Minentaucher nennen. Doch damit ist die Ausbildung nicht vorbei. Etwa drei Jahre dauert sie.

Doch wer es bis hierhin geschafft hat, hat gute Chancen weiterzukommen. „In diesem Lehrgang waren anfangs 20 Mann“, sagt Korvettenkapitän Mario Fink, Leiter des Ausbildungszentrums Seebataillon. „Jetzt sind es noch acht. Der neunte holt die Übung nach, weil er beim letzten Mal krank war.“ Die Ausfallquote bei den Minentauchern liegt normalerweise bei 40 bis 50 Prozent.

Allein die Anforderungen an den Körper erfüllen nur wenige. Für die Aufnahmeprüfung müssen die Bewerber unter anderem 5000 Meter in höchstens 23 Minuten laufen, 1000 Meter in höchstens 24 Minuten schwimmen, mindestens 45 Sekunden Zeittauchen bewältigen und mindestens sechs Klimmzüge im Ristgriff schaffen. Acht Minentaucher in einem Lehrgang – die Marine könnte doppelt so viel gebrauchen. „Wir konkurrieren mit den Kommandospezialkräften, der Polizei, Feuerwehr und Kampfschwimmern um die Bewerber“, sagt Mario Fink. Der demografische Wandel tut sein Übriges.

Der Abschluss der ersten Ausbildungsphase sei für ihn einer der schönsten Momente in seinem Leben gewesen“, sagte Seebataillon-Kommandeur Fregattenkapitän Arne Krüger zur Begrüßung der Anwärter. „Aber jetzt nicht übermütig werden. Man kann auch danach noch durchfallen.“

Übermütig durften erst einmal die Soldaten der Minentaucher-Kompanie werden. Nach altem Ritual mussten sich die angehenden Minentaucher nach ihrer Leistung nach vorne beugen, während alle Soldaten an ihnen vorbeigingen und jedem Neuling einen Klaps auf den Allerwertesten gaben. Nach zehn Kilometer Schwimmen und verhärteter Muskulator keine schmerzfreie Angelegenheit. Als Entschädigung gab es im Anschluss für jeden ein Glas Sekt und viele lobende Worte aus den Reihen der Kameraden.

> Die Minentaucherkompanie wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Minentaucher sind und waren überall im Einsatz, wo Minen entschärft werden müssen, auch an Land, so in Afghanistan, im Kosovo und in Bosnien. Ebenso im Atalanta- und Unifil-Einsatz am Horn von Afrika und vor der Küste des Libanon.

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