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Herbststurm : Ein Jahr nach „Christian“: Wiederaufforstung wird Jahre dauern

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Knapp ein Jahr ist es jetzt her, dass Orkan „Christian“ in den Wäldern im Norden große Schäden anrichtete. Mittlerweile sind die meisten Reviere aufgeräumt. Das Wiederaufforsten wird aber noch Jahre dauern.

Kiel | Riesige Baumstämme knicken um wie Streichhölzer. In einigen Forstrevieren im Norden steht kaum noch ein Baum. Der Orkan „Christian“ hat am 28. Oktober 2013 eine Schneise der Verwüstung auch durch Schleswig-Holsteins Wälder gezogen. Und wie sieht es jetzt, ein knappes Jahr später, in den Wäldern aus? „Inzwischen deutlich aufgeräumter als vor einem dreiviertel Jahr“, sagte der Direktor der Landesforsten, Tim Scherer.

Nur in den beiden am meisten betroffenen Revieren in Nordfriesland seien die Sturmschäden noch deutlich sichtbar. Dies habe vor allem zwei Gründe, sagte Scherer. So seien bestimmte Holzarten auf dem Markt nicht so gefragt gewesen. Und darüber hinaus war die Erde zwischenzeitlich vom Regen aufgeweicht. „Wir konnten nicht guten Gewissens auf die Böden fahren, ohne diese noch mehr zu schädigen.“ Scherer geht aber davon aus, dass auch in diesen Revieren – bis auf ein paar Kleinigkeiten – die Aufräumarbeiten bis Ende des Jahres oder Anfang 2015 abgeschlossen sein werden.

Aber auch danach werden mancherorts noch umgeknickte Bäume zu sehen sein. In erster Linie in Laubholzgebieten würden bis zu zehn Prozent des Windwurfs aus Naturschutzgründen liegen gelassen, vor allem einzelne minderwertige Bäume, sagte Scherer.

Insgesamt gehen der Forstdirektor und seine Mitarbeiter von rund 400.000 Festmeter Holz aus, die in den Landesforsten bei den schweren Stürmen im vergangenen Jahr umgestürzt sind – und zwar vor allem in sechs bis sieben Revieren. Zum Vergleich: Der reguläre Einschlag liegt bei 250.000 Festmetern pro Jahr. Auf allen Flächen. „Das zeigt eben die Brisanz“, sagte Scherer. In einige Revieren gab es auf einmal zehn- bis zwölfmal mehr Holz, als normalerweise geschlagen wird. Der reguläre Nadelholzeinschlag wurde daher für dieses Jahr eingestellt. Laubbäume würden aber noch gefällt, da es einige laufende Laubholzverträge gebe, die bis Jahresende bedient werden müssten, sagte der Chef der Landesforsten.

Und auch wenn die meisten vom Sturm umgeknickten Stämme verwendet werden können: „Der Wert ist oft geringer, als bei einem regulären Einschlag“, sagte Scherer. So gebe es mehr gebrochenes Holz oder gestauchtes, für das die Kunden nicht bereit seien, ohne Abzüge zu zahlen. Und zudem seien die Erntekosten höher, weil beispielsweise die Maschinen viel mehr beansprucht würden. Scherer geht daher von Einnahmen von ungefähr zwölf Millionen Euro aus dem Holzwurf aus.

Das Geld wird aller Voraussicht nach komplett für die Wiederaufforstung draufgehen. Insgesamt gibt es nach den Orkanen des vergangenen Jahres laut Scherer Kahlflächen von rund 900 Hektar. Also Gebiete, wo gar nichts mehr wächst. Hinzukommen noch rund 250 Hektar, die zwar nicht völlig kahl sind, aber so gelichtet, dass dort auch neue Bäume gepflanzt werden müssen, damit sie nicht völlig verwildern und nur ungewünschte Baumarten wachsen. 250 Hektar seien schon aufgeforstet, der Rest soll bis 2016 erfolgen. „Wir rechnen aktuell damit, das wir noch neun Millionen Euro brauchen werden.“

Und einen Vermögensschaden gebe es auch. „Wir haben zwar Holzmengen zurückgestellt in den restlichen Regionen, aber zukünftig wird es insgesamt schlechter.“ Scherer hofft nun auf einige Herbste und Winter ohne große Stürme. „Wenn der nächste Sturm kommt, haben wir die nächste Katastrophe“, sagte er. Er hoffe nicht, dass Klimawandel bedeute, dass sich die Schlagzahl erhöhe. „Wenn das jetzt alle drei bis fünf Jahre so kommt, dann haben wir ein Problem.“

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erstellt am 06.Okt.2014 | 07:24 Uhr

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