Homo-Ehe in Hamburg : Ein Jahr Ehe für alle: „Ein gewaltiger Schritt“

<p>Das Ehepaar Undine Maria (r) und Marion Eggers sitzt nach der Trauung im Rathaus. /Archiv</p>

Das Ehepaar Undine Maria (r) und Marion Eggers sitzt nach der Trauung im Rathaus. /Archiv

Kurz vor ihrem ersten Hochzeitstag freuen sich die ersten gleichgeschlechtlichen Eheleute über die Symbolwirkung.

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26. September 2018, 08:45 Uhr

Hamburg | Undine Maria und Marion Eggers haben sich schick gemacht für ihren großen Tag: Die beiden Frauen tragen dieselbe schwarz-weiß gepunktete Bluse und eine dezente Perlenkette, als sie sich am 1. Oktober 2017 im Hamburger Rathaus das Ja-Wort geben. An diesem Tag trat in Deutschland das Gesetz zur Ehe für alle in Kraft - und Undine Maria und Marion Eggers gehörten zu den ersten 15 gleichgeschlechtlichen Paaren in Hamburg, die sich trauen ließen.

Ein Jahr nach ihrer Hochzeit hat sich für die beiden Frauen nicht allzu viel verändert - für ihr Umfeld hingegen schon: „Für die Außenwelt war es auf einmal deutlicher als für uns, weil wir fühlten uns ja schon die ganze Zeit verheiratet“, sagt die heute 51 Jahre alte Undine Maria Eggers. Sie und ihre sieben Jahre ältere Frau hatten sich im Jahr 2000 im Zuge der so genannten Hamburger Ehe verpartnert – eine standesamtliche Eintragung ohne rechtliche Bedeutung. Ein Jahr später ließen sie ihre Beziehung als eingetragene Lebenspartnerschaft registrieren. Damit sind die beiden Frauen in guter Gesellschaft: 70 Prozent der insgesamt 800 in Hamburg vermählten homosexuellen Ehepaare hatten zuvor in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gelebt und diese nun umwandeln lassen.

Dennoch sei die „richtige“ Eheschließung im Hamburger Rathaus alleine schon aufgrund des festlichen Rahmens „etwas ganz Besonderes“ gewesen, erinnert sich Undine Maria Eggers. Die Einführung der Ehe für alle bezeichnet sie als „gewaltigen Schritt“ in Sachen Gleichstellung - auch wenn damit noch nicht alle juristischen Unterschiede zu heterosexuellen Ehen ausgeräumt sind. So sind noch immer nicht automatisch beide Partner Eltern eines Kindes, das in eine Homo-Ehe hineingeboren wird, sondern nur der leibliche Elternteil. Der Partner oder die Partnerin muss das Kind dann erst noch adoptieren. Undine Maria und Marion Eggers betrifft das nicht: Die beiden haben und planen keine gemeinsamen Kinder.

Auch Holger Riemenschneider und seinen Mann Dieter Jupe waren bereits heiratserfahren, als sie am 1. Oktober vergangenen Jahres vor den Hamburger Standesbeamten traten. Rund zwei Monate zuvor hatten sich die heute 51 und 52 Jahre alten Männer in den USA das Ja-Wort gegeben – 13 Jahre lang waren sie da schon ein Paar. Die Einführung der Ehe für alle ersparte ihnen nicht nur die Anerkennung ihrer Ehe in Deutschland, es habe sich auch „ganz gut angefühlt“, noch einmal zuhause heiraten zu dürfen, erklärt Riemenschneider.

Genau wie Undine Maria und Marion Eggers haben auch der Fotoredakteur und der Führungskräfte-Coach bislang keine ihrer neuen gesetzlichen Rechte als Eheleute in Anspruch genommen – auf symbolischer Ebene habe sich jedoch einiges verändert, erklärt Riemenschneider: „Wenn man jetzt sagt 'Mein Mann' ist das doch ein anderer Ausdruck als wenn man sagt 'Mein Freund'.“ Darüber hinaus signalisiere die Ehe für alle auch nach außen, dass zwei verheiratete Männer oder Frauen keine „Ehepaare zweiter Klasse“ seien.

Dennoch habe er im Angesicht der Erfolge rechter Parteien und Bewegungen wie der AfD zuweilen Angst, dass die tolerante Stimmung gegenüber Schwulen und Lesben in Deutschland irgendwann wieder kippen könnte, erklärt Riemenschneider. Die Errungenschaften für homosexuelle Paare müssten unbedingt aufrecht erhalten werden. Dafür sei es wichtig, „dass wir aufstehen und uns sichtbar machen“.

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