Christiane Gräfin zu Rantzau : "Ein großer Name kann Türöffner sein"

Christiane Gräfin zu Rantzau vor  ihrem  Zuhause  auf Gut Rastorf mit den malerischen Hofgebäuden aus Rotklinker. Foto: Wörlitz
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Christiane Gräfin zu Rantzau vor ihrem Zuhause auf Gut Rastorf mit den malerischen Hofgebäuden aus Rotklinker. Foto: Wörlitz

Christiane Gräfin zu Rantzau beweist, dass der Adel mehr kann als nur segeln, golfen und Champagner schlürfen.

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27. Oktober 2008, 05:10 Uhr

Im roten Salon von Schloss Callenberg (Franken) herrscht Enge. Hausherr Hubertus Erbprinz von Sachsen-Coburg-Gotha und Christiane Gräfin zu Rantzau haben zur Kronjuwelen-Schau eingeladen, und über 150 Kunstfreunde bestaunen die funkelnde Pracht: Kronen, Diademe und Colliers, alles detailgetreue Repliken, oft schöner als die Originale. Dazu gibt es einen Vortrag über "Englands Glanz und Gloria", schließlich ist der Gastgeber nicht nur eng mit der Queen, sondern mit fast allen Dynastien Europas verwandt.

Für Christiane Gräfin zu Rantzau ist solch ein Geschäftstermin ideal, um Kundenkontakte zu pflegen, auch wenn ein Wochenende dafür geopfert werden muss. Dass es bald darauf nach Paris geht zur Versteigerung von Orléans-Juwelen und von dort weiter nach London, ist für sie Arbeitsalltag. Seit sie zur Geschäftsleitung von Christies Deutschland und dazu noch zur Europa-Direktion des Auktionshauses gehört, leitet sie nicht nur die Hamburger Niederlassung des Unternehmens, sondern ist auf internationalem Parkett tätig, verhandelt mit Einlieferern, schätzt Kunstgegenstände. Mehr als ein Fulltimejob.

Abitur in Louisenlund

Dass der Adel am liebsten segelt, auf den Golfplatz geht und sich von einem Butler Champagner kredenzen lässt, hält Christiane zu Rantzau für eine Märchenwelt, in Szene gesetzt von der Regenbogenpresse oder von TV-Magazinen. Sie selbst hat sich ihre berufliche Position hart erarbeitet. Nach dem Abitur im Internat Louisenlund (Güby/Schlei) ließ sie sich in München zur Dolmetscherin ausbilden, arbeitete dann im Münchner Auktionshaus Neumeister, besuchte Kunstkurse in London und stieg 1984 bei Christies ein - erst in München, dann in Hamburg.

Seit 1999 besitzt Christiane Gräfin zu Rantzau die Auktionatorenlizenz, die sie häufig auch für Benefizveranstaltungen nutzt: "Ich habe für Königin Silvias Childhood-Foundation versteigert und für die Organisation Power Child von Veronika Ferres. Das hat richtig Spaß gemacht." Und - die nächste Prominente wartet schon: Eva Luise Köhler. "Am zweiten Advent werde ich am in Berlin für die Achse, ein Hilfswerk, das unsere Bundespräsidentengattin unterstützt, Spendengelder mobilisieren", kündigt die Gräfin an.
Adelstitel als Aushängeschild

Große Auktionshäuser setzen oft auf Adelstitel als Aushängeschild. Gräfin Rantzau weiß das: "Ein großer Name kann durchaus ein Türöffner sein", gibt sie zu. "Aber wenn ich mich dann unprofessionell verhalte, also indiskret bin und wenig Sachverstand zeige, fällt die Tür genauso schnell wieder zu." Kein Blaublut-Bonus also am Arbeitsplatz.

Privat dagegen schon: Wenn Christiane Gräfin zu Rantzau abschalten will, nutzt sie ihre Wohnung im elterlichen Herrenhaus auf Gut Rastorf bei Preetz - so schön wohnt nur der Adel. Rastorf ist eine Welt für sich, zwischen Wald und Wiesen, ein Anwesen, das schon im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde und, von kleinen Unterbrechungen abgesehen, seit über 600 Jahren den Rantzaus gehört, einer Familie, die zum holsteinischen Uradel zählt, aus der, Statthalter der dänischen Könige, Diplomaten und Politiker hervorgingen.

Architektonisch gehört Rastorf zu den Vorzeige-Gütern Schleswig-Holsteins, dank der schmucken Hofgebäude im spätbarocken Stil. Sie wurden, ebenso wie das klassizistisch anmutende Herrenhaus, im zweiten Weltkrieg durch Bomben beschädigt, dann aber durch Christianes Vater Kuno Graf zu Rantzau mit hohem Aufwand und Liebe zum Detail wieder aufgebaut.

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