Spurensuche : Ein Flensburger brachte Beethoven nach Japan

Ober-Hoboistenmaat Hermann Richard Hansen aus Flensburg. Foto: sh:z
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Ober-Hoboistenmaat Hermann Richard Hansen aus Flensburg. Foto: sh:z

Ode an die Freude: Ein Flensburger war es, der 1918 die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven in Japan uraufführte. Ein Landsmann begab sich auf Spurensuche

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28. Juni 2008, 08:20 Uhr

Flensburg | Der Flensburger Uwe Bürger und Hiroshi Fujii aus Osaka haben eines gemeinsam: Sie vertiefen sich schon seit Jahren in Studien über das Schicksal deutscher Gefangener, die kurz nach Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 an zwölf verschiedenen Orten in Japan interniert wurden. 5000 Soldaten waren seinerzeit nach der Kapitulation der deutschen Garnison Tsingtao gefangen genommen wurden. Einer davon: Ober-Hoboistenmaat Hermann Richard Hansen aus Flensburg.

Hiroshi Fujii hat die Spur aufgenommen und ist aus seiner Heimat eigens nach Flensburg gekommen, um vor Ort die Lebensstationen des in Japan inzwischen populären Dirigenten nachzuvollziehen. Kompetente Hilfe war ihm gewiss: Der Historiker Dr. Dieter Pust und der pensionierte Marineoffizier Uwe Bürger, der eine Arbeit über die deutschen Kriegsgefangenen in Japan verfasste, begleiteten den japanischen Journalisten bei einem Rundgang durch die Fördestadt.
"Und die Neunte ist so etwas wie unsere zweite Nationalhymne"

"Die Uraufführung der Sinfonie ist bei uns unter vielen anderen Aufführungen, die es gegeben hat, die berühmteste", sagt Hiroshi Fujii. Beethoven ist in Japan schwer angesagt. "Und die Neunte", so Fujii, "so etwas wie unsere zweite Nationalhymne." Sie wird in vielen Städten regelmäßig zu den Neujahrsfeierlichkeiten angestimmt.

Fujii hat in Deutschland einige noch lebende Angehörige der Gefangenen besucht. Im Falle von Hermann Richard Hansen sind keine bekannt oder zu Auskünften bereit.

Der Musiker wurde am 26. November 1886 in Glücksburg geboren, er starb früh - am 13. März 1927 in der Duburger Straße 76, wo auch die exzentrische Schauspielerin und Autorin Emmy Ball-Hennings wirkte. Die letzten sieben Jahre vor seinem Tod arbeitete er als Stadtsekretär. Musikalisch engagiert war er als Dirigent des Gesangvereins "Phönix", dessen Vereinslokal sich in der Friesischen Straße befand. Dieses Haus suchte das Trio ebenso auf wie die Wohnhäuser in der Waldstraße oder die Marienkirche, wo Hansen konfirmiert wurde.
"Möge Ihm die Erde leicht werden"

Naruto, erzählt Hiroshi Fujii, hat sich inzwischen zu einer Art Art Wallfahrtsort entwickelt. Prospekte, Fahnen und mehr künden von dem Ereignis, dass Hermann Hansen als erster Dirigent überhaupt Beethovens Neunte in Japan zu Gehör brachte. Die vielen Ausgaben der Gefangenenzeitund "Die Baracke" sind ins Japanische übersetzt, das Lagerleben mit Bruno Ganz in der Hauptrolle verfilmt worden.

Nach dem Tod Hansens hieß es im Protokoll des Gesangvereins: "...erreichte uns die unfaßbare Nachricht, daß unser, von uns allen als Mensch und Sänger hochgeschätzte Dirigent (...) an den Folgen einer schweren Operation, im besten Mannesalter von 40 Jahren, mitten aus seinem reichen Schaffen, von uns gegangen ist. Kaum 2 Jahre hat er unserem Klub als gesanglicher Leiter angehört, und doch in dieser kurzen Zeit Zeugnis von vielseitigem Können, und ungewöhnlichen musikalischen Fähigkeiten abgelegt. (...) Am Mittwoch (...) haben wir Ihn unter den gedämpften Klängen der Militärkapelle zur letzten Ruhe geleitet, und Ihm am offenen Grabe ein Abschiedslied gesungen. Möge Ihm die Erde leicht werden."


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