Spätabtreibungen : "Ein Embryo ist doch kein Mensch"

Asja Huberty (22) in der Lübecker Bürgerschaft. Sie sorgt mit umstrittenen Thesen zu Spätabtreibungen für Aufsehen, stellt menschliche Embryos auf eine Stufe mit Pflanzen und Kaulquappen.  Foto: Maxwitat
Asja Huberty (22) in der Lübecker Bürgerschaft. Sie sorgt mit umstrittenen Thesen zu Spätabtreibungen für Aufsehen, stellt menschliche Embryos auf eine Stufe mit Pflanzen und Kaulquappen. Foto: Maxwitat

Eklat um Asja Huberty vom Landesvorstand der Linken: Sie stellt ungeborenes Leben auf eine Stufe mit Kaulquappen, verteidigt so Spätabtreibungen.

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11. September 2009, 07:07 Uhr

Lübeck | Für einen handfesten Skandal ist die Linkspartei in Lübeck immer gut. Während im Bund eloquente Leute wie Lafontaine und Gysi erfolgreich um Stimmen werben, wird an der Trave schon mal Stalins Geburtstag gefeiert, werden unliebsame Internet-Seiten lahmgelegt, wird um innerparteiliche Beschimpfungen übelster Sorte gezankt. In diese Reihe gesellt sich jetzt die Bürgerschaftsabgeordnete Asja Huberty mit einem Essay, in dem sie ungeborene Kinder mit Kaulquappen gleicht - und damit ihre Partei weit über die Stadtgrenzen hinaus bloßstellt.
Asja Huberty, Mitglied im Landesvorstand der Linkspartei Schleswig-Holstein, gilt als Hard linerin. Hundesteuer, Rauchverbot in Kneipen, Fußgängerzonen - seit die 22 Jahre alte, gerade fertig ausgebildete Bürokauffrau 2008 als jüngstes Mitglied in die Lübecker Bürgerschaft einzog, sind die Themen ihrer Voten ungezählt. Vor gut zwei Monaten nahm sie sich die Novelle des Spätabtreibungsgesetzes in einem Aufsatz vor, in dem sie sich gleich zu Beginn in Formulierungen verstieg wie: "Ein Embryo/Fötus befindet sich in einem Zustand der Dämmerung, etwa vergleichbar mit dem unbewussten Gefühlsleben einer Pflanze. Er ist kein Individuum und befindet sich im besten Falle auf der evolutionären Stufe einer Kaulquappe, aber ganz sicher nicht mit einem Menschen, auch wenn er - rein ontologisch betrachtet - aufgrund seines potentiellen Menschseins der Kategorie Mensch zugeordnet werden muss. Ein Schwangerschaftsabbruch kann demnach niemals als Mord bezeichnet werden, da schlicht niemand ermordet wird. Punkt." Es folgen weitere Exkursionen in Bereiche wie "Babyfetischismus, Leibeigenschaft und Kinderkult". Ein kruder Text, am untersten Saum von Logik und Bildung.
Doch statt geräuschlos entsorgt zu werden, landete das Werk auf der Internetseite der Landespartei und tröpfelte von dort als Steilvorlage in die Zentralen der politischen Mitbewerber. Die FDP wertet die Thesen als "provokativ und bösartig", für die Wählergemeinschaft "Bürger für Lübeck" ist "jede Basis der Kommunikation dahin", die Grünen sehen "extreme Entgleisungen", aus der CDU wird zur Isolierung der Linken in der Bürgerschaft aufgerufen. Dazu sieht die ebenfalls Huberty-kritische SPD allerdings keinen Grund, weil es "keine Zusammenarbeit mit den Linken" gebe. Auch Antje Jansen, Linken-Fraktionschefin und -Spitzenkandidatin, distanziert sich von den Huberty-Thesen: "Das ist nicht die Meinung der Linken" und habe im Übrigen auch nicht auf der Kreis-, sondern auf der Landesseite gestanden.
Die Autorin ist abgetaucht
Das wiederum weist auf den inneren Zustand der Partei, in der Kreis- gegen Landesebene und in Lübeck jeder gegen jeden feuert. "Die Partei gibt ein desolates Bild ab", räumte Jansen bereits im Juli ein, als Nils Freiheit von einem Genossen antisemitisch beschimpft worden sein wollte. Davor legte der Bundestagsabgeordnete und frühere Stasi-Mitarbeiter Lutz Heilmann den Internet-Auftritt von wikipedia.de lahm, weil er sich unkorrekt wiedergegeben sah. Und davor hatte sich Fraktionsgeschäftsführer Ragnar Lüttke bei einer "satirischen" Fete zu Stalins Geburtstag fotografieren lassen.
Heilmann und Lüttke sind sich im Übrigen spinnefeind, was den Skandal-Transport an die Öffentlichkeit jeweils beförderte. Asja Huberty wiederum ist eine der schärfsten Heilmann-Kritikerinnen. Ihr Aufsatz ist - mit ihrem Einverständnis, heißt es - von der Internet-Seite verschwunden, die Autorin abgetaucht.

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