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Synode der Nordkirche : Ein Chauffeur und Gleichberechtigung

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Für den Präses der Nordkirche soll eine Fahrer-Stelle geschaffen werden. Begründet wird dies unter anderem mit Tietzes Amt als Abgeordneter im Kieler Landtag. Und: Frauen und Männer sollen bei Stellenausschreibungen gleichberechtigt werden.

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erstellt am 21.Sep.2013 | 18:35 Uhr

Travemünde | Der Synodenpräses der Nordkirche, Andreas Tietze, hat den Plan verteidigt, dass eine 450-Euro-Stelle für einen Fahrer des Synodenpräses geschaffen werden soll. Für sein Ehrenamt in der Nordkirche müsse er weite Strecken in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zurücklegen, sagte Tietze auf der in Lübeck-Travemünde tagenden Landessynode.

Sein ehrenamtliches Arbeitspensum für die Synode belaufe sich auf 70 bis 90 Stunden pro Monat, erklärte Tietze weiter. Insbesondere bei Terminen in Mecklenburg-Vorpommern seien Kirchentermine nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen, da er in der Regel noch am selben Tag die Rückreise antreten müsse. Das erfordere auch sein politisches Amt als Landtagsabgeordneter der Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag. Zunächst werde sein Privatfahrzeug vom künftigen Fahrer genutzt. Bei der möglichen Anschaffung eines Fahrzeug werde jedoch auf Bescheidenheit und Nachhaltigkeit im Blick auf die Klimabilanz geachtet.

Über die Fahrerdiskussion hinaus - sie nahm lediglich 15 Minuten ein - hat die Synode der Nordkirche ehrgeizige Ziele vorgegeben und will ernst mit der Gleichberechtigung von Männern und Frauen machen. Künftig sollen Frauen mit Förderprogrammen gezielt auf kirchliche Leitungspositionen vorbereitet werden, heißt es in einem Gesetz zur Geschlechtergerechtigkeit, das die Synodalen heute in zweiter Lesung beschlossen. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse die Kirche künftig stärker in den Blick nehmen, sagte Synodenpräses Andreas Tietze.

Das Gesetz regelt unter anderem, dass bei Bewerbungen künftig Familienzeiten in den Biografien von Frauen und Männern als Qualifikationskriterium anerkannt werden. Außerdem soll bei gleicher Eignung derjenige Bewerber eingestellt werden, dessen Geschlecht in dem betreffenden Arbeitsbereich unterrepräsentiert ist.

Zu Beginn ihrer Tagung hatten die 156 Synodalen, die rund 2,3 Millionen evangelische Christen von Sylt bis Usedom repräsentieren, am Donnerstag über Themenschwerpunkte ihrer Arbeit bis 2018 diskutiert. Dabei hätten sich die Themen „Schöpfung“, „Gerechtigkeit“ und „Frieden“ herauskristallisiert, sagte der Organisator dieses Prozesses, Redlef Neubert-Stegemann. Neben jährlichen Themensynoden soll es künftig auch Studientage für die Synodalen zu einzelnen Themenkomplexen geben.

Zum Abschluss verabschiedete das Gremium eine Erklärung zum 75. Jahrestag der Nazi-Pogrome in Deutschland im November 1938. Darin bekundet die Landessynode ihre Scham darüber, „dass auch die ehemaligen Landeskirchen im Bereich der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland zur Ausgrenzung, Diskriminierung, Vertreibung und schließlich Ermordung ihrer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger weithin geschwiegen haben, dass sie die Gewalt teilweise sogar billigten und sich durch eigene rassistische Rechtssetzung schuldig machten.“

Bereits am Freitag hatte die Synode mit überwältigender Mehrheit eine Erklärung verabschiedet, in der sie eine neue europäische Flüchtlingspolitik fordert. Darin wird auch die Evangelische Kirche in Deutschland aufgefordert, sich den Forderungen der Nordkirche anzuschließen, um eine Änderung der europäischen Flüchtlingspolitik voranzutreiben.

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