Zeitungszusteller : Ehrentag für die Zuverlässigen

Elf der 24 geehrten sh:z-Zusteller waren trotz des winterlichen Wetters nach Molfsee gekommen, um die Glückwünsche von sh:z-Geschäftsführer Christian Arbien (3. v. l.), dem Vorsitzenden des  Verbands der Zeitungsverlage Norddeutschlands A. Ashgar Azmayesh (hinten Mitte) und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen ( 3. v. r.) persönlich entgegenzunehmen. Foto: Ruff (2)
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Elf der 24 geehrten sh:z-Zusteller waren trotz des winterlichen Wetters nach Molfsee gekommen, um die Glückwünsche von sh:z-Geschäftsführer Christian Arbien (3. v. l.), dem Vorsitzenden des Verbands der Zeitungsverlage Norddeutschlands A. Ashgar Azmayesh (hinten Mitte) und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen ( 3. v. r.) persönlich entgegenzunehmen. Foto: Ruff (2)

Verdiente Zusteller sind im historischen Drathenhof in Molfsee ausgezeichnet worden. Ministerpräsident Carstensen lobte: "Ihre Arbeit ist aller Ehren wert."

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02. Februar 2012, 08:51 Uhr

Molfsee | Eine gewisse Unruhe beschleiche ihn schon, wenn morgens einmal keine Zeitung im Briefkasten stecke, gab Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) zu. Glücklicherweise sei das aber kaum einmal der Fall, denn Zeitungsausträger seien in der Regel höchst pflichtbewusste Menschen - besonders diejenigen, zu denen Carstensen am Mittwoch im historischen Restaurant Drathenhof in Molfsee sprach. Dort ehrte er nämlich 40 Zustellerinnen und Zusteller aus Schleswig-Holstein - davon 24 vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z)-, die bereits seit 20, 25 oder sogar 30 Jahren ununterbrochen jeden Morgen Tageszeitungen austragen.
Einer von ihnen ist Hans-Joachim Petersen aus Leck. Er ist seit September 1981 Zusteller des Nordfriesland Tageblatts in Leck. "Ich mache es immer noch gern", sagt der 51-Jährige und freut sich besonders über ungewöhnliche Beobachtungen am Nachthimmel. "Wie zum Beispiel 1999: Da wurde es für mehrere Sekunden taghell. Ich vermute, dass es ein großer Meteor war. Leider war es bedeckt. Aber es war ein Erlebnis, das nicht viele hatten."
"Auch bei Regen, Hagel oder Schnee"
"Sie verkörpern Zuverlässigkeit - auch bei Regen, Hagel oder Schnee", sagte der Vorsitzende des Verbands der Zeitungsverlage Norddeutschlands (VZN) und ehemalige Sprecher der Geschäftsführung des sh:z, A. Asghar Azmayesh zu den Geehrten. "Die Menschen vertrauen dem geschriebenen Wort, das kann kein anderes Medium ersetzen." Und als die gegenüber den Lesern "personifizierte Tageszeitung" seien die Zusteller eine wichtige Stütze der Demokratie - "sie haben allen Grund dazu, stolz zu sein", sagte Azmayesh.
Carstensen, der bei den Landtagswahlen im Mai nicht mehr als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten antritt, übernahm in diesem Jahr zum letzten Mal persönlich die Ehrung derjenigen Zusteller, die bereits 30 Jahre und mehr in Diensten ihrer Lokalzeitung stehen. "Ich habe dies immer gern gemacht. Diesen Termin sehe ich nicht als Pflichttermin, denn Ihre Arbeit ist aller Ehren wert."
Carstensen "Genussleser der Tageszeitungen"
Carstensen bezeichnete sich selbst als "Genussleser der Tageszeitungen in unserem Land, die eine ausgezeichnete Qualität haben". Darüber hinaus seien ihm als iPad-Fan einige Eigenschaften aufgefallen, die das bedruckte Papier der Elektronik voraus habe: "Wenn ich am Frühstückstisch meinen Kaffee umkippe, kann die Zeitung das eindeutig besser vertragen." Zudem könne man sich, ebenfalls am Frühstückstisch, hinter einer ausgefalteten Zeitung verstecken, sollte einmal der Haussegen schief hängen.
Wer mehr als 20 Jahre lang sechsmal in der Woche nachts oder frühmorgens aufsteht, hängt an seinem Job. Seit 1992 macht Monika Schulze genau das. Die 56-Jährige trägt das Flensburger Tageblatt in Timmersiek und Unaften aus - und profitiert dabei gleich in zweierlei Hinsicht: "Für mich ist das Zeitungaustragen ein gutes Training." Schulze ist seit zehn Jahren passionierte Marathonläuferin, im vergangenen Jahr hat sie elf mitgemacht. Und bekannte Marathons gibt es auf allen Kontinenten - "für die Reisen dahin kann ich das Gehalt als Zustellerin gut gebrauchen". In Australien, New York und Boston war sie schon dabei, im Mai geht es nach Chicago. Bleibt nur noch ein großes Ziel: "Kapstadt in Südafrika wäre noch ein Traum von mir."
Dass die Bewegung ihr gut tut, merkt auch Doris Bernhard (53) aus Schenefeld (Kreis Steinburg). "Die Schenefelder sind Frühaufsteher", ist ihre Erfahrung. Manche stehen schon in der Tür wenn sie zwischen vier und fünf Uhr morgens kommt und freuen sich auf ihre Zeitung. "Und bis auf einen Sturz ist mir in den 20 Jahren nie etwas passiert", sagt sie.

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