Elite-Soldaten : Eckernförder Kampfschwimmer – Die Besten der Welt

Blasenfrei Tauchen:  Dank des bei Dräger in Lübeck entwickelten Kreislaufgerätes.
1 von 4
Blasenfrei Tauchen: Dank des bei Dräger in Lübeck entwickelten Kreislaufgerätes.

Die Kampfschwimmer sind die älteste Spezialeinheit der Bundeswehr. Seit 50 Jahren werden sie in der Luft, an Land und vor allem im Wasser eingesetzt. Die kleine, exzellent ausgebildete Eliteeinheit aus Eckernförde trainiert regelmäßig mit den U.S. Navy Seals.

Avatar_shz von
30. März 2014, 09:23 Uhr

Eckernförde | Für den neuen Bataillonskommandeur, Fregattenkapitän Jörg Buddenbohm, werden es übermorgen gerade mal 20 Schritte vorwärts sein – beim Aufstellungsappell von der Spitze der Truppe hin zum Kommandierenden. Für seine Soldaten ist es ein gewaltiger Satz. Am 1. April werden die bisherigen „Spezialisierten Einsatzkräfte Marine“ (SEKM) aufgelöst und zwei neue Einheiten der Bundeswehr aufgestellt. Im Seebataillon werden unter Führung des Kieler Fregattenkapitäns, Arne Krüger, die Marineschutzkräfte, Minentaucher und Boarding-Soldaten in einer etwa 800-Mann starken Einheit zusammengefasst. Die rund 130 Elitesoldaten der Kampfschwimmer-Kompanie bilden dann als ebenfalls eigenständiges Bataillon das „Kommando Spezialkräfte der Marine“ (KSM). Der neue Chef, Jörg Buddenbohm, ist selbst ausgebildeter Kampfschwimmer und sieht durch die neue Struktur eine gewaltige Aufwertung der Spezialkräfte. Die Kampfschwimmer sind die älteste Spezialeinheit der Bundeswehr. Seit 50 Jahren werden sie in der Luft, an Land und vor allem im Wasser eingesetzt.

Seit der Wiedervereinigung hat sich das Einsatzspektrum in den Krisengürtel verlagert. Ihr Aufgabengebiet ist weit gefächert und umfasst vor allem Kommandoeinsätze – im Zuge küstennaher Kriegführung wie es das Militärdeutsch umschreibt. Für die Soldaten heißt dies in erster Linie, ganz andere Entfernungen zum Einsatzort, andere Klimazonen und ständig steigende Anforderungen durch immer komplexere Waffensysteme und Anforderungen. Gut 80 Prozent der Kampfschwimmer-Einsätze finden heute an Land statt, oft dient das Wasser nur als „Transportmittel“. Da sind die Eckernförder allerdings unschlagbar, mit ihren fast blasenfreien Kreislauf-Atemgeräten können sie unerkannt Entfernungen von über zehn Kilometern mit voller Kampfausrüstung überwinden.

Die Anforderungen sind hart, aber Dank des Wegfalls der Wehrpflicht haben die Kampfschwimmer einen gleichbleibenden Zuspruch an Bewerbern. Allerdings, so Fregattenkapitän Buddenbohm, kommen die jungen Männer und Frauen heute deutlich besser informiert und auch besser vorbereitet nach Eckernförde: „Das zeigt sich insbesondere an den Durchfall- oder Abbrecherquoten, die zu meiner Zeit noch bei 90 bis 95 Prozent lagen. Heute steigen nur 60 bis 70 Prozent der Lehrgangsteilnehmer aus.“ Auch heutige Ausbildungselemente – die eher beim Heer zu vermuten wären, wie die Lehrgänge Bergsteigen und Kampf im Gebirge bei den Gebirgsjägern oder das Gefechtsschießen bei der Spezialeinheit der Bundespolizei GSG 9 – überraschen keinen der Lehrgangteilnehmer mehr. Gut die Hälfte der Kampfschwimmer kommt ursprünglich vom Heer.

Mehr als drei Jahr dauert die Ausbildung, die durchaus mit der der US-Navy Seals mithalten kann, schließlich hospitiert mindestens immer ein US-Ausbilder in Eckerförde und ein Kampfschwimmer bei den Marines in Übersee. Die Amerikaner haben nach Einschätzung von Buddenbohm große Vorteile in der strategischen Vorbereitung und auch der gesamten Unterstützung von Spezialoperationen. Dazu käme deren große Einsatz- Erfahrung. Bei der Ausbildung des einzelnen Soldaten sieht das allerdings anders aus. Die Amerikaner haben ungefähr 66.000 Mann bei den Spezialkräften. „Da wird natürlich im Durchschnitt nicht das Niveau unserer kleinen Verbände erreicht, auch wenn natürlich die US-Streitkräfte Spitzeneinheiten haben“, so der Fregattenkapitän. Mit der neuen Struktur ändert sich für den Kampfschwimmerchef nicht alles: „Letztendlich ist für mich wichtig, dass die Jungs ihre Aufgabe auf höchstem Niveau erfüllen können. Das bleibt weiterhin so.“

Ebenso wie die Verbindung zum französischen „Commando Hubert“. Frankreich hat eine große Kampfschwimmertradition. Der Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau war im Zweiten Weltkrieg als Marineoffizier wesentlich am Aufbau der französischen Kampfschwimmer beteiligt, entwickelte das erste militärisch genutzte Tauchgerät. Die ersten Kampfschwimmer der Bundeswehr absolvierten ihren Lehrgang von Januar bis Juli 1959 an der Tauchschule der französischen Kampfschwimmer in St. Mandrier. Danach wurden die Kampfschwimmer in der Marinekaserne Sylt ausgebildet, bevor die Truppe in den heutigen Standort nach Eckenförde verlegt wurde.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen


Nachrichtenticker