Entscheidung der Ratsversammlung : ECE-Center in Neumünster wird gebaut

Hinter der katholischen St. Vicelin-Kirche bis zum Gänsemarkt soll sich die neue Holsten-Galerie erstrecken. Foto: ECE
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Hinter der katholischen St. Vicelin-Kirche bis zum Gänsemarkt soll sich die neue Holsten-Galerie erstrecken. Foto: ECE

Neumünster hat entschieden: Die geplante Holsten-Galerie im Zentrum wird gebaut. Die Abstimmung am Dienstagabend in der Ratssitzung fiel mit 22:20 denkbar knapp aus.

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21. März 2013, 09:30 Uhr

Neumünster | Sogar das Alphabet erhöhte die Spannung noch: Zwar hatte SPD-Fraktionschef Andreas Hering schon angekündigt, dass sein Kollege Hans-Werner Zahnow für das Einkaufszentrum stimmen werde, aber gleichwohl mussten alle Ratsmitglieder und die 55 Zuhörer auf der Tribüne bei der Abstimmung bis zum vorletzten Namen warten. "Ratsherr Zahnow" rief Stadtpräsident Friedrich-Wilhelm Strohdiek - und der antwortete mit "Ja". Damit war die Entscheidung mit 22:20 Stimmen gefallen. Die Einkaufsgalerie kann gebaut werden.

Am Montagabend hatte Zahnow seinen Fraktionskollegen mitgeteilt, dass er in der Ratssitzung für das Center stimmen werde - abweichend von der Vorgabe des SPD-Parteitages, der sich mit großer Mehrheit dagegen ausgesprochen und damit der Rathausfraktion das Votum vorgegeben hatte. Der Zahnow-Plan hatte sich längst im Rathaus herumgesprochen, als Strohdiek am Dienstag um 17.01 Uhr die Sitzung eröffnete.

"Wir müssen zu einem Befreiungsschlag ausholen"

Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras hatte den Antrag eingebracht und noch einmal für das Center geworben. "In den letzten Jahrzehnten mussten wir mit ansehen, wie unsere Innenstadt immer mehr an Attraktivität verliert. Es gibt immer weniger Fachgeschäfte wie Hagge, Lorenz, Rieckmann. Wir wollen und müssen die Zeit der Konzeptionslosigkeit und Tatenlosigkeit beenden und zu einem Befreiungsschlag ausholen", sagte Tauras. Die Mehrheit der Bürger wolle ein solches Center, es sei der richtige Plan, und für einen anderen Standort, zum Beispiel am Großflecken, gebe es nun einmal keinen Investor. Er appellierte an die Ratsmitglieder, besonders "an Sie, liebe aufrechte Sozialdemokraten: Sie sind dem Wohl der Stadt gegenüber verantwortlich und nicht Ihrer Partei". Für diese Spitze musste er einige Kritik einstecken.

Andreas Hering kritisierte den Standort Sager-Viertel als falsch. Seine Fraktion sei nicht gegen ein Einkaufszentrum, aber dort werde es "verheerende Auswirkungen haben: Ganze Lagen werden wegbrechen, Geschäfte müssen aufgeben oder ziehen ins ECE-Center." Die Stadt müsse selber eine Stadtentwicklung betreiben und dürfe sie nicht an Investoren delegieren. "Das Center ist keine Bereicherung für die Innenstadt, sondern ihr letzter Sargnagel."

CDU-Sticheleien gegen SPD

Sabine Krebs (CDU) verteidigte die Holsten-Galerie als "eine riesige Chance für die Dienstleistungsbranche und die gesamte Entwicklung" der Stadt. Es sei allerhöchste Zeit, den Ansiedlungen in Kaltenkirchen, Kiel, Schwentinental und Lübeck eine weitere Attraktion entgegenzusetzen. "Auch für den Verkehr liegen verschiedene Lösungsansätze auf dem Tisch", sagte sie und stichelte gegen die SPD: "Über die Gründe Ihrer Ablehnung brauche ich gar nicht lange zu philosophieren: Kommunalwahl, Bundestagswahl, Oberbürgermeisterwahl!"

FDP-Fraktionschef Stefan Kommoß sagte, er wisse, dass viele im Saal Bauchschmerzen mit der Entscheidung hätten, und er teile sie sogar. "Viele hätten sich ein modernes Einkaufszentrum am Standort Karstadt gewünscht. Aber wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass das nicht realisierungsfähig ist." Die Vorteile der Galerie seien sehr groß, denn schließlich erhalte man mit der Unterstützung der Investoren ein schlüssiges Verkehrssystem für die Innenstadt.

Klage von Geschäftsleute möglich

Jörn Seib (Bündnis für Bürger) nahm die Pläne ausführlich auseinander. Er erinnerte an die Einwohnerversammlung, auf der vor Jahren 90 Prozent von rund 1000 Bürgern sich für den Standort Großflecken ausgesprochen hätten. "Was ist aus diesem Votum geworden? Davon redet niemand mehr!" Er sieht die Stadt vor dem Verkehrskollaps, befürchtet finanzielle Risiken für die Stadt und hat "große Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens: Es haben sich eine Reihe von Geschäftsleuten bereits für eine Klage in Stellung gebracht."

Thomas Krampfer und Michael Schaarschmidt von den Grünen trugen die Begründung für ihre gegensätzlichen Voten vor. Krampfer sah zu viele Umverteilungen auf den Einzelhandel zukommen, während Schaarschmidt neue Impulse für den Handel erwartet; er sah in der Summe mehr positive als negative Effekte.

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