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Cannabis : Drogen-Anbau im Norden blüht

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Die Schleswig-Holsteiner züchten vermehrt Cannabispflanzen. Hoher Wirkstoffgehalt birgt Gefahren.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 10:43 Uhr

Kiel | Der Trend geht zur Plantage. Immer mehr Schleswig-Holsteiner bauen Cannabis in extra dafür erstellten Indoor-Zuchtanlagen an. Das bestätigt Mathias Engelmann, Leiter der Dezernats Organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt Schleswig-Holstein. "Den Trend gab es früher in anderen Staaten, seit etwa zehn Jahren beobachten wir das auch verstärkt in Schleswig-Holstein."
Die Folge: Durch die abgeschlossenen Zuchtbedingungen beinhalten die selbst gezüchteten Pflanzen einen höheren Gehalt des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC). "Deshalb spreche ich bei Cannabis nicht mehr von einer weichen Droge", sagt Engelmann. Früher lag der THC-Gehalt bei wenigen Prozenten, heute im Schnitt bei über zehn. "Das gilt in Konsumentenkreisen als guter Stoff", erklärt Christian Scholz von der Landesstelle für Suchtfragen. Durch den Fortschritt der Technik sei es heute leichter und kostengünstiger geworden, Marihuana anzubauen. "Anleitungen mit Fotos und Videos finden sich binnen kürzester Zeit im Internet", so Scholz. Keine illegale Droge werde so häufig konsumiert wie Cannabis. Und: "Je stärker der THC-Gehalt, desto stärker die Wirkung, aber auch die mögliche Abhängigkeit." Wer in den 60er Jahren Hasch geraucht habe, könne das nicht mehr mit der Wirkung des Marihuanas vergleichen, das heute auf dem Markt ist, sagt Engelmann. Das Kiffen sei vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen verbreitet.

Kiffen kann dumm machen


Prof. Dr. Rainer Thomasius vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ist Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters und erklärt, warum Jugendliche besonders gefährdet sind: "Junge Menschen, die mit 14 oder 15 Jahren in den Cannabisgebrauch einsteigen, bleiben in ihrer psychosozialen Entwicklung auf dem Niveau stehen, auf dem sie sich bei Beginn des regelmäßigen Cannabisgebrauchs befanden." Die Gefahr von Schulabbrüchen steige. Die Jugendlichen seien oft demotiviert, die Gedächtnisleistung lasse nach, Studien zeigten sogar, dass der IQ-Wert durch regelmäßiges Kiffen sinken kann.
Auch die Zahl der entdeckten Drogenvergehen auf Schulhöfen im Norden steigt laut Kriminalstatistik. Die Dunkelziffer sei hoch, sagt Engelmann. Es sei "illusorisch" zu glauben, dass auf Schulhöfen keine kleinen Deals stattfinden. "Diese illegale Droge ist so verbreitet, dass jeder Jugendliche damit irgendwann in Berührung kommt." Die Polizei könne zwar durch mehr Fahnder mehr Taten aufklären, aber Drogen gebe es immer noch genug. "Wir können Tonnen sicherstellen, der Preis auf dem Markt bleibt gleich."
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