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Turnhalle statt Studentenbude : Doppelter Abi-Jahrgang in SH: Studentenwerk fürchtet Wohnungsnotstand

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im kommenden Jahr könnte es eng werden: Es gibt zu wenige Wohnheimplätze im Norden.

Die Hilferufe kleben an Bäumen und an der Pinnwand im Supermarkt : „Suche dringend kleines WG-Zimmer“. Tausende – darunter viele Erstsemester – suchen in Schleswig-Holstein derzeit eine Studentenbude. Hoffnungen, eines der begehrten – weil günstigen – Wohnheimzimmer zu ergattern, können sie sich nicht mehr machen. „Wir hatten 3259 Bewerbungen aber nur 1800 freie Zimmer“, berichtet Susanne Schrader vom Studentenwerk Schleswig-Holstein. 1450 Studiosi stehen derzeit noch auf der Warteliste. Schrader geht davon aus, dass sich die Situation im Spätherbst etwas entspannt, wenn die künftigen Akademiker ihre Wohnungssuche notgedrungen auch auf die Randgebiete und Umlandgemeinden der Hochschulstädte ausdehnen.

Trotzdem schaut Schrader sorgenvoll auf die kommenden Zeit, weil sich momentan alles um die Wohnungsversorgung der Flüchtlinge drehe. „Die Zusage, dass die geplanten Gemeinschaftsunterkünfte in Kiel, Lübeck und Flensburg in fünf bis zehn Jahren zu Studentenwohnheimen umfunktioniert werden, hilft uns überhaupt nicht“, so Schrader. Ab kommendem Jahr müssten die doppelten Abiturjahrgänge, die an Unis und Fachhochschulen stürmen, mit Wohnraum versorgt werden. „Wir brauchen die Kapazitäten jetzt und nicht erst in zehn Jahren“, so Schrader. Sie will deshalb „eine Unterbringung von Studenten in Turnhallen und die Doppelbelegung der Studentenheimzimmer für das kommende Jahr nicht mehr ausschließen“.

Allein steht Schrader mit ihren Befürchtungen nicht. Fachleute warnen seit geraumer Zeit vor einer Konkurrenz um die Zuschüsse aus öffentlichen Kassen. Denn sowohl der Bau von Studentenheimen als auch von Flüchtlingswohnungen sollen mit Fördermitteln aus dem Landesetat für sozialen Wohnungsbau subventioniert werden. Das Kieler Innenministerium wiegelt ab: „An den Hochschulstandorten Kiel, Lübeck und Flensburg sind Mittel reserviert worden, die auch Maßnahmen zum studentischen Wohnen umfassen sollen“, erklärte Thimo Lüeße.

Noch geht es nur um das Gerangel an den Fördertöpfen. Doch das Deutsche Studentenwerk warnt schon jetzt : „Wenn die Flüchtlinge eine Aufenthaltsberechtigung erhalten, kann es unter einkommensschwachen Gruppen zu einer Konkurrenzsituation kommen“. Günstiger Wohnraum wird allgemein in den Städten knapper. „Die Schere geht immer weiter auf“, sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes.

Das knappe Angebot an günstigen Wohnungen trifft vor allem Studienanfänger aus Haushalten mit niedrigem Einkommen. Sie sind besonders auf staatlich geförderte Wohnheimplätze angewiesen. Doch davon gibt es im Norden weit weniger als in anderen Bundesländern. Mit den 3022 Plätzen in 19 Heimen erreicht der Norden eine durchschnittliche Versorgung von 5,9 Prozent. Der Bundesschnitt liegt bei knapp zehn Prozent .

Zum Vergleich: In Thüringen können 14,5 Prozent aller Studierenden in vom Staat subventionierten Wohnheimen untergebracht werden, in Baden-Württemberg immerhin 12 Prozent. Die meisten Plätze kosten zwischen 150 und 300 Euro Bruttowarmmiete, je nach Ausstattung, Wohnform und Lage.

Übrigens: Über Wohnheime rümpften Studenten vor wenigen Jahren noch die Nase. Angesagt waren Altbauten, Uninähe und Programmkino und Kneipe um die Ecke. Gesucht wurden hippe WGs, für die obligatorischen drei „P “ im Studentenleben. Pennen, Pauken Party. So wandeln sich die Zeiten!

Hintergrund: Knappe Wohnheimplätze

Erneut werden in diesem Wintersemester bundesweit rund 500.000 Studienanfänger erwartet. Die Gesamtzahl der Studierenden stieg 2014 auf das Rekordhoch von 2,69 Millionen. 20 Prozent der Studierenden wohnen noch immer bei den Eltern, schätzt das Deutsche Studentenwerk – deutlich mehr als vor 30 Jahren.

Für knapp zehnt Prozent gibt es Wohnheimplätze. 1991 lag der Bundesdurchschnitt bei rund 15 Prozent. Dabei haben Studenten laut einer aktuellen Studie (www gbi.ag) immer mehr Probleme bei der Wohnungssuche.

In 39 der 87 größeren Universitätsstädten gilt der studentische Wohnungsmarkt als angespannt. Kiel landet im Mittelfeld, in Flensburg und Lübeck steigen die Mieten zwar ebenfalls, aber sehr moderat. Am schwierigsten ist die Suche nach einer passenden Bude demnach in München, Frankfurt am Main und Hamburg.

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erstellt am 05.Okt.2015 | 10:19 Uhr

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