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Prozess in Kiel : Doppelmord von Haale: Staatsanwalt fordert lebenslänglich

vom
Aus der Onlineredaktion

„Der Angeklagte ist der Mörder“, sagt der Staatsanwalt im Prozess gegen einen 29-Jährigen. Die Verteidiger wollen Freispruch.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 16:50 Uhr

Kiel/Haale | Im Prozess um den Doppelmord an zwei Frauen auf einem Pferdehof in Haale (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat der Staatsanwalt für den Angeklagten lebenslange Haft gefordert. Er sprach von einer besonderen Schwere der Schuld. „Der Angeklagte ist der Mörder, daran gibt es nach der Beweisaufnahme keine vernünftigen Zweifel“, sagte der Staatsanwalt.

Das Verbrechen hatte eine ganze Region aufgewühlt. Die beiden Frauen lebten seit 1998 auf dem Anwesen am Rande Haales, zu dem Wohnhaus, Stall, Scheune und Koppeln gehörten. Sie betrieben dort einen „Gnadenhof“ für Pferde.

Der 29-jährige Automechaniker habe die beiden Frauen am 19. November 2014 im Streit um 7900 Euro aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat ermordet. Mit der Tat wollte er demnach eine Privatinsolvenz umgehen. Bei der Tat habe er kaltblütig und heimtückisch gehandelt. Die 57-jährige Hofbesitzerin starb durch Schüsse in Rücken und Hals. Sie versorgte gerade ihre kleine Pferdezucht. Ihrer hinzueilenden 83-jährigen Mutter wurde erst von hinten die Kehle durchtrennt. Dann schoss ihr der Täter noch in den Hinterkopf und zündete anschließend die Leichen an.

Fast zwei Stunden lang knüpfte der Staatsanwalt das Netz von Indizien gegen den Angeklagten. Die 57-jährige Hofbesitzerin habe am Tattag die knapp 8000 Euro zurückgefordert, die sie ihm für einen dringend benötigten, aber von ihm mit immer neuen Ausflüchten nicht gelieferten Transporter gezahlt habe, sagte Holleck.

Der Frau sei die Geduld gerissen. Sie habe den Angeklagten vor die Wahl gestellt: „Geld oder Fahrzeug“. Denn auch sie und ihre 83-jährige Mutter „waren sozusagen pleite“. Angeblich sollte sie den Wagen dann endlich bekommen. Doch es wurde ihr Todestag.

Den Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten schenkte der Staatsanwalt keinen Glauben. „Er hat kein Alibi“, sagte er. Dass er zur Tatzeit in seiner Werkstatt am PC saß, sei ebenso unglaubhaft wie die  Alibis, die ihm zwei Kumpel plötzlich im Prozess hätten geben wollen. „Ihre Aussagen wären ein Festschmaus für jeden Aussagepsychologen gewesen“, sagte er.

Weitere Indizien für den Staatsanwalt: An und im Fahrzeug des Angeklagten sei Blut der 83-Jährigen gefunden worden. Nach der Tat habe der 29-Jährige seine Arbeitskleidung gewaschen, um Spuren zu beseitigen. Insgesamt „gibt es keinen anderen Täter der in Frage kommt“, sagte Holleck. „Der Angeklagte hatte ein Motiv. Er war am Tatort“. Hinzu käme: „Er hat nachweislich in unzähligen Punkten gelogen.“

Der 29-Jährige selbst schwieg vor Gericht. Wie an den anderen Verhandlungstagen zeigte er fast keine Regung, schüttelte nur gelegentlich kaum merklich den Kopf. Er bestreitet über seine Verteidiger den Mordvorwurf. Sie beantragten Freispruch. Ihrer Ansicht nach reichen die Indizien nicht aus.

Der Nebenklagevertreter der beiden Kinder der 57-Jährigen folgte dem Antrag des Staatsanwalts. Ohne Auswirkungen auf den Fortgang des Prozesses blieb ein anonymes Schreiben, in dem statt des Angeklagten zwei seiner Kumpel der Tat bezichtigt werden. Die beiden Männer hatten dem 29-Jährigen im Prozess ein Alibi geliefert. Auch die Verteidiger verzichteten darauf, die Beweiskraft des Schreibens überprüfen zu lassen.

Das Urteil wird am Montag erwartet. 

 

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