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Bluttat auf Pferdehof : Doppelmord von Haale: Lebenslänglich für Angeklagten

vom
Aus der Onlineredaktion

Das Kieler Landgericht verurteilt den 29-jährigen Dennis N. zu lebenslanger Haft. Der Automechatroniker hat nach Meinung des Gerichts zwei Frauen brutal ermordet. Die Verteidigung kündigte Revision an.

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2015 | 17:32 Uhr

Haale/Kiel | Rund ein Jahr nach dem Mord an zwei Frauen auf einem Pferdehof in Haale (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat das Kieler Landgericht den 29 Jahre alten Angeklagten schuldig gesprochen. Es verurteilte den Mann aus Beringstedt am Montag zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Der hochverschuldete Angeklagte tötete demnach im November 2014 die 57-jährige Hofbesitzerin und deren 83 Jahre alte Mutter im Streit um 7900 Euro. Mordmotive seien die  Verdeckung einer Straftat und Heimtücke gewesen. Mit dem Urteil folgte das Schwurgericht in dem Indizienprozess den Strafanträgen von Staatsanwalt und Nebenklage.

Das Verbrechen hatte aufgrund seiner Brutalität eine ganze Region aufgewühlt. Zunächst gab es wenig Hinweise auf den Täter. Das Motiv erschien unklar. Im Prozess versuchte der Angeklagte mit nach Meinung der Staatsanwaltschaft konstruierten Alibis von seiner Schuld abzulenken.

Das Landgericht sieht es als erwiesen an, dass der angeklagte Dennis N. am 18. November 2014 Regina F. und deren Mutter Inge S. getötet hat. Die beiden Frauen waren im Pferdestall des Resthofes von Regina F. in Haale mit einer Pistole und einem Messer getötet, mit Stroh und Benzin überschüttet und angezündet worden. Hintergrund ist laut Staatsanwaltschaft ein Streit um einen vom Automechatroniker Dennis N. versprochenen VW-Bus, den er nicht geliefert habe, obwohl Regina F. den Transporter bereits mit 7900 Euro angezahlt hatte. Der Angeklagte sitzt seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft, sagt seitdem jedoch nichts zu den Vorwürfen. Die Verteidiger des mutmaßlichen Doppelmörders forderten im Prozess einen Freispruch. Sie sehen die Beweise der Staatsanwaltschaft als unzureichend an.

Die beiden Frauen lebten seit 1998 auf dem Anwesen am Rande Haales, zu dem Wohnhaus, Stall, Scheune und Koppeln gehörten. Sie betrieben dort einen „Gnadenhof“ für Pferde. Eine Woche nach dem Verbrechen wurde der Angeklagte von Spezialkräften der Polizei festgenommen. Der Automechatroniker soll die beiden Frauen laut Anklage in dem Streit um die 7900 Euro aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat ermordet haben. Mit der Tat wollte er demnach eine drohende Privatinsolvenz umgehen. Die Staatsanwaltschaft nannte die Bluttat im Prozess „kaltblütig und heimtückisch“. Die 57-jährige Hofbesitzerin starb durch Schüsse in Rücken und Hals. Sie versorgte gerade ihre kleine Pferdezucht. Ihrer hinzueilenden 83-jährigen Mutter wurde erst von hinten die Kehle durchtrennt. Dann schoss ihr der Täter noch in den Hinterkopf und zündete anschließend die Leichen an.

Mit Spürhunden suchte Polizei die Umgebung um den Tatort ab. Laut Staatsanwaltschaft deuteten schließlich alle Indizien auf den 29-jährigen Angeklagten als Täter hin.
Mit Spürhunden suchte Polizei die Umgebung um den Tatort ab. Laut Staatsanwaltschaft deuteten schließlich alle Indizien auf den 29-jährigen Angeklagten als Täter hin. Foto: Friederichs

In seinem Plädoyer vergangene Woche knüpfte Staatsanwalt Torsten Holleck fast zwei Stunden lang das Netz von Indizien gegen den Angeklagten. Die 57-jährige Hofbesitzerin habe am Tattag die knapp 8000 Euro zurückgefordert, die sie ihm für einen dringend benötigten, aber von ihm mit immer neuen Ausflüchten nicht gelieferten Transporter gezahlt habe, sagte Holleck. Der Frau sei der Geduldsfaden gerissen. Sie habe den Angeklagten vor die Wahl gestellt: „Geld oder Fahrzeug“. Denn auch sie und ihre 83-jährige Mutter „waren sozusagen pleite“. Angeblich sollte sie den Wagen dann endlich bekommen. Doch es wurde ihr Todestag.

Den Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten schenkte der Staatsanwalt keinen Glauben. „Er hat kein Alibi“, sagte er. Dass er zur Tatzeit in seiner Werkstatt am PC saß, sei ebenso unglaubhaft wie die Alibis, die ihm zwei Kumpel plötzlich im Prozess hätten geben wollen. „Ihre Aussagen wären ein Festschmaus für jeden Aussagepsychologen gewesen“, so Holleck.

Weitere Indizien für den Staatsanwalt: An und im Fahrzeug des Angeklagten sei Blut der 83-Jährigen gefunden worden. Nach der Tat habe der 29-Jährige seine Arbeitskleidung gewaschen, um Spuren zu beseitigen. Insgesamt „gibt es keinen anderen Täter, der infrage kommt“, sagte Holleck. „Der Angeklagte hatte ein Motiv. Er war am Tatort.“ Hinzu käme: „Er hat nachweislich in unzähligen Punkten gelogen.“ Zudem soll sich der Mann in der Untersuchungshaft illegal Zugang zu Mobiltelefonen verschafft haben und mit diesen versucht haben, auf Zeugen Einfluss zu nehmen. 

Der 29-Jährige schwieg selbst vor Gericht. Während der Verhandlung zeigte er fast keine Regung, schüttelte nur gelegentlich kaum merklich den Kopf. Er bestreitet über seine Verteidiger den Mordvorwurf. Sie beantragten Freispruch. Ihrer Ansicht nach reichen die Indizien für eine Verurteilung nicht aus. Nach dem Schuldspruch durch das Schwurgericht wollen die Verteidiger in Revision gehen.

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