zur Navigation springen

Prozess in Kiel : Doppelmord in Haale: Das sagen die Kripobeamten

vom

Ein 29-Jähriger soll zwei Frauen auf einem Pferdehof kaltblütig ermordet haben. Der Angeklagte schweigt bisher.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2015 | 18:24 Uhr

Kiel | Im Indizienprozess um den Doppelmord an zwei Frauen auf deren Pferdehof in Haale (Kreis Rendsburg-Eckernförde) haben am Freitag zwei Kripobeamte ausgesagt. Sie hatten den 29-jährigen Angeklagten noch in der Tatnacht vernommen - zunächst als Zeugen, dann als Verdächtigen.

Der Kfz-Mechatroniker Dennis N. ist wegen Mordes aus Habgier sowie heimtückischen Mordes zur Verdeckung einer Straftat angeklagt. Der 29-jährige bestreitet die Tat. Vor Gericht schweigt er. Er soll am 18. November 2014 im Streit um einen bezahlten, aber von ihm nicht gelieferten gebrauchten Transporter zuerst die 57-jährige Hofeignerin und dann deren 83-jährige Mutter kaltblütig umgebracht haben.

Vor der Aussage der Kommissarin der Kieler Mordkommission sowie ihres Rendsburger Kollegen hatte die Verteidigung vergeblich versucht, die Verwertung der damaligen Angaben ihres Mandanten zu verhindern. Das Schwurgericht lehnte den Antrag aber ab. 

Als die Polizei um Mitternacht an seiner Tür im nur zehn Kilometer entfernten Beringstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) klingelte, räumte der Angeklagte ein, kurz vor der Tat noch auf dem Hof gewesen zu sein, schildert der Rendsburger Beamte. Die 57-jährige habe ihn gebeten, einen Pferdeanhänger zu reparieren. Nach einem Gespräch mit ihr sei er in seine Werkstatt und dann nach Hause gefahren.

Die Beamten kamen auf die Spur des Angeklagten, weil ein auf seine Verlobte zugelassener Kleinwagen unweit des Pferdestalls stand, in dem die Frauen hinterrücks getötet und verbrannt wurden. Als sie seine frisch gewaschene Arbeitskleidung über einem Stuhl hängen sahen, wurden sie misstrauisch.

Vor der Beamtin der Kieler Mordkommission bestreitet er Angaben von Bekannten der Frauen, dass er am Tattag einen bereits mehrfach zugesagten Transporter ausliefern wollte. Er könne sich deren Behauptungen nicht erklären, sagte der 29-Jährige der Beamtin. Er räumte allerdings ein, dass er für den Transporter in mehreren Raten 7900 Euro erhalten habe. 2500 Euro habe er aber zurückgezahlt. Einen Beleg dafür habe er aber nicht.

Die Anklage geht davon aus, dass der Mann im Streit um die knapp 8000 Euro, die er den Frauen schuldete, der 57-jährigen Hofeignerin erst in den Rücken, dann durch den Hals schoss. Der hinzueilenden Mutter schnitt er demnach von hinten die Kehle durch und schoss der 83-Jährigen dann noch in den Hinterkopf. Dann soll er die Leichen mit Stroh und Benzin überschüttet und angezündet haben.

Der Prozess wird am 9. November (11.00 Uhr) fortgesetzt. Das Urteil wird kurz vor Weihnachten erwartet. Insgesamt will das Gericht rund 30 Zeugen und zwei Sachverständige hören.

Ob die Ermittler auch aus den ersten Vernehmungen des Angeklagten berichten können, ist offen. Das Schwurgericht will am zweiten Prozesstag verkünden, ob es dem Antrag der Verteidiger auf ein Verwertungsverbot dieser Aussagen stattgibt. Wie die Verlobte des 29-jährigen sagte, gab der Mann bei einer ersten Befragung als Zeuge aber an, dass er noch kurz vor dem Verbrechen auf dem Hof war, um einen Anhänger zu reparieren.

Das Verbrechen im November 2014 hatte eine ganze Region aufgewühlt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert