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Dänemark gibt Rødbyhavn-Pläne auf : Doch kein Atom-Endlager am Fehmarnbelt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dänemark stoppt die Suche nach einer Atomdeponie – und kommt damit auch massiven Bedenken aus Schleswig-Holstein entgegen.

Fehmarn/Kopenhagen | Aufatmen am Fehmarnbelt: An der Wasserstraße direkt vor Schleswig-Holstein wird es nun doch kein Atom-Endlager geben. Eine Mehrheit der Fraktionen im dänischen Parlament hat sich darauf verständigt, entsprechende Pläne aufzugeben. Das teilte Gesundheitsminister Nick Hækkerup in Kopenhagen mit. Bisher war Rødbyhavn auf Lolland – nur 18 Kilometer Luftlinie von Puttgarden auf Fehmarn entfernt – als einer von sechs möglichen Standorten für eine Atomdeponie in der Endauswahl.

Gutachter hatten den Untergrund dort als geologisch besonders geeignet bezeichnet – und damit Bedenken unter anderem bei Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck, dem Kreis Ostholstein, Touristikern und Einwohnern Fehmarns ausgelöst.

Zwar hat Dänemark nie Kernkraftwerke zur Energieerzeugung betrieben. Jedoch will es mittel- und schwach radioaktiven Abfall aus dem 2000 stillgelegten Forschungsreaktor Risø bei Roskilde sowie aus Medizin und Industrie entsorgen. 2003 galten die bis zu 10.000 Kubikmeter noch als hochradioaktiv, waren dann aber, begleitet von Kritik von Umweltschützern, umklassifiziert worden.

Nach Angaben Hækkerups hat sich die Parlamentarierrunde mit Stimmen von ganz links bis ganz rechts darauf geeinigt, statt eines unterirdischen Endlagers nun zunächst ein Zwischendepot an der Erdoberfläche zu prüfen. Es soll auf maximal 100 Jahre ausgelegt sein. Dafür gelten jedoch völlig andere Anforderungen als für eine Enddeponie – weshalb Rødbyhavn ebenso aus dem Rennen ist wie die weiteren Standorte auf Bornholm, auf Fünen und an drei Orten am Limfjord in Nordjütland. Überall hatte es Proteste gegeben. Zudem hoffen die Politiker darauf, dass künftig Techniken für einen sichereren Umgang mit den radioaktiven Rückständen erfunden werden. Deshalb, so die Argumentation, könne es sich als kontraproduktiv erweisen, den Müll jetzt auf nicht mehr zugängliche Art zu vergraben.

Eine weitere Option ist ein Export des Atommülls ins Ausland. Allerdings stuft die Mitte-Links-Regierung es als extrem schwierig ein, einen ausländischen Abnehmer zu finden.

Für den sozialdemokratischen Minister Hækkerup ist ein Zwischenlager „genau die richtige Lösung“. Egal ob sich der Prozess nun verteuere oder verlängere – wichtig sei einzig „eine Lösung, mit der sich die Dänen vollkommen sicher fühlen können“.

Mit ihrem Einlenken kommt die dänische Politik Zweifeln auch von Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck entgegen. Der hatte Ende Januar im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung Kritik geäußert. In einer förmlichen Stellungnahme wies der Grüne darauf hin, dass Rødbyhavn im Nahbereich erheblichen Personen- und Güterverkehrs sowie touristisch genutzter Gebiete liegt. „Die Entwicklung zeigt, dass Dänemark diese Hinweise ernst nimmt“, stellt Habecks Sprecherin Nicola Kabel fest und findet: „Das ist zu begrüßen.“ Der Kieler Ressort-Chef hatte ebenfalls einen Atommülltourismus aus dem Ausland in das Lager befürchtet, damit dessen Betrieb wirtschaftlicher werde. Ebenso vermisste er, dass die von Dänemark zur Verfügung gestellten Dokumente nichts über den Umfang der Wärmeentwicklung aussagten. Neben der Landesregierung hatten auch staatliche Stellen aus Schweden und Polen ihre Besorgnis geäußert und die Pläne als unzureichend bezeichnet.

Auf Fehmarn läuten die Freudenglocken angesichts der neuen Nachrichten aus Dänemark. „Ein Glück, dass es nun nicht so kommt“, sagt Jörg Weber. Der sozialdemokratische Gewinner der Bürgermeisterwahl vom vorletzten Sonntag hatte innerhalb von nur 24 Stunden bei einer Blitz-Petition im Januar 1758 Unterschriften gegen ein Atomlager in Rødbyhavn gesammelt. „Wenn wir ein bisschen dazu beigetragen haben, dass das Lager nicht kommt, haben wir wohl alles richtig gemacht“, meint Weber. „Die Nähe zu den Badestränden und noch mehr die Nachbarschaft zu der stark befahrenen Vogelfluglinie – das passt einfach nicht für eine Atomdeponie“, findet er. Hinzu komme: „Die Belastung ist groß genug, die mit dem Belttunnel auf uns zukommt – da brauchen wir nicht noch eine Baustelle.“

Die Geschäftsführerin des Tourismusverbands Schleswig-Holstein, Catrin Homp, erklärte: „Natürlich begrüßen wir diese Entscheidung, da wir nach wie vor der Meinung sind, dass Atommüll-Endlager in unmittelbarer Nähe zu Urlaubsregionen problematisch sind. Allerdings werden wir in Zukunft alle Kräfte bündeln müssen, um eine gesamtgesellschaftliche Lösung dieser drängenden Fragen auch unter Einbeziehung des Tourismus zu finden.“

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erstellt am 07.Apr.2015 | 16:19 Uhr

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